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Die Geschichte der CIA - Teil 2: Kampf um den Hinterhof der USA

Die Vereinigten Staaten fühlen sich von linken Regierungen in Lateinamerika bedroht. Alle Versuche, Fidel Castro zu beseitigen, scheitern. In anderen Ländern installieren sie Diktatoren, denen sie das Foltern beigebracht haben.

Am 17. April 1961, kurz vor Sonnenaufgang, rief der CIA-Sender auf der winzigen Karibikinsel Swan die Kubaner zum Anbruch einer neuen Ära auf: "Eine Befreiungsarmee befindet sich auf der Insel, um gemeinsam mit euch gegen die kommunistische Tyrannei des haltlosen Fidel Castro zu kämpfen. Greift die Fidelistas an, wo ihr sie trefft! Zum Sieg, Kubaner!"

Vier Stunden später ging die Sonne für die gelandeten Exilkubaner wieder unter.

Das wichtigste Schiff der Invasionsflotte war schon gegen neun Uhr in Brand geschossen und musste vom Kapitän auf Grund gesetzt werden. Anders, als ihre CIA-Ausbilder behauptet hatten, waren die Kampfflugzeuge Castros durch einen Bombenangriff der "Befreier" am Vortag keineswegs ausgeschaltet. Sie flogen Attacke auf Attacke gegen die 1443 Mann starken Invasionskräfte. Nur mit Mühe konnten die einen schmalen Küstenstreifen um die Landestelle Schweinebucht halten. Einen zweiten Start der Bomber hatte der US-Präsident Kennedy untersagt. Das direkte Eingreifen der US-Luftwaffe, den Exilkubanern immer wieder in Aussicht gestellt, blieb ein Wunschtraum.

Vor allem aber waren sieben Millionen Kubaner nicht bereit, gegen die "kommunistische Tyrannei" Castros die Waffen zu erheben. Vielmehr richteten sie ihre Waffen in bemerkenswert großer Zahl gegen die Befreier. Da halfen auch keine feurigen Appelle von Radio Swan, Fidels Untertanen sollten Flugzeuge unbrauchbar machen durch Anbohren der Treibstofftanks. Die Bürger von Havanna weigerten sich auch, auf ein Radio-Kommando hin gleichzeitig alle Lichter anzuschalten, um das Elektrizitätsnetz und damit die Regierungsstreitkräfte lahm zu legen.

Nach knapp drei Tagen war der Widerstand in der Schweinebucht zusammengebrochen. 114 Eindringlinge waren gefallen, unter ihnen vier US-Piloten. 1189 Kämpfer gerieten in Gefangenschaft. Sie wurden Weihnachten 1962 gegen ein als medizinische Hilfslieferung getarntes Lösegeld von mehr als 60 Millionen Dollar in die USA zurückgeschickt.

Die Regierung der Vereinigten Staaten hatte wie stets bei CIA-Aktionen auch mit diesem größten Desaster ihres Geheimdienstes offiziell nichts zu tun. Der eben erst ins Amt eingeführte Präsident John F. Kennedy erklärte noch vier Tage vor Invasionsbeginn: "Unter keinen Umständen wird eine Intervention amerikanischer Truppen in Kuba erfolgen." Um den Schein zu wahren, hielt man sich daran - auch als sich die Katastrophe der Exilkubaner abzeichnete.

Der bärtige Rechtsanwalt und Revolutionär Castro verkörperte genau den Typ von Staatschef, den die Kalten Krieger um CIA-Chef Allen Dulles nirgendwo auf der Welt und erst recht nicht im lateinamerikanischen Hinterhof an der Regierung sehen wollten: nationalistisch, radikal, sozialistisch. Kurz nach Castros Machtübernahme Anfang 1959 bewunderte Dulles ihn zwar noch als Mann "mit großem Mut", der keine erkennbaren "kommunistischen Neigungen" habe. Doch als Castro anfing, die Wirtschaft zu verstaatlichen und mit dem Ostblock zu kungeln, nannte der CIA-Chef Kuba bald einen "sowjetischen Satelliten". Das hieß: untragbar.

