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Kampf gegen Pandemie Corona-Maßnahmen weltweit: Was Australien, Vietnam und die Seychellen besser machen als wir

Die Inzidenz der mit dem Coronavirus Infizierten stiegt vor allem in den jüngeren Altersgruppen
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Deutschland kommt im Kampf gegen Corona einfach nicht voran. Dabei gibt es genug Beispiele, wie man das Virus zumindest eindämmen kann: Abstand, Testen und rabiates Herunterfahren. Ein Blick über den Tellerrand.

In Deutschland beschließen Bund und Länder Lockdown-Lockerungen – trotz steigender Infektionszahlen, fehlender Corona-Schnelltests und schleppenden Impffortschritts. Ja, die Menschen sind zermürbt von den ewigen Einschränkungen. Die aber deshalb weiter nötig sind, weil sich die Bundesrepublik nach mehr als einem Jahr immer noch "schwerer als andere Ländern damit tut, diese Krise zu überwinden", wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" die faulen Kompromisse der jüngsten Bund-Länder-Beratungen kommentierte.

Natürlich – schlimmer geht immer: Es gibt unzählige Staaten, in denen das Virus besonders heftig tobt. In Afghanistan zum Beispiel. Dort aber herrscht teilweise Krieg, während es so gut wie keine Corona-Maßnahmen gibt. Oder Brasilien, wo Präsident Bolsonaro von einer "kleinen Grippe" spricht, während der Erreger fleißig vor sich hin mutiert. Oder in Russland, wo es zwar eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht gibt, auf die aber die meisten pfeifen.

Ach, wie gut haben es die Inselstaaten

Auf der anderen Seite sind da diese Länder, denen das Virus scheinbar nichts anhaben kann. Allen voran natürlich die Inselstaaten, die den unschlagbaren geografischen Vorteil haben, Einreisen bestmöglich kontrollieren zu können. Tonga in der Südsee gilt bis heute als virusfrei, ebenso wie Nauru und Palau in Mikronesien. Auch die großen "Nachbarn" wie Neuseeland und Australien sind weitgehend coronafrei und Vorbild in Sachen Pandemiekampf.

Ein Blick auf solche Erfolgsmodelle zeigt aber auch: Um das Virus entscheidend einzudämmen, helfen oft nur drastische Maßnahmen. Wie in China, wo nach Beginn des Corona-Ausbruchs ganze Millionenstädte abgeriegelt wurden. Oder Australien: Dort hatten jüngst 22 Infektionsfälle im Bundesstaat Victoria dazu geführt, dass über die gesamte Region eine Quarantäne verhängt wurde. "Jede Epidemie beginnt mit dem ersten Fall", sagte der Corona-Beauftragte des Landes, Brett Sutton in einem Interview mit der "Zeit".

Auch der Kontinent Down Under hatte einen mehr als 100 Tage andauernden, schier endlosen Lockdown hinter sich. Auch dort hatten viele Menschen massive psychische und wirtschaftliche Probleme, und auch mit dem Testen tat man sich anfangs schwer. Doch die radikalen Versuche, die Übertragungswege des Virus zu stoppen, waren erfolgreich. "Mit einer Kombination aus einem strikten Quarantäneprogramm (unter anderem Einreiseverbot, Schulschließungen, Besuchsverbot, d. Red.) und vielen Tests haben wir es geschafft", so Sutton.

