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Attentäter festgenommen Mordkomplott gegen Putin vereitelt


Wollten Terroristen Putin töten? Die Verschwörer sollen gefasst worden sein und gestanden haben. Russlands Staatsfernsehen zeigt die Verdächtigen. Aber das mutmaßliche Mordkomplott wirft Fragen auf.

Wenige Tage vor der Präsidentenwahl in Russland hat das Staatsfernsehen über ein vereiteltes Attentat auf Kandidat und Regierungschef Wladimir Putin berichtet. Wie der vom Kreml kontrollierte Erste Kanal am Montag meldete, wollten drei Russen im Auftrag des tschetschenischen Terroristenführers Doku Umarow Putin nach der Abstimmung am 4. März in Moskau töten. Geheimdienste aus der Ukraine und Russland hätten die mutmaßlichen Attentäter jedoch festgenommen.

Eine Sprecherin des ukrainischen Geheimdienstes SBU sagte, die Verdächtigen seien bereits vor einigen Wochen in der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer gefasst worden. Putins Sprecher Dmitri Peskow bestätigte der Agentur Itar-Tass zunächst nur die Information. Putin sei ausreichend geschützt, zusätzliche Maßnahmen seien nicht erforderlich. Putin werde wie geplant an seinen Terminen festhalten, sagte Peskow. Der Ex-Geheimdienstchef Putin will nach 2000 und 2004 bei der bevorstehenden Wahl erneut zum Präsidenten gewählt werden.

Unklar war, warum das Staatsfernsehen einen eigenen Bericht aus Odessa mit SBU-Aufnahmen von der Festnahme und Videogeständnissen der Verdächtigen im Programm hatte, aber zunächst über Stunden keine Behörde die Information bestätigen konnte.

Männer unter Terrorverdacht festgenommen

Die Agentur Interfax meldete unter Berufung auf den SBU, die Ermittlungen gingen auf die Festnahme eines 31-Jährigen sowie mindestens eines Komplizen Anfang Februar zurück. Die Männer seien unter Terrorverdacht festgenommen worden. Ein Gericht soll bald über eine Auslieferung nach Russland entscheiden.

Das Staatsfernsehen veröffentlichte Ausschnitte aus dem Gespräch seines Reporters mit einem Verdächtigen, der vor der Kamera zugab, auf Putin einen Sprengstoffanschlag geplant zu haben. Demnach handelten die Männer im Auftrag des Terrorchefs Umarow. Sie seien aus den Arabischen Emiraten über die Türkei in die Ukraine eingereist.

Auf dem Notebook des aus Tschetschenien stammenden Verdächtigen Adam Osmajew, 31, seien Anschlagspläne sowie Aufnahmen von Putins Regierungslimousine gefunden worden. Osmajew wird im Fernsehbericht mit Verletzungen im Gesicht und an den Händen gezeigt. Er erzählt, dass er selbst nur für die Planung zuständig gewesen sei. Der vorgesehene Selbstmordattentäter sei bei einer versehentlich ausgelösten Explosion im Januar in der Ukraine ums Leben gekommen.

Ukrainische Opposition kritisiert Aktion

Osmajew habe das Konfliktgebiet Nordkaukasus 2005 verlassen und mehrere Jahre in Moskau gelebt, meldete Interfax. Seit 2007 sei er vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB international zur Fahndung ausgeschrieben gewesen.

Im Radiosender Echo Moskwy äußerten Hörer spontane Zweifel an der Geheimdienstgeschichte, die viele Fragen aufwerfe. Es entstehe der Verdacht, dass die Information gezielt vor der Wahl in die Welt gesetzt werde, um Putins Zustimmungswerte zu erhöhen, hieß es.

In der Ukraine sorgte der Fernsehbericht für Streit im Parlament. Während die regierende Partei der Regionen von Präsident Viktor Janukowitsch den Geheimdienst für seine Arbeit lobte, kritisierte die Opposition die Aktion als Wahlkampfhilfe für Putin.

kave/DPA DPA

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