Vom Sommer 1960 an organisierte der Dienst mit Billigung von Präsident Eisenhower für 13 Millionen Dollar ein geheimes Ausbildungslager für Exilkubaner in einem entlegenen Winkel Guatemalas, inklusive eines neu gebauten Flugplatzes. Dort wurden Guerillakämpfer und Piloten auf alten B-26-Jagdbombern ausgebildet. Guatemalas Präsident Ydigoras konnte sich schwer dagegen wehren. Hatten die Amerikaner doch nur sechs Jahre zuvor sein Land von einer linken Regierung befreit und zu ihrem Vasallen gemacht. Kurz vor der Aktion in der Schweinebucht verlegte man die Freiheitskämpfer ins "Happy Valley" nach Nicaragua. Von dort aus war das Abenteuer gestartet.

Nach dem schmählichen Ende der Landung in der Schweinebucht nahm Präsident Kennedy die "volle politische Verantwortung" auf sich. Intern gab er sie weiter an die CIA, die kurz nach ihrer Pleite das heutige Hauptquartier in Langley, Virginia, bezog. Direktor Allen Dulles schied im Herbst 1961 aus dem Dienst, unerschütterlich in seiner Grundüberzeugung: "Ich habe es stets als meine oberste Pflicht angesehen, die kommunistischen Pläne auf jede nur mögliche Weise zu entlarven und zu vereiteln."

Den Ex-Präsidenten Harry Truman, 1947 Gründungsvater der CIA, bestürzte hingegen das ungebremste Wirken der Agency: "Ich habe bei der Schaffung der CIA niemals daran gedacht, sie in Friedenszeiten bei verschwörerischen Aktionen einzusetzen." Die Forderungen nach Reform und Kontrolle wurden lauter. Doch alle Initiativen, die CIA auf das Beschaffen von Nachrichten zu beschränken, scheiterten. Allerdings zog eine Untersuchungskommission Grenzen fürs subversive Geschäft. In Zukunft sollte sich die CIA auf Aktionen beschränken, bei denen höchstens Handfeuerwaffen benutzt würden (für die Schweinebucht hatte sie noch Panzer bereitgestellt).

Fidel Castro blieb weiterhin der liebste Feind der Agency. Wenn man schon seine Revolution nicht beseitigen konnte, dann wenigstens ihn selbst. Wahrscheinlich mit Rückendeckung von Präsident Kennedy und dessen Bruder Robert, dem Justizminister, arbeitete die CIA verschiedene Mordpläne aus. So dachte man daran, Castro einen Taucheranzug unterzuschieben, der innen mit einem Gift imprägniert war, das zu unheilbaren Hautschäden führte. Dazu eine mit Tuberkelbazillen verseuchte Atemmaske.

Noch ausgefallener war die Idee des Muschel-Attentats. Ein Mini-U-Boot sollte an einem Strand, den der begeisterte Sporttaucher Castro häufig besuchte, eine besonders spektakuläre Muschel platzieren, gefüllt mit Sprengstoff. Sobald Fidel sie bewundernd hochheben würde - wumms! Der Anschlag wurde abgeblasen: An Kubas Stränden gab es keine Muschel, die groß genug gewesen wäre für eine ausreichende Ladung.

Weiter als diese "nutty schemes", diese Gaga-Pläne, wie sie später im Geheimdienstjargon genannt wurden, gediehen die Versuche, Castro zu vergiften. Sie hatten schon vor der Landung in der Schweinebucht begonnen und wurden danach verstärkt fortgesetzt. So sollte 1960 die Deutschamerikanerin Marita Lorenz ihren Kurzzeit-Geliebten Fidel mit Zyankalipillen umbringen. Doch vor dem Treffen warf die Frau nach eigenen Angaben das Gift ins Bidet: "Ich bin eine Geliebte, keine Killerin."

Die CIA schaltete auch die Unterwelt von Miami ein. Die Gangster John Roselli und Sam Giancana erboten sich, gegen Geld und Waffen ihre Kontakte in Kuba zu nutzen, um Fidel Castro, seinen Bruder Raœl und Che Guevara vergiften zu lassen. Das CIA-Büro Miami versorgte sie mit tödlichen Tabletten. Doch bei zwei, drei Versuchen kamen die kubanischen Partner nie nahe genug an Fidel heran. Anfang 1963 wurde das Unternehmen namens "ZR/Rifle" beendet.

