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7. Mai 2009, 19:18 Uhr

Steinmeier mahnt Steinbrück zur Mäßigung

Finanzminister Peer Steinbrück hat sich mit seinem aggressiven Auftreten gegenüber anderen europäischen Staaten Ärger eingehandelt. Die Kritik hagelt nicht nur aus dem Ausland: Außenminister Frank-Walter Steinmeier ruft seinen Parteifreund zur Räson. Und die Kanzlerin will sich um das Ende von "Irritationen" bemühen.

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Steinbrück hatte Luxemburg, Liechtenstein, Schweiz, Österreich auf eine Stufe mit Ouagadougou gestellt© Michael Gottschalk/ddp

Finanzminister Peer Steinbrück gerät wegen seiner deftigen Attacken auf die Steuerpolitik der Schweiz, Liechtensteins und Luxemburgs stärker unter Druck. Am Donnerstag ging Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier auf Distanz und mahnte zur Mäßigung. "Wir tun alle gut daran, die Debatte nicht weiter anzuheizen, sondern auf den Kern der Sache zurückzuführen", sagte er. "Ich war selbst in Ouagadougou. Mir wäre dieser Vergleich nicht eingefallen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte nach massiven Beschwerden der betroffenen Länder am Donnerstagabend an, sich um ein Ende möglicher Irritationen zu bemühen. "Deutschland will gute Beziehungen zu all seinen Nachbarn", sagte die Kanzlerin beim EU-Osteuropa-Partnerschaftstreffen in Prag. "Wenn es zu Irritationen gekommen ist, werde ich als Regierungschefin alles daran setzen, dass sie schnell beseitigt werden", sagte die Kanzlerin.

Steinbrück hatte der Schweiz im übertragenen Sinn mit Peitsche und Kavallerie gedroht, wenn das Land sein Bankgeheimnis nicht lockere. Jüngst hatte er zudem Luxemburg, Liechtenstein, die Schweiz und Österreich in eine Reihe mit Ouagadougou gestellt, der Hauptstadt Burkina Fasos.

Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker sagte in mehreren Interviews, es reiche jetzt. Er lasse sich das nicht länger bieten. Der luxemburische Außenminister Jean Asselborn kritisierte am Donnerstag, Steinbrück benehme sich "ungeschickt, aggressiv und herablassend". Es würden Ressentiments außerhalb Deutschlands ausgegraben, "die die Vergangenheit längst hätte zuschütten müssen". Auch Liechtenstein wies Steinbrücks Kritik zurück und sprach von "polemischen Vorwürfen". Der liechtensteinische Regierungschef Klaus Tschütscher wies den Vorwurf zurück, das Fürstentum lade zur Steuerhinterziehung ein. Vielmehr biete sein Land Deutschland "vorbehaltlos die volle Steuerkooperation nach OECD-Standards an".

"Verhandeln statt bedrohen"

Die FDP kritisierte Steinbrück ebenfalls. Der Finanzexperte Herrman Otto Solms sagte am Morgen in der Bundestagsdebatte über das neue Gesetz gegen Steuerflucht, im Umgang mit befreundeten Nachbarstaaten wie Österreich, Luxemburg, der Schweiz und Liechtenstein sei es besser zu verhandeln, "statt mit Kraftmeierei zu drohen und Verbalradikalismus an den Tag zu legen, der dem Bundesfinanzminister leider zu eigen ist". Solms appellierte an Steinbrück: "Es wäre besser, Sie würden mit befreundeten Ländern verhandeln, statt sie zu bedrohen."

Steinbrück legt nach

Trotzdem erneuerte Steinbrück seine Kritik. Man dürfe nicht verharmlosen, dass es Steueroasen und Nationalstaaten gebe, "die vorsätzlich dazu einladen, dass deutsche Steuerzahler ihr Geld mit der klaren Absicht dort hintransferieren, Steuerhinterziehung und Steuerbetrug zu betreiben." Beides sei im Fall Schweiz und Liechtenstein "ganz klar der Fall". Steinbrück rechnete vor, dass der deutsche Staat durch Steuerhinterziehung jährlich um schätzungsweise 100 Milliarden Euro betrogen werde. Weltweit betrage der Schaden sogar zwei bis zwölf Billionen Euro.

Unterstützung bekam Steinbrück hingegen von Linksfraktionschef Oskar Lafontaine, der sagte: "Wenn der Finanzminister beispielsweise verbale Attacken gegen die Länder reitet, die Hehler der Steuerhinterziehung sind, dann hat er unsere Unterstützung." Er würde sich nur wünschen, dass die kräftigen Worte auch von kräftigem Handeln begleitet würden. Der Schweizer Botschafter in Deutschland, Christian Blickenstorfer, mahnte einen sachlichen Ton an. Der ehemalige Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) wies die Aufregung der kritisierten Staaten indes als "reines Ablenkungsmanöver" zurück.

