Er war ein Hardliner im Umgang mit der Sowjetunion. Jetzt fordert der ehemalige US-Sicherheitsberater Brzezinski sein Land auf, endlich direkt mit dem Mullah-Regime zu verhandeln. Interview: Katja Gloger

Gut möglich, dass der Iran die Bombe eines Tages besitzt. Atomwaffen bedeuten Prestige. Und verbessern die Verhandlungsposition enorm.
Nicht viel schlimmer als im Moment.
Der Iran ist ein wichtiges Land in einer sehr instabilen Region. Er ist selbst zwar kein notorisch aggressives Land, doch die meisten seiner Nachbarn haben Atomwaffen: Indien, Pakistan, Russland und Israel. Man kann verstehen, weshalb die Iraner glauben, diese Waffen unbedingt haben zu müssen. Man will ein Mittel der Abschreckung haben. Offenbar gilt dies auch in Teheran als Frage der nationalen Sicherheit. Ich glaube, letztlich wäre ein nuklearer Iran nicht gefährlicher als die Atommächte Indien oder Pakistan. Oder etwa Israel.
Es ist nicht wünschenswert, dass der Iran Atommacht wird. So könnte die illegale Weiterverbreitung nuklearer Technologie vorangetrieben werden. Und der Iran liegt eben mitten in einer Krisenregion.
Man müsste sich auf eine Denuklearisierung des Nahen Ostens einigen, auf eine atomwaffenfreie Zone.
Die Vereinten Nationen allein haben gar nicht die Macht. Sie könnten niemals die notwendigen Garantien liefern. Letztlich geht es um Sicherheitsgarantien für alle Staaten im Nahen Osten, die sich dazu verpflichten würden, keine Atomwaffen zu besitzen oder zu erlangen.
Die fünf großen Nuklearmächte, also die fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates, müssten diese Garantien geben. Sie müssten garantieren, dass Länder, die keine Atomwaffen besitzen, nicht von Atommächten angegriffen werden.
Wir wollen ja noch nicht mal mit ihnen reden. Man darf sich aber nicht allein auf militärische Macht verlassen. Wir brauchen ein ernsthaftes Engagement.
Nein. Der gesamte Westen war ja eben nicht an dem Prozess beteiligt. Entscheidend ist: Die USA haben nicht teilgenommen. Ganz anders als etwa in Nordkorea. Dort sitzen die USA bei den Sechs-Parteien-Gesprächen faktisch mit am Verhandlungstisch. Und man redet sogar direkt miteinander. Beim Iran allerdings sehen sich die USA ja noch nicht einmal als Teil einer eventuellen Lösung. Es ist schon merkwürdig: Die iranische Regierung und ihr Präsident mit seiner obszönen Sprache sind in mehr oder weniger freien Wahlen gewählt worden. Das ist in Nordkorea ja ganz anders, wie wir wissen.
Es hat mit der amerikanischen Nahostpolitik generell zu tun. In den vergangenen Jahren ist sie immer einseitiger geworden. Und immer weniger kompromissbereit. Das war schon unter Präsident Clinton so, mit seinem Iran-Libyen-Sanktionsgesetz. Und Bush ist noch viel weniger kompromissbereit. Doch man muss sich an einen Tisch setzen und reden. Wir müssen Vertrauen und Respekt aufbauen.
Jedenfalls erinnert die Demagogie stark an die Kampagne gegen den Irak.
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Stern
Ausgabe 18/2006