Parallel zu den Mordanschlägen liefen mit ausdrücklicher Billigung von John und Robert Kennedy Vorbereitungen zur Destabilisierung und Diskreditierung des Castro-Regimes. Einige bemerkenswerte Vorschläge dazu: - Massenhafter Abwurf von gefälschten Fotos, auf denen Castro mit zwei blon- den Frauen im Arm und einem reich gedeckten Tisch vor sich zu sehen war: So treibt es euer Führer, während ihr darbt!

- Versenken eines kubanischen Flüchtlingsbootes ("real oder simuliert", hieß es in einem CIA-Memorandum), um dann Castro die Schuld anzuhängen.

- Bestücken von Fledermäusen mit Brandsätzen und ihr Abwurf über kubanischen Ausbildungslagern. Am Tag würden die Tiere Zuflucht in Dachkammern suchen, ein Zeitzünder sie und das Gebäude in Flammen setzen.

- Schaffen eines virtuellen Widerstandschefs auf der Insel, um der Opposition ein Bild von Einheit und Stärke zu vermitteln. Wichtig seien ein markanter Name wie etwa "Der kleine Stier", "Der freundliche Wurm" oder "Der starke Bauer" und die Verbreitung von Anekdoten, die ihn als eine Art Zorro darstellten.

Auch hatte es nie an Ideen gefehlt, den Staatschef selbst lächerlich zu machen. Etwa LSD in das Rundfunkstudio zu sprühen, in dem Castro seine Reden aufnahm. Die Droge sollte Fidels Geist vorübergehend verwirren, genauso wie - ein weiterer Plan - der Rauch präparierter Zigarren. Oder die heimliche Imprägnierung von Castros Kleidung mit einem starken Enthaarungsmittel. Das sollte auch zu rapidem Bartausfall führen und sein revolutionäres Charisma zerstören.

1963 leitete Robert Kennedy einen Kurswechsel ein. Ernüchtert von der armseligen Ausbeute zog er die CIA weitgehend von der Front zurück und überließ das Sabotagegeschäft kubanischen Exilgruppen. Ein Geheimpapier vom Juni 1963 hielt fest: "Die direkte Teilnahme der USA an Operationen wird auf ein absolutes Minimum begrenzt. Ein erfahrener CIA-Beamter ist lediglich als Verbindungsmann tätig, gibt, wenn erforderlich, allgemeine Ratschläge sowie finanzielle und notwendige materielle Unterstützung." Der CIA-Traum, Castros Kuba zur Strecke zu bringen, war zu Ende.

Nicht nur das: Die obskuren Aktivitäten der CIA in Kuba nährten schließlich sogar Verschwörungstheorien über ein CIA-Mordkomplott gegen John F. Kennedy. Denn der Unmut in der Agency über den obersten Befehlshaber war wegen des Desasters in der Schweinebucht groß. Und gab es bei den Schüssen von Dallas im November 1963 nicht genügend Ungereimtheiten? Die "magische Kugel" und ihre seltsame Flugbahn zu Kennedy? Ohrenzeugen, die Schüsse von verschiedenen Positionen gehört hatten?

Historiker bewiesen zwar gründlich, dass Kennedy nicht Opfer einer Konspiration von CIA und Pentagon wurde. Doch die Theorie vom CIA-Komplott hat sich - aufgewärmt durch Oliver Stones Film "JFK" - bis heute gehalten.

In den 60er Jahren sah die CIA die freie Welt auf fast allen Kontinenten gefährdet. Selbst in Europa fackelten Washingtons Putsch-Experten nicht lange, wenn eine Regierung auf die falsche Seite zu geraten drohte. In Griechenland wollte der 1964 neu gewählte Premier George Papandreou sein Land aus dem Kalten Krieg heraushalten. Öffentlich sinnierte er, ob es sinnvoll sei, dass sein Land in der Nato bleibe. Ein verhängnisvoller Fehler - wie ein Treffen von US-Präsident Lyndon B. Johnson mit dem griechischen Botschafter Gigantes zeigte. Es ging um die Zypern-Frage. Als Gigantes die notwendige Beachtung der griechischen Verfassung bei der Lösung des Problems anmahnte, habe, so berichtete der Botschafter später, Johnson getobt: "Scheiß auf euer Parlament und scheiß auf eure Verfassung. Amerika ist ein Elefant und Zypern ein Floh. Wenn der Floh weiterhin den Elefanten juckt, könnte er einfach von seinem Rüssel getroffen werden."

