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13. Januar 2007, 17:22 Uhr

"Die islamische Welt erträgt die Sklaverei nicht mehr"

Er ist einer der mächtigsten Warlords in Afghanistan. Gulbuddin Hekmatyar, der Osama bin Laden zur Flucht verholfen hat, droht im stern.de-Interview mit erbittertem Kampf. Eineinhalb Milliarden Muslime seien bereit, ihr Leben dem Islam zu opfern.

Gulbuddin Hekmatyar ist einer der mächtigsten Warlords in Afghanistan, erklärter Gegner von Präsident Hamid Karzai und aller ausländischen "Besatzer"© Reuters

Herr Hektmatyar, wo leben Sie heute?

Ich lebe unter dem Himmel und über der Erde, mein Aufenthaltsort ist nicht bestimmt. Von Zeit zu Zeit wechsle ich ihn.

Sie gelten als die womöglich zentrale Figur des Widerstandes in Afghanistan. Kooperieren Sie mit den Taliban und Al-Qaeda?

Wir haben ständig die Einheit der Mujaheddin betont und ihnen gesagt, dass sie in ihren Gebieten jedem beistehen sollen, der gegen die Besatzer kämpft und in einem freien Afghanistan einen islamischen Staat errichten möchte. Mit Taliban und Al-Qaeda haben wir weder organisatorisch noch planerisch eine Beziehung.

Haben Sie Kontakt zum ehemaligen Chef der Taliban, Mullah Omar?

Ich habe Mullah Omar bisher weder getroffen noch irgendeine andere Verbindung mit ihm gehabt. Aber wir respektieren jeden Afghanen, der gegen die Besatzung kämpft.

Vier Jahre nach dem Ende der Taliban-Regierung scheint der Widerstand stärker denn je. Wie beurteilen Sie die Lage?

Gott sei Dank wächst der Widerstand. Die Besatzungsmächte sind nicht in der Lage, ihn einzudämmen. Die USA haben es weder vermocht, ihre Ziele zu erreichen, noch die Sicherheit aufrecht zu erhalten oder eine Regierung zu schaffen, die in der Lage wäre, die Verhältnisse zu kontrollieren. Sie bekommen Anbau und Vermarktung von Drogen nicht in den Griff. Mir erscheinen die Verhältnisse vergleichbar mit der Zeit, als die Sowjetunion sich entschloss, Afghanistan zu verlassen.

Warum hatten die Amerikaner bisher keinen größeren Erfolg?

Das Scheitern der Amerikaner hat mehrere Gründe: Sie meinten, die Afghanen seien durch die vergangenen Kriege ermüdet und deshalb nicht in der Lage, sich zu einem Dschihad gegen Amerika zusammenzuschließen. Sie haben Kabul durch Gruppen der Nordallianz besetzt. Die benutzten sie wie eigene Bodentruppen. Damit haben sie Afghanistan für Moskau und Iran erobern lassen. Die Amerikaner haben erreicht, was diese Länder auch unter hohen Verlusten nicht hätten schaffen können. Und sie haben die Macht an schwache Gruppierungen, an von der Bevölkerung verstoßene Personen, Diebe und Drogenbarone und unfriedliche Persönlichkeiten der Nordallianz übertragen.

Ist das, wofür Sie und Ihre Truppen kämpfen, ein Krieg der Kulturen, West gegen Ost, Christentum gegen Islam?

Der arrogante George Bush und seine Militärjunta haben ein gefährliches Spiel begonnen. Sie haben den Krieg in Afghanistan und Irak als Kreuzzug bezeichnet, obwohl es doch eher Eroberungsfeldzüge von Ölbaronen sind. Sämtliche Kriege Amerikas werden nach Waffenindustrie, Öl- und Gasinteressen geplant. Sämtliche Machthaber Amerikas bezeichnen diese Kriege als Kreuzzüge, während sie weder an das Christentum glauben, noch eine andere Religion vertreten. Mit nahezu eineinhalb Milliarden Muslimen, die bereit sind, ihr Leben dem Islam zu opfern, ist das kein einfaches Spiel. Wenn sie einige umbringen, erwachsen daraus viele andere, die den Kampf fortsetzen. Amerika beansprucht die Führung der Welt und die Stärkung der Demokratie für sich und wird deshalb als Weltpolizist bezeichnet, während in Wahrheit diese bedauerliche Lüge als Grundlage dafür dient, in der Welt Unfrieden zu stiften und Kriege anzuzetteln. George Bush und sein Knecht Tony Blair bezeichnen diese Kriege nicht nur als Kreuzzüge, sie wollen auch, dass sich Sunniten und Schiiten gegenseitig bekämpfen. In Afghanistan und Irak unterstützen sie Schiiten in Armee und Polizei, die ihrerseits die Sunniten bekämpfen. Sogar die Verurteilung Saddam Husseins ist auf der Grundlage erfolgt, dass er 128 Schiiten umgebracht hat, nicht etwa wegen der Morde an Sunniten und Kurden. Die Attentate auf die Moscheen der Sunniten und Heiligtümer der Schiiten sind auch Taten der CIA, die damit interkonfessionelle Kriege fördern will.

