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Vergeltung nach tödlichem Angriff: Türkei bombardiert Ziele in Syrien

Syrische Granaten töten an der Grenze zur Türkei eine Familie. Ankara reagiert: Ministerpräsident Erdogan gibt persönlich Vergeltungsschläge bekannt. Die Nato kommt zu einer Sondersitzung zusammen.

Die Türkei hat nach einem Granatenbeschuss aus Syrien, der fünf Mitgliedern einer Familie das Leben kostete, Vergeltung verübt. "Dieser Angriff ist von unseren Streitkräften sofort erwidert worden", sagte Ministerpräsident Recet Tayyip Erdogan am Mittwochabend in Ankara. Die Armee seines Landes feuerte demnach "auf Ziele entlang der Grenze, die mit Radar identifiziert" worden waren. Außenminister Ahmet Davutoglu hatte eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Der Nato-Rat wollte ebenfalls zu einem Krisentreffen zusammenkommen.

Die Türkei wird seit Wochen wider Willen immer tiefer in den Syrien-Konflikt hineingezogen. Granaten, die am Mittwoch aus Syrien abgefeuert worden waren, hatten im Dorf Akcakale eine Mutter und ihre vier Kinder getötet. Nach Angaben des Nachrichtensenders CNN Türk wurden 13 weitere Menschen verletzt, darunter mehrere Polizisten. Fernsehsender zeigten Dorfbewohner, die in Panik über die Straßen rannten oder Deckung suchten. Bürgermeister Abdülhakim Ayhan sagte, die Bevölkerung sei wütend, da immer wieder Geschosse nach Akcakale hineinflögen.

Außenminister Ahmet Davutoglu telefonierte mit dem UN-Sondergesandten für Syrien, Lakhdar Brahimi. Auch in den syrischen Städten Aleppo und Deir as-Saur gingen die Kämpfe weiter. Es explodierten insgesamt fünf Autobomben vor öffentlichen Gebäuden. Dabei seien vor allem Angehörige der Regierungstruppen getötet worden, meldeten Aktivisten.

Vier Autobomben rissen in Aleppo 48 Menschen in den Tod

Die Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter sprach von 48 Toten und etwa 100 Verletzten alleine in Aleppo. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, 31 Menschen seien durch die ersten drei Autobomben getötet worden. Aus Deir as-Saur, wo eine in einem Kleinlaster versteckte Bombe direkt vor dem Gebäude der sogenannten Behörde für "Politische Sicherheit" explodierte, lagen keine Opferzahlen vor.

Das syrische Fernsehen zeigte Bilder von Leichen und zerstörten Gebäuden im Stadtzentrum von Aleppo. Staatsmedien und die Opposition berichteten übereinstimmend, die ersten drei Sprengsätze seien vor dem Offiziersclub auf dem Saadallah-al-Dschabri-Platz in Aleppo explodiert. Auch ein daneben liegendes Hotel, das von der örtlichen Handelskammer genutzt wird, sei in Mitleidenschaft gezogen worden. Eine weitere Autobombe ging den Angaben zufolge in der Nähe des Gebäudes der Handelskammer an der Al-Mutanabbi-Straße in die Luft. Insgesamt sollen am Mittwoch in Syrien landesweit 136 Menschen getötet worden sein.

Ankara hält sich bislang militärisch raus

In dem türkischen Dorf Akcakale schlugen nach türkischen Angaben insgesamt mindestens drei Granaten ein. Die Ortschaft liegt unmittelbar an der Grenze zu Syrien. Der benachbarte Grenzübergang Tell Abjad war lange Zeit umkämpft. Er war im September von den Rebellen eingenommen worden.

Die Türkei hat seit Beginn des Bürgerkrieges im Nachbarland mehr als 93.000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Die Forderung Ankaras, eine Schutzzone für Vertriebene auf der syrischen Seite der Grenze einzurichten, hat international keine ausreichende Unterstützung erhalten. Die türkische Regierung sympathisiert mit den Assad-Gegnern. Versuchen der Konfliktparteien, die Türkei zu einem militärischen Eingreifen zu bewegen, hat Ankara bisher widerstanden.

Journalisten demonstrieren für gefangene Kollegen

In Istanbul demonstrierten etwa 40 Journalisten am Dienstagabend vor dem syrischen Konsulat für die Freilassung des türkischen Kameramannes Cüneyt Ünal und des palästinensischen Reporters Baschar Fahmi. Die beiden Mitarbeiter des TV-Senders Al-Hurra waren im August in Aleppo von Regierungstruppen gefangen genommen worden.

Eine Extremistenorganisation, die sich Al-Nusra Front nennt, veröffentlichte am Mittwoch auf Islamisten-Websites Bilder, auf denen ihren Angaben nach zu sehen ist, wie ein Mitglied der Front in Aleppo 20 gefesselte Soldaten erschießt.

tso/AFP/dpa