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30. März 2010, 08:19 Uhr

Justizministerin will Internetsperren verhindern

Gegenwind für die EU-Pläne im Kampf gegen Kinderpornografie: Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger will die Brüsseler Initiative, entsprechende Internetseiten zu sperren, stoppen. Unterstützung bekommt die FDP-Politikerin von der Opposition.

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"Löschen statt sperren": Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger© Michael Kappeler/DDP

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) will die von der EU-Kommission anvisierten Sperren für Webseiten mit kinderpornographischen Inhalten verhindern. Stattdessen solle eine EU-Regelung das Löschen derartiger Seiten vorschreiben, sagte sie dem "Hamburger Abendblatt".

"Ich erwarte in den anstehenden Beratungen eine breit gefächerte Debatte, in der ich den Grundsatz 'Löschen statt sperren' vertreten und für eine möglichst breite Unterstützung im Rat und im Europäischen Parlament werben werde", erklärte Leutheusser-Schnarrenberger. Die Bundesregierung lehne Internetsperren ab. "Sie stellen kein wirksames Mittel im Kampf gegen Kinderpornographie dar, führen aber gleichzeitig zu einem großen Vertrauensschaden bei den Internetnutzern."

EU-Pläne "nicht überraschend"

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström hatte am Montag den Entwurf für eine Richtlinie vorgestellt, in der Mitgliedstaaten verpflichtet werden sollen, mit Internetsperren das Anschauen von Kinderpornographie im Netz unmöglich zu machen. In Deutschland setzte Bundespräsident Horst Köhler bereits Mitte Februar das sogenannte Zugangserschwerungsgesetz in Kraft, das derartige Sperren ermöglicht. Allerdings hat sich die schwarz-gelbe Regierung darauf verständigt, die noch von der Großen Koalition verabschiedete Regelung nicht anzuwenden. Stattdessen soll ein neues Gesetz zur Löschung von Kinderpornoseiten auf den Weg gebracht werden.

Leutheusser-Schnarrenberger erklärte, sie habe Malmström bereits die Haltung der Bundesregierung deutlich gemacht. Die Überlegungen auf europäischer Ebene seien allerdings "nicht überraschend" gekommen, sondern bereits Gegenstand eines Rahmenbeschlussentwurfs. Die geplante Richtlinie zählt noch weitere Straftatbestände auf, die die Mitgliedstaaten in nationales Recht aufnehmen müssten. Dazu gehört das sogenannte Grooming - der Versuch, in Online-Netzwerken Kinder ausfindig zu machen, um diese später zu missbrauchen.

"Wir brauchen überhaupt kein neues Gesetz"

Gegenwind für die Brüsseler Pläne kommt auch aus der FDP, der SPD und von den Grünen: Internetsperren seien "ineffektiv", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Liberalen, Christian Ahrendt, der "Frankfurter Rundschau".

Auch Konstantin von Notz, netzpolitischer Sprecher der Grünen, sowie der stellvertretende SPD-Parteivorsitzende Olaf Scholz zweifelten deren Wirksamkeit an. "Ich sehe nicht, dass wir einen Schritt weiter wären, wenn wir im Internet Stoppschilder aufgehängt hätten", sagte Notz. "Die Stoppschilder zu umgehen ist kinderleicht. Wir brauchen überhaupt kein neues Gesetz, denn das Löschen von strafrechtlich relevanten Seiten ist rechtlich längst möglich." Scholz zeigte sich "überzeugt, dass sich die Erkenntnis auch auf EU-Ebene durchsetzen wird".

"Was offline verboten ist, muss auch online untersagt sein"

Unterstützung für Internetsperren kommt dagegen aus der Union und von der Deutschen Kinderhilfe. Mit dem Vorschlag der EU-Kommission werde "ein einheitlicher Standard geschaffen, um gegen das grenzüberschreitende Problem vorzugehen", sagte der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Wolfgang Bosbach der "Frankfurter Rundschau". Die Sperren könnten Nutzer warnen, "dass sie sich beim nächsten Klick strafbar machen". Dass der Zensur dadurch Tür und Tor geöffnet werden, befürchtet der CDU-Politiker nicht: "Was offline verboten ist, muss auch online untersagt sein."