Welche Rolle spielen dabei nach Ihrer Ansicht die Deutschen?

Alle Afghanen hatten von den anderen europäischen Staaten erwartet, dass sie mit den Amerikanern gegen die Afghanen kämpfen, nur nicht von Deutschland. Nachdem die Afghanen sich im Zweiten Weltkrieg nicht mit anderen gegen Deutschland verbündet haben, ist das jetzt die Antwort, die die deutsche Regierung den Afghanen gibt?

Was erwarten Sie von der Bundesregierung?

Von der Bundeskanzlerin haben wir erwartet, dass sie deutsche Söhne nicht für amerikanische Interessen opfert und dass sie deutsche Truppen aus Afghanistan abzieht. Leider hat sie das nicht getan. Ziehen Sie Ihre Soldaten aus Afghanistan ab! Die islamische Welt erträgt die Sklaverei nicht mehr. Die Zeit von Unterdrückung und Sklaverei ist abgelaufen. Lassen Sie die Muslime in Freiheit leben! Ihr habt drei Jahrhunderte Asien und Afrika ausgebeutet. Ihr habt ihnen tyrannische Könige, Herrscher und Generäle aufgezwungen. Lassen Sie uns politische Systeme und Regierungen frei wählen!

Warum arbeiten Sie nicht mit Hamid Karzai zusammen, der in einer freien Wahl zum Präsidenten gewählt wurde?

Karzai hat während des Krieges gegen die Sowjets mit einer kleinen Partei gearbeitet. Er hat sich damals mit den Taliban verbündet und später den Fehler gemacht, sich von Pakistan mit einem US-Helikopter nach Kabul fliegen zu lassen. Dort hat er den Vorsitz einer Regierung übernommen, die Amerika in Kabul installiert hat.

Zur Person Gulbuddin Hekmatyar ist einer der mächtigsten Warlords in Afghanistan, erklärter Gegner von Präsident Hamid Karzai und aller ausländischen "Besatzer". Gerade rühmte er sich, dass es seine Truppen waren, die Osama bin Laden Ende 2001 die Flucht aus den Höhlen von Tora Bora ermöglichten. Der 59-jährige Ingenieur und Führer der "Hezbi Islamye"-Bewegung stieg in den 80er Jahren im Bürgerkrieg gegen die sowjetischen Besatzer zu einem der bedeutendsten militärischen Kommandeure auf - damals noch mit Unterstützung der Amerikaner, die seine Mudschaheddin mit Geld und Waffen versorgten. Für kurze Zeit wurde der Paschtune Hekmatyar 1996 Ministerpräsident seines Landes in einer Koalitionsregierung verschiedener Warlords, bis die Taliban die Macht übernahmen. Nach dem Einmarsch der USA in Afghanistan rief Hekmatyar zum heiligen Krieg gegen Amerika auf. 2002 entging er nur knapp einem Anschlag der US-Armee auf seinen Autokonvoi. Hekmatyars Kämpfer sind heute vor allem im Osten und Norden des Landes aktiv, auch in der Region Kunduz, wo deutsche Truppen stationiert sind.