Vorbilder Vietnam, Südkorea und USA

Mit ähnlichen Methoden bekämpfen auch andere Staaten erfolgreich Sars-CoV-2 – ein Überblick:

  • Vietnam. Das Land führte am 16. März 2020 als erster Staat die Maskenpflicht ein. In Geschäften, öffentlichen Gebäuden und im ÖPNV werden zudem Temperaturkontrollen durchgeführt und Gesundheitsdaten abgefragt. Als nach drei Monaten ohne eine Neuinfektion Ende November 2020 ein neuer Corona-Fall auftrat, wurden Hunderte Kontaktpersonen ermittelt und teilweise isoliert, sogar Schulen wurden deshalb geschlossen.
  • Finnland. Wenn, wie aktuell die Corona-Infektionen in einigen Regionen wieder zunehmen, reagiert das Land unverzüglich: Lockdown, Reiseverbote, Kontaktverfolgung per App. Anders als in Deutschland nutzen die meisten Finnen die Smartphone-Hilfe beim Aufspüren von Erkrankten. Die Hygienemaßnahmen ähneln denen in Deutschland.
  • Japan. In einigen Präfekturen gilt der Notstand. Dort sind Restaurants, Theater und Geschäfte ab 20 Uhr geschlossen. Die Menschen werden gebeten, ab dieser Uhrzeit zu Hause zu bleiben. Masken sollen auch im Freien getragen werden – was aber in Japan ohnehin üblich ist. Ebenso, wie den "Hygienebitten" der Regierung nachzukommen.
  • Südkorea. Die Infektionen dort bewegen sich auf niedrigem Niveau. Die Abstands- und Hygieneregeln sowie die Maskenpflicht werden auch dann eingehalten, wenn die zwischenmenschlichen Abstände zwei Meter und mehr betragen.
  • USA. Das riesige Land hat sich lange schwergetan, die Bedrohung ernst zu nehmen. Und tut es teilweise immer noch. Während die Infektionen in Kalifornien stark zunehmen, empfiehlt die dortige Regierung mittlerweile, Masken sogar in der Wohnung zu tragen. Ganz anders Texas und Mississippi: Dort wurden jetzt sämtliche Corona-Maßnahmen aufgehoben. "Zu viele Besitzer von kleinen Unternehmen kämpfen, um ihre Rechnungen zu begleichen. Das muss enden. Die Zeit ist gekommen, Texas zu 100 Prozent zu öffnen", sagte der Gouverneur des Staats, Greg Abbott.

Solche radikalen Gegenideen fordern Widerspruch geradezu heraus – zumal die Vereinigten Staaten das Land mit meisten Covid-19-Toten weltweit sind. US-Präsident Joe Biden warf den Gouverneuren nach ihrem Entschluss barsch "Neandertaler-Denken" vor. Anders als in Europa und anderen Teilen der Welt sind die USA allerdings beim Impfen relativ weit vorne. Ende Mai soll es genug Impfstoff für alle erwachsenen Amerikaner geben, sagte Biden. Schon jetzt sind mehr als 15 Prozent der US-Bevölkerung geimpft. In Deutschland sind es gerade einmal 5,2 Prozent. Was auch in Europa nur ein mittlerer Wert ist, gleichauf mit Frankreich, Schweden und Italien.

Europäischer Spitzenreiter ist Großbritannien mit einer Impfquote von knapp 30 Prozent, weltweit immerhin Platz 5. Hinter den Vereinigten Arabischen Emiraten, die zudem über eine erfolgreiche Tracing-App verfügen, den Falkland-Inseln, dem großen Impfvorbild Israel sowie dem Spitzenreiter Seychellen, wo schon fast 60 Prozent der Bevölkerung immunisiert worden ist.

Im Grunde ist der Corona-Kampf nicht schwer

Obwohl die Menschheit wohl noch lange mit dem Virus wird leben müssen, gibt es zahlreiche Beispiele, wie man die Infektionen zumindest eindämmen kann. Im Grunde sind das die bekannten Hygieneregeln, viele Tests, wenn Lockdowns nötig, dann rigide sowie die Aussicht auf umfangreiche Impfungen. Fast nichts davon wurde oder wird in Deutschland umgesetzt – und, wenn, dann nur halbherzig.

Quellen: Auswärtiges Amt, "The Guardian", "Die Zeit", Deutsche Welle, "Ärzte Zeitung", Bayerischer Rundfunk, Reisereporter.de, Global Monitoring, DPA, AFP


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