Die Deutsche Kinderhilfe forderte die Bundesregierung zum Handeln auf. Union und FDP müssten den EU-Vorstoß zum Anlass zu nehmen, "jetzt schnell ein wirksames Internet-Sperrgesetz vorzulegen", sagte der Kinderhilfe-Vorsitzende Georg Ehrmann der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Internetsperren in Deutschland Im Sommer 2009 haben Union und SPD das Zugangserschwerungsgesetz beschlossen. Das sieht vor, im Kampf gegen Kinderpornografie zunächst zu versuchen, die entsprechenden Inhalte zu löschen, das Gesetz eröffnet jedoch auch die Möglichkeit, die Seiten zu sperren. Das Gesetz trat nach der Unterschrift des Bundespräsidenten im Februar 2010 in Kraft. Allerdings hatte die neue, schwarz-gelbe Regierung sich schon zuvor darauf geeinigt, auf das umstrittene Sperren zu verzichten. Das Innenministerium hat das Bundeskriminalamt instruiert, die Sperren nicht umzusetzen. Die Oppositionsparteien SPD, Grüne und Linkspartei wollen das Gesetz aufheben, die FDP dringt auf ein "Löschgesetz", in der Unionsfraktion im Bundestag unterstützen einige Abgeordnete auch noch das Sperren.

DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
Simsman (31.03.2010, 00:40 Uhr)
Witz des Tages
Die ganze Sache ist ein Witz aber sonst nix,ungefähr so als würde man alle Waffen sichern um zu verhindern das einer damit schießt.Wieder mal heisse Luft und Geldverschwendung da man solche Sperren locker und leicht umgehen kann,die Löschung bringt auch nix da die auf einen anderen Server umziehen bzw diese eh in Ländern wie Russland oder sonst einem nicht EU-Land stehen und den Kindern die da angeblich Miilionenfach missbraucht wurden/werden hilft das schon garnicht.Und das hier Kinder mit Hunger ins Bett gehen oder zur Schule,misshandelt,vernachläßigt und soweiter davon redet eh keiner.Die wollen nicht den Kindern helfen sondern einen Grund haben alle Leute auszuspionieren so wie China es vormacht.Aber wirklich helfen wollen die den Kindern doch eh nicht.
H.Brand (30.03.2010, 23:30 Uhr)
Sperren und Löschen ... ?
Ich frage mich: Wie will man denn Internet-Seiten sperren oder löschen, wenn diese im außereuropäischen Ausland ins Netz gestellt werden? Ich sehe hierfür keine technische und rechtliche Möglichkeit.
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Wichtig wäre, dass die kranken Menschen, die sich solche Seiten ansehen, eine sachgerechte Therapie bekommen.
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Was mir absolut unverständlich ist, ist die Tatsache, dass es bereits in Deutschland ein entsprechendes Gesetz zur Sperrung von diesbezüglichen Internetseiten gibt, aber vom Staat (Innenministerium) angeordnet wird, dieses Gesetz nicht anzuwenden.

Das Gesetz zur Sperrung der Seiten existiert doch bereits:
"Das Gesetz trat nach der Unterschrift des Bundespräsidenten im Februar 2010 in Kraft. Allerdings hatte die neue, schwarz-gelbe Regierung sich schon zuvor darauf geeinigt, auf das umstrittene Sperren zu verzichten. Das Innenministerium hat das Bundeskriminalamt instruiert, die Sperren nicht umzusetzen."
Die Bundesregierung befolgt ihr eigenes Gesetz nicht! So ein Irrsinn! - Wer kann das nur begreifen? Was ist das nur für ein Staat, der seine eigenen Gesetze nicht einhält, wenn es ihm anscheinend nicht passt? Ist dies noch ein Rechtsstaat?
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-HB-
Katastrophenjunkie (30.03.2010, 12:52 Uhr)
@ orakel77
Hinsichtlich der Zensurängste einiger kann ich den Unterschied zwischen Sperren und Löschen nicht erkennen.