Reuters/AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
RenegadeXX (08.05.2009, 14:49 Uhr)
@undjetztnochder
Lesen Sie überhaupt was sie da schreiben? Wenn die Schweiz ein Verbrecherstaat ist, was ist dann Amerika? Wenn Sie Steinmeier so toll finden, habe ich noch eine Frage. Warum höre ich von ihren ach so geschätzten Politiker Steinbrück keine Angriffe gegen die Steueroasen von Amerika, England und Frankreich? Haben Sie schon vergessen, wer uns eigentlich die Suppe eingebrockt hat? Haben Sie wirklich das Gefühl, dass alles Geld der Welt in der Schweiz liegt? Sie rechtfertigen sogar Ungerechtigkeiten, um einen kleinen Staat nieder zu machen. Wissen Sie eigentlich wie viele Mio. Deutschland jährlich durch das Doppelbesteuerungsabkommen bekommt?
Ich lebe jetzt seit fast 9 Jahren im Ausland und kann beurteilen wo die Lebensqualität besser ist. Sie sind natürlich der Meinung, dass diese Lebensqualität im Ausland nur durch die hinterzogenen Steuern in Deutschland möglich ist.
Bravo!!!
utospatz (08.05.2009, 13:34 Uhr)
Wenn ein Stein innerparteilich
auf den Anderen prallt, ist immer einer dabei, der am Ende lallt!
Frage bleibt dabei nur, bei wieviel Prozent.
undjetztnochder (08.05.2009, 13:06 Uhr)
@RenegadeXX
Kein einziges Ihrer Aussagen läßt die Schweiz & Co in einem besseren Licht erscheinen. Unter dem Deckmantel "Bankgeheimnis" wird hier seit Jahren massive Beihilfe zu Steuerhinterziehung geleistet - finden Sie das in Ordnung? (oder sind Sie gar selbst Schweizer und profitieren direkt oder indirekt von diesem Betrugssystem?!). Wenn Schweizer bei deutschen Banken Steuern hinterziehen, ist das ebenfalls nicht in Ordnung - nur wundern würde es mich schon, ist doch das deutsche Bankgeheimnis viel löchriger als das schweizerische. Es ändert nichts: wer viel oder sehr viel verdient, der muss die darauf fälligen Steuern auch entrichten, so weh das auch tun mag. (ich spreche da durchaus aus eigener Erfahrung). Wer sich dem entzieht, macht sich strafbar. Und wer dazu Beihilfe leistet, gehört ebenfalls an den Pranger gestellt und ggf. wirtschaftlich abgestraft. Zum Glück ist sich eine große Mehrheit in der EU in diesem Punkt einig, und wirtschaftlich können wir diesen Zwergstaaten so richtig Stress machen - die "Folterinstrumente" wurden ja bereits gezeigt und haben z.T. zu erstaunlich hektischen Handeln und Bekenntnissen zum "Willen zur Zusammenarbeit" in diesen Ganoven-Ländern geführt. Da hatten vorher jahrelang Apelle an Ehre und Moral deutlich weniger bis gar keine Wirkung.
Steinmeier kann sich verbal aber jetzt ruhig zurückhalten, denn die Verbrecherstaaten werden entweder kooperieren oder sie werden empfindliche Strafen erhalten - und dann kooperieren.
acitapple (08.05.2009, 09:18 Uhr)
peinlich...
was dieser "minister" da veranstaltet. da werden direkte nachbarn diskreditiert und GANZE LÄNDER werden der kriminalität beschuldigt. diese gesetze dort bestehen zuerst für die eigenen bürger. wenn ausländer diese gesetze nutzen ist es ein nebeneffekt. was kommt als nächstes ? soll luxembourg auch die steuern auf kaffe, alkohol, tabak und mineralöl erhöhen, weil so viele deutsche dort günstiger einkaufen ? das ist wohl auch in den augen von manchen "steuerhinterziehung".
ausserdem: über den normalen gesetzlichen weg, kommt der staat auch an diese leute ran. es ist eben nur nicht so einfach wie in stasi-deutschland, wo bald jeder beamte grundlos die konten aller bürger betrachten kann !!! verlangt er diesen zugriff, diese schonungslose offenlegung der privaten finanzlage etwa auch von den nachbarländern ? wahrscheinlich sollen die auch noch die kosten übernehmen. wie wäre es, wenn andere länder mal gegen deutschland klagen, weil ihre bürger hier schlechter behandelt werden ?
RenegadeXX (08.05.2009, 09:04 Uhr)
@undjetztnochder