Und der Elefant suchte sich seine Handlanger. Als Berichte in Washington eintrafen, dass Militärs einen Putsch gegen Papandreou planten, beschloss die amerikanische Regierung, den Dingen ihren Lauf zu lassen - nicht überraschend: Fast alle beteiligten Offiziere hatten enge Verbindungen zum US-Militär; ihr Anführer, Georgios Papadopoulos, stand seit 15 Jahren auf der Gehaltsliste der CIA.

Im April 1967 putschte Papadopoulos. Sechseinhalb Jahre lang wurde unter ihm willkürlich verhaftet, gefoltert, gemordet. Durchaus mit Unterstützung der USA. So lobte der amerikanische Botschafter Henry Tasca das Regime als die "beste anti-kommunistische Gruppe, die man überhaupt finden kann".

Logistische Hilfe für folternde Verbündete sah die CIA inzwischen als eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Mit der "School of the Americas" in der Panamakanal-Zone, die großteils aus dem Haushalt der Agency finanziert wurde, betrieb sie eine wahre Folterakademie vor allem für aufstrebende lateinamerikanische Militärs. Offiziell war das 1946 gegründete Institut eine Ausbildungsstätte für soldatische Führungskräfte. Sehr bald aber hatte sie den grausigen Spitznamen "Escuela de los asesinos", Schule der Mörder.

Nach Ende des jahrzehntelangen Bürgerkriegs in El Salavador etwa befand eine unabhängige Untersuchungskommission, dass mehr als zwei Drittel der schlimmsten Menschenrechtsverletzungen während dieser Zeit von Abgängern der Folterschule begangen worden waren. Lange Zeit behauptete die US-Regierung, ihre Ausbilder würden dort nur die Kriegskunst lehren. Doch 1996 musste Washington auf Gerichtsbeschluss sieben der Handbücher für Verhörtechnik freigeben - mit Details über die Anwendung von Folter, Erpressung und Exekution.

Auf diesem Gebiet hatte die CIA lange Erfahrung. Schon wenige Jahre nach ihrer Gründung hatte sie mit der systematischen Erforschung der Folter begonnen. Inspiriert von Nazi-Experimenten, versuchten sich ihre Wissenschaftler zunächst an der Bewusstseinskontrolle. So startete CIA-Direktor Hillenkoetter im April 1950 die Operation "Bluebird", bei der die zungenlösende Wirkung von LSD erprobt werden sollte.

Nordkoreanischen Kriegsgefangenen, Drogenabhängigen, auch 7000 ahnungslosen eigenen Soldaten einer Einheit aus Maryland wurden zu Testzwecken hohe Dosen der Droge verabreicht. Auf einer Tagung 1953 mischte CIA-Chefwissenschaftler Sidney Gottlieb LSD sogar unter die Drinks seiner Kollegen. Einem bekam der Cocktail so schlecht, dass er einen Nervenzusammenbruch erlitt. Man sperrte den vollkommen Verwirrten in ein Hotelzimmer im zehnten Stock - von wo aus er sich aus dem Fenster stürzte. Erst 1975 entschuldigte sich Präsident Ford und ließ der Familie 750 000 Dollar überweisen.

Da LSD wenig einbrachte, verlegten sich Langleys Folterforscher bald auf psychologische Tricks. CIA-Psychologe Donald O. Hebb stellte bei Versuchen mit Studenten fest, dass "die Identität der Versuchspersonen sich aufzulösen begann", nachdem sie drei Tage schalldichte Kopfhörer und mit Schaumstoff gedämmte Kleidung getragen hatten. Holte Hebb davor zumindest die Zustimmung seiner Studenten ein, scherte sich sein Kollege Ewen Cameron darum nicht. Im Auftrag der CIA bearbeitete er gutgläubige Patienten mit Drogen und Elektroschocks. Einige versetzte er bis zu 86 Tage in ein künstliches Koma, malträtierte sie anschließend 30 Tage mit Stromstößen, bevor sie zuletzt noch drei Wochen lang einen Footballhelm tragen mussten, während sie von einem Endlostonband Botschaften wie "Meine Mutter hasst mich" anhörten.