Dieser Unterschied existiert - und ist nicht klein! Wenn meine Website versehentlich in diese Sperre aufgenommen wurde und ich mich mit meiner Firma wundere, warum die Seitenzugriffe seltenst werden, komme ich vielleicht irgendwann aus Zufall darauf. Wenn meine Seite gelöscht wird bzw. werden soll, weiß ich das und kann mich zur Wehr setzen.
Malt (30.03.2010, 12:34 Uhr)
@blackbox
Ach ja, und sie sind also auch dafür, dass man, wenn eine Frau auf der Straße vergewaltigt wird, die Polizei, statt den Täter zu verhaften, sich aussenrum stellt und eine Decke davor hält damit man's nicht sieht? Stimmt, DAMIT ist den Opfern sicher geholfen... ich mein, die werden zwar immernoch missbraucht (und die Sperre kann jeder der mehr als einen Taschenrechner bedienen kann innerhalb von Minuten umgehen) aber wenigstens muss man es sich dann nicht mehr ansehen, oder? Eine Sperre hat nur ein Ziel: Die Einführung eines Kontrollwerkzeugs für des WWW.... denn SINN macht diese Maßnahme im Bezuig auf Bekämpfung der Kinderpornographie absolut KEINEN! Informiert euch mal: 90% aller Kinderpornographischen Darstellungen werden, Schätzungen zufolge, von Hand zu Hand gehandelt und haben nie Kontakt mit dem Internet... dort wird man, wenn überhaupt, immer nur die Spitze des Eisbergs vorfinden! Aber aus den Augen, aus dem Sinn, nicht wahr?
Malt (30.03.2010, 12:24 Uhr)
@wissmiss:
Also das "Ich denke, niemand in der Politk denkt im Traum daran, die Massnahmen irgendwann auf politische Websites auszudehnen, denn das würde vom Volk sicher nie toleriert" ist ja wohl die naivste Aussage die ich hier je gelesen habe!
blackbox (30.03.2010, 12:21 Uhr)
"Danke" Frau Ministerin
Sie haben der Pädophilenszene hierzulande wahrlich einen Gefallen getan !

Der Ansatz "Löschen statt Sperren" zeugt von absolutem Wissensmangel ihrerseits. Im besten Falle sind Sie naiv, bzw weltfremd und offenbar ohne irgendwelche Kenntnisse ausgestattet, wie Datenaustausch im Internet funktioniert.

Seiten mit bestimmten verbotenem Inhalten lassen sich relativ einfach im Browser blockieren.
Serverbetreiber oder Anbieter dazu zwingen zu wollen frawürdige Inhalte zu löschen, ist ein Kampf gegen Windmühlen, der nicht zu gewinnen ist.

Dies nun auch entgegen der grossen Mehrheit der anderen EU Staaten tun zu wollen, verschafft Pädophilen kostbare Zeit verschafft um sich weiterhin ungetrübt aus den unerschöpflichen Ressourcen des WWW mit diesem "Schmutz" zu versorgen...

Was hat Sie, Frau Ministerin, nur geritten, diesen schlimmen Politikansatz gegen die Interessen der Kinder durchpauken zu wollen ?