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KOMMENTARE (9 von 9)
 
foufou (16.01.2007, 11:18 Uhr)
Verlogen
Das zum Thema Frauen in Afghanistan
http://www.focus.de/politik/ausland/afghanistan_nid_42736.html
bR4iNST0RM (15.01.2007, 15:51 Uhr)
Uh!
So liebe Leute.. nun haben wir den Salat! Mit nahezu eineinhalb Milliarden Muslimen, die bereit sind, ihr Leben dem Islam zu opfern! Boa! Und wer macht den Mist nachher wieder sauber?
Mr. Gulbuddin Hekmatyar, wie hoch muss ihr Fieber bitte sein, um solche verwirrten Äußerungen zu Formen? Was haben Vögel mit Ihrer Meinung zur Verschleierung zu tun? Wir sind Menschen und haben Haut, keine Federn. Kleine Auffrischung in Sachen Biologie notwendig?
Hier und da hatte ich ja noch ein Funken der Hoffnung investieren wollen, aber nach der Ansage: „Gott sei Dank wächst der Widerstand. Die Besatzungsmächte sind nicht in der Lage, ihn einzudämmen. Die USA haben es weder vermocht, ihre Ziele zu erreichen, noch die Sicherheit aufrecht zu erhalten oder eine Regierung zu schaffen, die in der Lage wäre, die Verhältnisse zu kontrollieren. Sie bekommen Anbau und Vermarktung von Drogen nicht in den Griff. Mir erscheinen die Verhältnisse vergleichbar mit der Zeit, als die Sowjetunion sich entschloss, Afghanistan zu verlassen.“
Hallo? Fieber? Wer redet hier eigentlich noch von Oil oder Massenvernichtungswaffen oder so genannten Bodenschätzen? Es geht hier sehr offenkundig um was Anderes: Wer die Drogen kontrolliert, kontrolliert die Macht. Afghanistan ist die Nummer Eins im Bereich Drogenexport, somit direkt am Drücker.
Die Politiker und deren Lakaien sind hier an vorderster Front. Scheinheiligkeit ist die eine Sache, faustdick und unverschämt Lügen eine Andere! (nicht wahr Herr Busch?!)
Aber hier haben sich selbst die Muslime eine dicke Scheibe abgeschnitten! Alles nicht so einfach..
Wer spricht rein, wer nicht. Ich denke, dieses verworrene Geflecht (eher Schuppenflechte, mind. genauso lästig) kann nur mit einer Sorgfalt und Geduld aufgedröselt werden, die im hier und jetzt niemand wirklich im Stande ist, auf zu bringen.
Ergo: Kommunikation ist wichtig!
Kindergartengebrabbel wie von den heutigen Politikern, sollten da Raritäten bleiben wie z.B.: Mutti, der hat bösere Waffen wie ich (Herr Busch) oder „Papi, wir haben jetzt 50.000 Arbeitsplätze mehr!! Jetzt wo Deutschland gerettet ist, bekomm ich mehr Taschengeld?“ (Frau Merkel, Rente: ca. 8000 Euro).. ahhhhh! Klar haben wir auch für so eine Scheisse Zeit und Lust ewig lange Diskussionsrunden zu führen.
Sonst alles gut?
An alle die wichtig sind oder sich für wichtig halten: WERDET ERWACHSEN IHR ROTZLÖFFEL!
Der bR4iNST0RM
P.S.: Beim Beitrag von „Mircea“ kommen mir persönlich ganz bös die Tränen!
Mircea (15.01.2007, 09:24 Uhr)
Nur Jesus kann noch retten!
Liebe leser,
wer nicht das Bibel als Gottes Wort glaubt dann müssen rechnen das Islam in Deutschland sehr stark wird, und seine Interwieu wird geschen.Also Burka und Mord in voller ausmaß.
"Mohammed ist nichts als ein falscher Prophet, von denen es mittlerweile viele gibt. Auch dieses ist ein biblisches Zeichen der Endzeit.
Der sogenannte Gott des Islams Allah ist ein Dämon."
rmstitanic (14.01.2007, 18:42 Uhr)
Biedermann und Brandstifter
Hekmatyar ist der mit Abstand grausamste und sadistischste Warlord Afghanistans, auf dessen Mordkonto Hunderdtausende Afghanen stehen!
Wenn ausgerechnet er (sich damit an den reaktionär-antiamerikanischen deutschen Neunationalismus Mainstream anbiedernd) von 'Befreiung' und von 'Sklaverei' schwadroniert, so sollte man wissen, dass Hekmatyar selbst schon skrupelloser Despot und Sklavenhalter gegen das afghanische Volk war.
