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Gerüchte um Superbombe: Der Vater aller Bomben – die stärkste konventionelle Waffe der Welt

Wie die Mutter aller Bomben ist der Vater aller Bomben technisch eine thermobarische Aerosolbombe. Die enorme Sprengkraft kommt zustande, weil diese Bomben keinen Oxidator in den Sprengstoff mischen und transportieren.

Das Foto zeigt Explosion und die beginnende Druckwelle des Vaters aller Bomben.

Das Foto zeigt Explosion und die beginnende Druckwelle des Vaters aller Bomben.

Donald Trump hat als erster den Schritt getan und eine thermobarische Superbombe gegen die Taliban eingesetzt. Am 13. April 2017 wurde die Mutter aller Bomben (MOAB - GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast) über einer Bunkeranlage in Afghanistan eingesetzt.

Nun gibt es das Gerücht, die Russen hätten gleichgezogen und den Vater aller Bomben in der Nähe von Deir ez-Zor eingesetzt. Das berichten zumindest syrische Aktivisten auf Twitter. Eine offizielle russische Stellungnahme gibt es nicht dazu und auch Newsseiten wie RT und Sputnik schweigen. Insbesondere Sputnik lässt sich beim Thema russische Wehrtechnik sonst nur wenig entgehen.

Andererseits sollen alle neuen russischen Waffensysteme in Syrien erprobt worden sein. Manches wird sofort publik gemacht. Der BMPT-72 Terminator Panzer rollte direkt neben Assad ins Bild - von Einsätzen anderer Systeme dringt wenig nach draußen.

Aerosol-Waffen

Wie die Mutter aller Bomben ist der Vater aller Bomben technisch eine thermobarische Aerosolbombe. Die enorme Sprengkraft kommt zustande, weil diese Bomben keinen Oxidator in den Sprengstoff mischen und transportieren. Er wird eingespart, zur Explosion nutzt man den Sauerstoff der Umgebungsluft. Daher können diese gewaltigen Bomben nicht an einem Punkt explodieren. Der Sprengstoff wird zunächst in einer gewaltigen Wolke in der Luft verteilt und dann gezündet. Das Ergebnis ist eine enorme Druckwelle, deren Stoßrichtung durch die Art der Zündung noch optimiert werden kann. Eine Aerosolbombe ist eine Art von Luftmine mit höherer Wirkung.

Russische Waffen mit weit höherer Wirkung

Mutter und Vater aller Bomben sind zudem extrem große Sprengkörper. Die FOAB setzt die Kraft von 44 Tonnen TNT frei – soll dabei aber nur sieben Tonnen wiegen. Sie wäre somit weit effektiver als die US-Waffe. Die Moab (GBU-43/B MOAB) wiegt etwa 9,5 Tonnen – davon sind 8,5 Tonnen Sprengstoff - und erzeugt eine Explosion, die der Kraft von 11 Tonnen TNT entspricht.

Der Vater aller Bomben ist demnach viermal stärker als die MOAB. Sein primärer Explosionsradius des Feuerballs liegt bei 300 Metern, der der MOAB bei 150 Metern.

An der Abwurfstelle würde sich nach der Explosion ein Frontloch von 600 Metern Breite befinden – der Verwüstungsradius durch die sich ausbreitende Druckwelle wäre noch ungleich größer.

Die Wirkung der Russenbombe an der Oberfläche dürfte auch größer sein, weil die Explosionstemperatur der russischen Waffe doppelt so hoch sein soll. Die russische Bombe ist eine klassische ungelenkte Freifallbombe, die amerikanische steuert sich exakt ins Ziel.

Um den Durchbruch syrischer Truppen durch die IS-Stellungen vor Deir ez-Zor zu ermöglichen, wäre die FOAB die perfekte Waffe. Ihre gewaltige Druckwelle würde auch tiefe Stellungen und Bunkeranlagen eindrücken.

Belegte Einsätze von TOS-1 Panzern 

Thermobarische Waffen sind für die russischen Streitkräfte stets weit wichtiger gewesen als für die NATO-Armeen. In Syrien wurde schon mehrfach der TOS-1 Panzer eingesetzt. Nach dem System der Stalin-Orgel verschießt er eine Salve von 30 thermobarischen Raketen – die Wirkung einer Salve ist fürchterlich, vor allem wenn eine Batterie von Panzern eingesetzt wird. Mit der Wirkung der FOAB ist sie aber nicht zu vergleichen. 

Sollte die Bombe eingesetzt worden sein, wurde sie vermutlich nicht von einem Bomber abgeworfen, auch wenn der T-160-Bomber dazu in der Lage ist. Da der IS über keine nennenswerte Luftabwehr verfügt, ist es wahrscheinlicher, dass die Riesenbombe von einem Transportflugzeug über dem Ziel mit einer Art Schlitten aus der hinteren Ladeklappe abgeworfen wurde.

Anmerkung: Der zweite eingebettete Tweet zeigt nicht die FOAB.