Swissmiss (30.03.2010, 11:19 Uhr)
Unfassbar
Es gibt tatsächlich Menschen, die meinen allen Ernstes, man soll Kinderpornografie im Internet tolerieren, weil 1.) wenn mans löscht/sperrt, es einfach an anderer Stelle wieder auftaucht, und 2.) wenn man anfängt, das zu zensurieren, man dann schnell mal auch politische websites zensurieren würde. Hallo, gehts noch? Hinter jedem Kinderpornobild versteckt sich unendliches Leid von Kindern, die sich nicht selbst wehren können. Die Opfer haben es verdient, dass man ihre Bilder (zu deren Veröffentlichung sie sicher nie zugestimmt haben und die sie in einer Situation tiefster Demütigung zeigen) sofort nicht mehr zugänglich macht - wie, das ist doch egal. Mag ja sein, dass die Bilder auf andern Servern später wieder auftauchen, aber eine zivilisierte Gesellschaft setzt sich doch immer am stärksten für ihre schwächsten Mitglieder ein, weshalb uns dies nicht daran hindern soll, weiter gegen diese wiederlichen Bilder anzukämpfen. Und wer weiss, irgendwann werden sich immer mehr Staaten dem Kampf gegen Kinderpornografie angeschlossen haben und den Anbietern henkt die ewige Verlegung auf immer neue Server irgendwann mal aus, so dass die Kinderpornobilderflut im Internet irgendwann einmal tatsächlich abnimmt. Aber man muss den Kampf endlich mal beginnen. In meinen Augen ist es auch ein himmelweiter Unterschied, ob man Kinderpornobider zensuriert oder politische Websites. Ich denke, niemand in der Politk denkt im Traum daran, die Massnahmen irgendwann auf politische Websites auszudehnen, denn das würde vom Volk sicher nie toleriert.
orakel77 (30.03.2010, 10:59 Uhr)
@ Huxley_82; Natürlich ist löschen besser
Ich wollte doch nur folgendes sagen: Bevor unsere Politiker sich wieder über ewige Zeiten in Arbeitsgruppen zurückziehen und über Jahre eforschen ob Löschen besser ist als Sperren, sollte man doch einfach den schnellen Weg gehen und diese Seiten mit illegalem Inhalt sperren. Danach kann man im zweiten Schritt das bessere Löschen europaweit angehen. Die Strafverfolgung sollte auch beim Sperren greifen. Wichtig ist doch erstmal nur, dass diese Seiten nicht mehr zugängig sind.

Hinsichtlich der Zensurängste einiger kann ich den Unterschied zwischen Sperren und Löschen nicht erkennen.
laketahoe (30.03.2010, 10:57 Uhr)
Wenn die Regierung in allen Fragen so behutsam und bedächtig vorgehen würde, wie in dieser Frage.....
.... dann wäre uns geholfen......

Natürlich ist es besser, es gibt Seiten mit verbotenen Inhalten erst gar nicht. Aber auch wenn die per Verordnung gelöscht werden, tauchen diese Seiten Tage später bei einem anderen Provider irgendwo wieder auf. Was spricht also dagegen, aus allen Rohren auf die kriminellen Betreiber solcher Sites zu schiessen. Also zu sperren und zu löschen, je nachdem, was schneller zu machen ist.

Das Argument, die Freiheit des Internet müsse gewahrt bleiben, empfinde ich als geradezu lächerlich, hochgradig dumm und zynisch. Niemals wird es politisch motivierte Sperren geben. In einem Land, das sich den Luxus leistet, eine rechtsradikale und verfassungswidrige Partei wie die NPD nicht zu verbieten ... in dem es möglich ist, mit Hakenkreuzen und anderen einschlägigen Symbolen ganz offen umzugehen..... macht ja nichts... wir dürfen ja immer wieder von Politikern erfahren, die wir teuer bezahlen, dass die in der Verfassung garantierte freie Meinungsäußerung über alles andere zu stellen ist ... da haben die jedes Jahr von Rechtsradikalen getöteten und verletzten Menschen eben Pech gehabt .... dass sie die Deutsche Verfassung nicht kapiert haben....
davehaasters (30.03.2010, 10:51 Uhr)
...
Seiten auf europäischen Servern sofort löschen und für die Seiten von außerhalb kann die Regierung ja ein Spezialistenteam aus Hackern zusammenstellen :)
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