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Deepfake-Belästigung Manipulierte Aufnahmen: US-Mutter wollte wohl Rivalinnen ihrer Tochter aus Cheerleader-Team mobben

Eine Iowa State Cheerleaderin tritt während der ersten Hälfte eines NCAA-College-Football-Spiels auf
Eine der jungen Cheerleaderinnen soll die Frau zum Selbstmord aufgefordert haben (Symbolbild)
© Matthew Putney / Picture Alliance / AP
Fotos und Videos zeigten sie trinkend, rauchend oder sogar nackt – doch alles war gefälscht. Eine US-Amerikanerin muss sich vor Gericht verantworten, weil sie drei Cheerleader-Kolleginnen ihrer Tochter mit manipulierten Aufnahmen belästigt haben soll. 

Eine Frau aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania soll Medienberichten zufolge drei jugendliche Cheerleaderinnen mit manipulierten Bildern, Videos und Nachrichten belästigt haben. Die 50-Jährige sei selbst die Mutter einer Cheerleaderin. Offenbar hat sie versucht, die Rivalinnen ihrer Tochter aus dem Team zu vertreiben. Die soll nichts von den Taten ihrer Mutter gewusst haben.

Deepfake: "Das ist etwas, das Ihr Nachbar benutzen kann"

Auf den gefälschten Fotos und Videos, die sie ihren Opfern im während des vergangenen Sommers anonym geschickt haben soll, seien die Jugendlichen unter anderem nackt, Alkohol trinkend oder rauchend zu sehen gewesen sein. Mindestens eine der Teenagerinnen habe sie zum Selbstmord aufgefordert. Die Frau sei Anfang März verhaften worden. Berichten zufolge beschuldigte die örtliche Polizeibehörde sie in einer eidesstattlichen Erklärung des Cybermobbings. Die Beamten vermuten demnach, dass die manipulierten Medien mit Hilfe von Deepfake-Technologie erstellt wurden.

Mit der immer leichter zugänglicheren und nutzbaren Technik können echte Fotos genutzt werden, um Gesichtszüge in anderen Videos einzuflechten. Das Ergebnis kann mitunter täuschend echt wirken. "Diese Technologie ist nicht nur sehr weit verbreitet, sondern auch leicht zu benutzen", sagte der für den Fall zuständige Bezirksstaatsanwalt laut "New York Times". "Das ist etwas, das Ihr Nachbar die Straße hinunter benutzen kann, und das ist sehr beängstigend."

Frau soll 17-Jährige zum Selbstmord aufgefordert haben

Im Juli 2020 hätten die Besitzer eines Cheerleading-Fitnessstudios die Mutter einer belästigten 17-Jährigen auf anonyme Textnachrichten und Medien angesprochen. Die Mutter habe erklärt, dass die Bilder manipuliert worden seien, um ihre Tochter als schlechten Einfluss dastehen zu lassen. Auf einem der Videos habe man die 17-Jährige E-Zigarette rauchen gesehen – was einen Verstoß gegen die strengen Richtlinien der Turnhalle bedeutet hätte.

Ist das wirklich Schauspieler Tom Cruise?

Später am Tag habe die Jugendliche ihrer Mutter gestanden, bereits seit einem Monat anonyme Nachrichten erhalten zu haben, in denen sie auch nackt gezeigt wurde. Auch habe sie der anonyme Absender aufgefordert, sich das Leben zu nehmen, bevor die Betreiber des Studios etwas von dem belastenden Material erführen. Nachdem ihre Tochter Tage später wieder zum Training gegangen sei, habe auch die Mutter Nachrichten bekommen, in denen sich der Absender über die Rückkehr der Cheerleaderin beschwert habe. Nachdem die Mutter ihr Kind in eine andere Turnhalle geschickt habe, hätten auch Freunde der Tochter ähnliche Nachrichten erhalten.

Laut "New York Times" hat die Polizei mehrere Durchsuchungen im Laufe des Jahres durchgeführt, um an die anonyme Quelle zu gelangen. Erst die Herausgabe der IP-Adresse durch den Kurznachrichtendienst habe die Ermittler auf die Spur geführt. Bei einer anschließenden Hausdurchsuchung hätten die Polizisten unter anderem ein Handy gefunden, von dem sechs der Nachrichten verschickt worden seien.

Experte: Deepfakes könnten zukünftig für zahlreiche Verbrechen genutzt werden

Die 50-Jährige sei letzte Woche wegen dreifacher Cyber-Belästigung eines Kindes und in drei weiteren Fällen wegen Belästigung angeklagt. Unter Berufung auf eine lokale Zeitung berichtete die "New York Times", dass die Angeklagte unter der Bedingung an der vorläufigen Anhörung Ende des Monats teilzunehmen, freigelassen worden sei. Dem "Guardian" zufolge erklärte der Anwalt der Angeklagten gegenüber einem Fernsehsender, seine Mandantin streite alle Vorwürfe ab. Vielmehr habe sie selbst zur Polizei gehen müssen und Morddrohungen erhalten.

Henry Ajder, ein Experte für Deepfakes, erklärte gegenüber der "New York Times", dass die Verwendung der Technologie deutlich leichter zugänglich geworden sei. Die Manipulation sei unter anderem dank entsprechender Apps viel einfacher geworden. Für besonders realistische Deepfakes stünden sogar Anbieter in Online-Foren bereit. Noch böten die meisten Apps keine detailgetreuen Manipulationen an. Ajder gehe jedoch davon aus, dass sich die Technologie in den kommenden fünf Jahren weiterverbreiten würde. So könnten Deepfakes für politische Falschinformationen, Betrug oder die Manipulation von Aktienmärkten missbraucht werden.

Quellen:  "New York Times"; "NBC News"; "The Guardian"; BBC

yks

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