In jahrelangen Experimenten ertüftelten die CIA-Teams ein zweistufiges Folterprogramm, das bis heute angewendet wird. Stufe eins: Durch Schlafentzug oder indem man den Kopf in einen Sack steckt, wird dem Verhörten die Orientierung genommen. Stufe zwei: Der Gefangene wird gezwungen, etwas zu tun, was ihm Schmerzen bereitet. Dazu zwingt man ihn zum Beispiel, stundenlang zu stehen. Das Opfer soll denken, es liege nur an ihm, sich von den Schmerzen zu befreien.

In den 60er Jahren war das Programm zur Praxisreife gediehen. Es wurde in Panama gelehrt und vom eigenen Personal auch vor Ort getestet. In Uruguay etwa schien der Polizeiberater Dan A. Mitrione jahrelang lediglich ein US-Programm zur Förderung "verantwortungsvoller und menschlicher Polizeiarbeit" geleitet zu haben - bis seine Ermordung durch die Stadtguerilla "Tupamaros" Mitriones wahre Mission aufzeigte: Der neunfache Familienvater war ein Folterknecht mit CIA-Lehrauftrag.

Wie der beteiligte kubanische Doppelagent Manuel Hevia später berichtete, quälte Mitrione schon mal in einem "Seminar" vier Bettler mit Elektroschocks zu Tode, um uruguayischen Polizeischülern die Methode zu erklären. Hevia schreibt: "Besonders erschreckend an diesem Kurs war die akademische, beinahe klinische Atmosphäre. Mitriones Motto lautete: "Der richtige Schmerz zur richtigen Zeit am richtigen Ort.""

1967 verdichteten sich die Hinweise, dass Che Guevara, der Revolutionsheld des Marxismus, nach vergeblichen Versuchen, einen Freiheitskampf im Kongo zu entfachen, in den bolivianischen Bergen unterwegs war. Die CIA stellte sofort Agenten ab. Sie sollten die bolivianische Armee beim Aufspüren Guevaras und seiner Guerilla mit Geld und moderner Technologie wie etwa Infrarot-Nachtsichtgeräten unterstützen. Die Regierung Boliviens setzte ein Kopfgeld aus. 4200 Dollar, tot oder lebendig.

Guevaras Truppe war schwach. Nach kurzer Zeit befand sich der Held der kubanischen Revolution nur noch auf der Flucht. Am 8. Oktober 1967 wurde er nahe dem Dorf La Higuera verwundet und gefangen. Boliviens Diktator Barrientos forderte, in sofort hinzurichten. Er fürchtete einen lebenden Che als Identifikationsfigur der Arbeiter und Studenten im Lande. Die CIA wollte Guevara lebend nach La Paz bringen. Sie hoffte, von ihm wichtige Aufschlüsse über die kommunistische Weltverschwörung zu erhalten. Ausnahmsweise setzte sich der Latino gegen die Gringos durch. Nachdem der kubanische CIA-Agent Felix Rodriguez in La Higuera die Gefängnis-Hütte von Che verlassen hatte, hörte er die Schüsse des Exekutionskommandos. Zuvor hatte sich Castro-Hasser Rodriguez vom Castro-Gefährten Guevara mit einer Umarmung verabschiedet. "Che ging tapfer und gefasst in den Tod", sagte er später.

Die CIA konnte Ende der 60er Jahre ganz zufrieden sein, vom Kuba-Debakel abgesehen. Sie hatte autoritäre Regime in halb Lateinamerika installiert, Folter gelehrt, Che entsorgt. Wenn sich da nicht 10 000 Meilen weiter westlich die Waage des Kalten Krieges immer stärker zugunsten der Kommunisten geneigt hätte: in einem Land mit endlosen Reisfeldern, dichtem Dschungel und schweigsamen Menschen, das schon bald Schauplatz der größten und brutalsten Aktion des amerikanischen Geheimdienstes werden sollte. Vietnam.

Teja Fiedler/Marc Goergen / print