Sie wissen aber schon, das Deutschland einseitig dass Doppelbesteurungsabkommen mit der Schweiz verletzt hat? Sie wissen auch, dass es Schweizer gibt, die ihr Geld in Deutschland vor den Schweizer Fiskus verstecken? Sie wissen auch, dass eine Australische Studie festgestellt hat, dass man in Amerika und Kanada innerhalb von 45 Min. eine Scheinfirma gründen kann? Sie wissen auch, dass Deutschland durch Pendler, die in der Schweiz arbeiten, gute Steuereinnahmen haben? Sie wissen auch, dass sich einige Politiker in Süddeutschland Gedanken machen, was passiert wenn die SPD Zwangsmeldungen-/Abgaben erheben? Sie wissen auch, dass es nicht wirklich um das Bankgeheimnis geht? Sie wissen auch, dass viele dt. Politiker auch eine Steuer für im Ausland lebende Deutsche erheben wollen? Sie wissen auch, dass diese Debatte die Kassen nicht füllen werden? Sie wissen auch, dass immer mehr Deutsche einen Zweit-Job ausüben? Sie wissen auch, dass viele neben Ihrer Arbeit auf Zusatzleistungen angewiesen sind?
Vernetzen Sie mal einige dieser Informationen, dann stellen Sie vielleicht fest, dass hier nur Symptome behandelt werden und nicht das eigentliche Problem.
babylon (08.05.2009, 08:35 Uhr)
Wie man sieht darf auch unser Finanz-
minister in diesem Staat fast alles, nur nicht die Wahrheit sagen.
undjetztnochder (08.05.2009, 08:14 Uhr)
Die Steuern
sind sowieso zu hoch. Immer und überall. Und das war auch immer schon so. Kein einziger Steuerbetrüger ist reumütig zurückgekehrt, als der Spitzensteuersatz von 52% auf 45% gesenkt wurde - und es wird auch keiner zurückkehren, wenn wir ihn auf 40% oder 30% senken - weil 0% oder 5 % oder 10% Steuern eben noch weniger ist. Dieses Argument einiger Vorredner sticht also überhaupt nicht.
Steinmeier hat Recht: wenn bei uns jeder Schwarzfahrer und jeder Falschparker zu Recht mit Strafe rechnen muss (wir reden hier über 5-50€), dann muss dass erst recht für jeden Steuerhinterzieher gelten (wir reden hier über bis zu 50 Mio Euro) und natürlich auch für deren Helfershelfer. Vieles von dem Wohlstand in der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg, Moncao, Andorra usw. wurde von dem Geld bezahlt, welches hier dringend fehlt. Also ich würde viel drastischere Worte wählen als Steinmeier: Hehler-Staaten, Verbrecher-Staaten, Betrüger-Staaten! "Indianer" ist da ja noch vergleichsweise harmlos - und eine Beleidigung für jeden rechtschaffenen Indianer.
Klar, dass diese Staaten nun kalte Füße kriegen. Aber durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von USA und EU bzw. OECD wird es diese illegalen Transfers bald nicht mehr geben. Insofern darf Steinmeier seinen Ton ruhig mäßigen, das Ziel wird er sowieso erreichen und wir alle in Deutschland werden davon profitieren und sei es dadurch, dass unser Staat weniger Schulden machen muss. Und wie sich die oben genannten Schurkenstaaten dann über Wasser halten werden ist mir dann herzlich egal.
endbenutzer (08.05.2009, 08:08 Uhr)
Wo ist das Problem?
Ich finde es gut, dass ein deutscher Finanzminister auch mal Klartext redet. Oder dürfen das immer nur alle anderen Länder?
Angel_of_Mercy (08.05.2009, 03:41 Uhr)
Oh, vergessen
Die Steuerlast für dieses Kapital muss natürlich höher ausfallen als der Zinsertrag, denn Kapitalertragssteuer auf Zinsen gibt es ja schon.
Angel_of_Mercy (08.05.2009, 03:34 Uhr)
Interessantes aus der Anstalt
Der Vorschlag von Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig, Kapital, welches auf der Bank liegt und dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird zu besteuern, egal wo das Geld liegt. Und zwar je höher die Zinsen um so höher die Steuer. Dann brauchen wir uns nicht über Steueroasen aufregen und dann klappts mit der Wirtschaft und einer staatlichen Altersvorsorge (Rente).
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