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Bluttat in Ägypten: Christen in Deutschland befürchten Anschlag

Auch in Deutschland fühlen sich koptische Christen von Terroristen bedroht. Laut Bischof Anba Damian hat das BKA die Glaubensgemeinschaft vor einem Terrorplan gewarnt, der im Internet in Umlauf sei. Sogar von einem konkreten Datum sei die Rede.

Nach dem Selbstmordattentat in Ägypten fürchten koptische Christen in Deutschland, ebenfalls ins Visier von Terroristen zu geraten. Auch hierzulande beklagten Mitglieder der Glaubensgemeinschaft eine Bedrohung durch den islamischen Terrorismus, sagte der koptische Bischof für Deutschland, Anba Damian, im Bayerischen Rundfunk.

Das Bundeskriminalamt habe koptische Priester darüber informiert, dass im Internet ein Plan im Umlauf sei, dem zufolge in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar Kopten Zielscheibe für neue terroristische Aktivitäten sein könnten, sagte Damian dem Sender. Betroffen sei vor allem Hessen. Auch das Innenministerium sei über die Drohung informiert worden.

Kirche stand angeblich auf Anschlagsliste von al Kaida

In der Silvesternacht hatte ein Selbstmordattentäter vor der St. Markus- und Petri-Kirche Kirche in der ägyptischen Hafenstadt Alexandria mindestens 21 Menschen mit in den Tod gerissen und knapp 100 weitere Gläubige verletzt. Die Bluttat, die von fanatischen Islamisten geplant worden sein soll, hatte international für Empörung gesorgt und war auch von islamischen Geistlichen in Ägypten verurteilt worden.

Die Kirche stand offenbar auf einer Liste des Terrornetzwerks al Kaida mit möglichen Anschlagszielen. Die Auflistung von rund 50 koptischen Gotteshäusern in Kairo und Alexandria sowie in Deutschland, Frankreich und Großbritannien wurde am 2. Dezember auf der mit al Kaida eng verbundenen Internetseite Schumuch al Islam veröffentlicht. Unter der Überschrift "Hör auf zu schlafen und steh auf" wird darin "jeder Muslim, der sich um die Ehre seiner Schwestern sorgt", zu "Sprengstoffanschlägen während Weihnachtsmessen" aufgerufen.

Gewalttätige Auseinandersetzungen in Ägypten

Nach dem Attentat hatte sich die Wut der Christen in Ägypten in teilweise gewalttätigen Protesten entladen. Am Sonntagabend wurden bei einer Demonstration in der Kairoer Innenstadt 39 Angehörige der Sicherheitskräfte und zwei Passanten verletzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen bewarfen Demonstranten die Polizisten mit Steinen und Flaschen. Zuvor hatte es bereits in Alexandria und in einem vorwiegend von Christen bewohnten Dorf in der oberägyptischen Provinz Assiut Proteste gegeben, bei denen die Demonstranten auch Slogans gegen Präsident Husni Mubarak gerufen hatten.

Grüne wollen Druck auf Ägypten erhöhen

Unterdessen haben die Grünen mehr Druck auf die ägyptische Regierung gefordert. "Eine Verurteilung solcher Anschläge ist zu wenig", sagte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Volker Beck der "Frankfurter Rundschau". "Ägypten und andere Staaten müssen dem Ungeist religiöser Intoleranz wirksam entgegentreten." De facto sei das Land eine Diktatur. "Der Westen aber schaut aus außenpolitischer Rücksichtnahme auf das Regime (Husni) Mubarak systematisch weg." Auch Deutschland habe seine Möglichkeiten zur Einflussnahme "bei weitem nicht ausgeschöpft", sagte Beck.

Nach Ansicht Becks, der auch menschenrechtspolitischer Sprecher seiner Partei ist, muss eine Menschenrechts-Agenda mit klar formulierten Bedingungen Teil außen- und entwicklungspolitischer Vereinbarungen sein, insbesondere bei staatlicher Budgethilfe. Im Falle Ägyptens spotte der Umgang mit allen Formen von Opposition jeder Beschreibung, sagte Beck. Polizeiwillkür bis hin zu einer "Folter auf Bestellung" seien in dem Land "Teil eines staatlichen Kalküls der Abschreckung" von Oppositionellen.

CSU fordert Muslime zur Distanzierung auf

Die CSU kritisierte die Vertreter der Muslime in Deutschland. "Ich erwarte, dass sie ihre Abscheu noch klarer formulieren, so wie das weltweit geschehen ist", sagte Unionsfraktions-Vize Johannes Singhammer der „Frankfurter Rundschau“. Im Kampf für Religionsfreiheit spiele die Öffentlichkeit eine entscheidende Rolle. Der Aufruf deutscher Muslime zu mehr religiöser Toleranz sei besonders wichtig, weil Muslime in Deutschland ihren Glauben frei ausüben könnten. In Ländern wie Ägypten oder dem Irak sei genau das für viele Gläubige nicht der Fall.

Auch der CSU-Außen- und Sicherheitspolitiker Hans-Peter Uhl forderte eine eindeutige Distanzierung der gemäßigten Muslime und warnte vor einem Übergreifen islamistischer Gewalt auf Deutschland. "Wenn die Muslime selbst protestieren, bewirkt das viel mehr, als wenn wir das tun." Fernziel müsse ein aufgeklärter "Euro-Islam" sein, der Religions- und Glaubensfreiheit selbstverständlich anerkennt, sagte Uhl.

kng/DPA / DPA