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Bürgerkrieg in Libyen Rebellen werfen Gaddafi Einsatz von Streubomben vor


Seit Wochen wird die Stadt Misrata belagert - und womöglich setzen Gaddafis Truppen dabei international geächtete Waffen ein. Die Rebellen und westliche Reporter wollen beobachtet haben, wie tödliche Streubomben am Himmel explodiert sind. US-Außenministerin Hillary Clinton schwört die Nato unterdessen auf einen langen Kampfeinsatz ein.

Libysche Rebellen in der heftig umkämpften Stadt Misrata haben den Truppen von Machthaber Muammar el Gaddafi den Einsatz international geächteter Streubomben vorgeworfen. "In der vergangenen Nacht war das wie Regen", beschrieb ein Aufständischer am Freitag die Folgen von Explosionen über der Stadt. Auch ein Reporterteam der US-Tageszeitung "New York Times" berichtete über Bomben, die am Himmel explodierten und weitere kleine Sprengsätze über der Stadt verteilten. Die Bomben sollen demnach im Jahr 2007 in Spanien produziert worden sein, ein Jahr bevor Madrid die Streubomben-Konvention unterzeichnete. Die Konvention trat 2010 in Kraft.

Nach Angaben von Ärzten in der ostlibyschen Stadt Bengasi wurden in Misrata am Freitag acht Aufständische getötet. Im Tagesverlauf wurden die Schusswechsel und Kämpfe in der Stadt zusehends heftiger und verlagerten sich in Richtung des Stadtzentrums, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Den ganzen Tag über waren zudem aus verschiedenen Stadtteilen starke Explosionen zu hören. Die Rebellen richteten rund um ein verlassenes Wohnviertel, in dem sie Anhänger Gaddafis vermuteten, Straßensperren ein.

Clinton zufrieden mit bisherigem Nato-Einsatz

Knapp einen Monat nach Beginn des internationalen Libyen-Einsatzes hat US-Außenministerin Hillary Clinton unterdessen vor übertriebenen Erwartungen gewarnt. "Wir müssen alle noch ein wenig Geduld haben", sagte Clinton nach Abschluss des Nato-Außenministertreffens am Freitagabend in Berlin. "Aber wir machen Fortschritte. Ich bin sehr zufrieden damit, was wir bisher zustande gebracht haben."

Die amerikanische Außenministerin sprach mit Blick auf das militärische Vorgehen gegen das Regime von Machthaber Muammar al-Gaddafi von "sehr komplexen Situationen". "Wir sind immer noch dabei, Ziele ausfindig zu machen, anzugreifen und Schlüsselelemente von Gaddafis Waffenarsenal, Luftverteidigung und Kommandokette zu zerstören." Der Militäreinsatz gegen Gaddafi hatte am 19. März begonnen.

Mit den Ergebnissen des zweitägigen Nato-Treffens zeigte sich Clinton sehr zufrieden. Das Bündnis handle bei der Umsetzung der UN-Resolution 1973 "nicht allein", sondern gemeinsam mit anderen Staaten. Zugleich sprach sie sich dafür aus, Unterstützungsmöglichkeiten für die libysche Opposition zu prüfen. Dazu gehörten auch Finanzmittel aus Öl-Einnahmen sowie eingefrorenen Vermögen des Gaddafi-Regimes.

Pläne für die Einrichtung eines Seekorridors

Die Nato erwägt unterdessen die Schaffung eines Korridors im Mittelmeer, um den Aufständischen in Libyen den Ölhandel zu erleichtern. Unter dem Schutz von Marineschiffen sollen auch Hilfsgüter das umkämpfte Land leichter erreichen. Aus Schifffahrtkreisen hieß es am Freitag, es gebe Planungen für einen sicheren Zugang über den Seeweg. Dem britischen Außenminister William Hague zufolge handelt es sich aber lediglich um Eventualitätsplanungen, die innerhalb der Nato und der Europäischen Union erwogen würden. Hilfslieferungen ohne den Einsatz des Militärs seien erste Wahl. Sollten die Vereinten Nationen jedoch den Marine-Einsatz empfehlen, könnte der Korridor errichtet werden.

Meldungen über neue Luftangriffe auf Sirte

Nato-Kampfflugzeuge haben am Freitag staatlichen Medien zufolge die Heimatstadt des libyschen Machthabers Muammar el Gaddafi bombardiert. Welche Ziele in der 360 Kilometer östlich der Hauptstadt Tripolis gelegenen Stadt Sirte angegriffen wurden, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Jana nicht. Auch die Stadt Asisijeh südlich von Tripolis war laut Jana Ziel von Luftangriffen der Naot. Das libysche Staatsfernsehen berichtete unter Berufung auf Armeekreise, Asisijeh sei auch am Donnerstagabend von Kampfjets bombardiert worden.

Bereits am Donnerstag hatte das staatliche Fernsehen Luftangriffe auf Tripolis und Sirte gemeldet. Sie waren jedoch später von der Nato dementiert worden.

Die NATO hatte bei ihrem Außenministertreffen am Donnerstag un Freitag in Berlin erklärt, sie werde ihre Einsätze in Libyen fortsetzen, solange dort Zivilisten von Gaddafis Truppen angegriffen werden. Außerdem forderte die Militärallianz Gaddafis Rücktritt.

kng/AFP/DPA/Reuters DPA Reuters

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