Zu seinen wichtigsten ausländischen Freunden und Unterstützern zählte übrigens auch ein gewisser Jürgen Todenhöfer, rechtsnationaler CDU-Mann und neuerdings vorgeblicher 'Friedensfreund', der sich meines Wissens nach nie von den barbarischen Untaten seines (Ex- oder Noch-?) Fascho-Freundes Hekmatyar distanziert hat.
Die Afghanen leiden unter all den Warlords wie z.B. Hekmatyar.
Diesen Warlords geht es allein ums blutige Kriegs- und Drogengeschäft und um ihre eigene Vormachtstellung, um nichts Anderes!
Hekmatyars Geschwätz in Sachen Frauenrechte ist purer menschenverachtender Zynismus.
Seine Söldner gehörten stets zu den gefürchtetsten Vergewaltigern und Frauenschindern in Afghanistan!
Wer -wie Hekmatyar- behauptet, es ginge den USA und dem Westen in Afghanistan lediglich ums Öl (in Afghanistan gibts weder Öl noch Erdgas...), der muss uns Deutsche schon für mächtig dumm halten.
Ich fürchte nur, dass er damit gar nicht so falsch liegt...
Gruß aus B!
der_bayer (14.01.2007, 09:01 Uhr)
Ich traue keinem Extremisten, nicht Ost nicht West
Da haben wir wieder mal das Problem mit den Religionen, jeder hat die einzig wahre und alle anderen sind Verbrecher. Die Probleme werden nie aufhören solange es Völker gibt die einem " Führer " nachlaufen der die Religionen zu seinem Zwecke nutzt.
habibati (14.01.2007, 07:35 Uhr)
Wo er Recht hat,...
Lügen sind für Schiiten erlaubt, also für jene, denen Bush den Irak überläßt. Für die überwältigende Mehrheit der Muslime(Sunniten)gilt das absolute Verbot jeglicher Lügen!
Sicher gibt es kaum Gewaltbereitschaft bei den Muslimen, aber kämpfen und boykottieren kann man auch friedlich und ich denke er hat Recht: die Zahl derer, die sich dem größten Schurken und Terroristen der Welt- Amerika- widersetzen, wird steigen. Schade nur, das die deutsche Regierung von Terrorismusbekämpfung spricht und genau diesem Terroristen ständig die Füße küsst.
HaPeGe (13.01.2007, 22:11 Uhr)
Hekmatyar kann man nicht trauen !
Der Koran erlaubt auch die Lüge um die Ungläubigen zu täuschen; und dieses tut Hekmatyar in dem Interview offensichtlich. Man erinnere sich bitte an die Herrschaft der Talliban! Auf der anderen Seite hat er mit seinen Anschuldigungen gegen die USA und vor allem George W. Bush völlig recht; die politische Führungsspitze in den USA hat noch immer nicht den Islam verstanden, ja sie hat noch nicht einmal die Ursache des Widerstandes in der islamischen Welt gegen die USA und ihren Führungsanspruch erkannt! Ich erinnere an das, was Peter Scholl-Latour in vielen Interviwes zu diesem Thema gesagt hat. Wenn die USA nicht endlich hergehen und Israel zwingen die UNO-Beschlüsse und Abkommen einzuhalten, dann wird ihnen das letztendlich die Führungsrolle in der Welt kosten. Dann wird die Besetzung des Irak so ausgehen wie der Vietnam-Krieg: Mit einer Niederlage für die USA!
Antidemokrat (13.01.2007, 18:36 Uhr)
Islam bedeutet Frieden
"Eineinhalb Milliarden Muslime seien bereit, ihr Leben dem Islam zu opfern." - diese Aussage bezweifle ich stark, denn Islam heißt Frieden und jeder echte Moslem würde niemals in einen Krieg ziehen oder Gewalt anwenden. Jeder Moslem, der die 5 Säulen des Islam lebt, sieht von selber ein, daß Gewalt keine Lösung ist. Jeder Imam, der in seiner Predigt Gewalt predigt und gerade mal 3 Suren aufzählt und meistens auch noch Geld nimmt, ist kein echter Moslem, er kommt in die Hölle, ich habe den Qur'an gelesen und mich schlau gemacht !
Vikar (13.01.2007, 18:04 Uhr)
Fanatiker ade!
Eins ist sicher, ohne diese Fanatiker wäre die Welt sicherer
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