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US-Wahlkampf Trump vs. Biden: fünf Schlüsselmomente aus dem TV-Fernduell

Sehen Sie im Video: Biden antwortet auf Trumps falsche Wahl-Werbung mit Fauci.


Wahlkampf mit unfairen Mitteln? Kann Joe Biden auch. Der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten hat sich wohl etwas von Donald Trump abgeschaut. Er veröffentlicht ein offensichtlich zusammengeschnittenes Video, in dem Trump sich bei US-Immunologe Anthony Fauci entschuldigt.
Und jetzt eine Botschaft von Präsident Trump. "Ich versage beim Managen des Coronavirus-Ausbruchs, also habe ich Dr. Fauci in einem Werbespot benutzt, sodass er sagt, ich mache einen guten Job. Habe das ist ein Fake. Er hat das nie gesagt." Dr. Fauci hat NBC News gesagt: "Sie haben das ohne meine Erlaubnis gemacht und meine Kommentare wurden aus dem Zusammenhang gerissen. In fünf Jahrzehnten Dienst an der Bevölkerung habe ich nie Werbung für einen politischen Kandidaten gemacht und tue das auch jetzt nicht." Er sagte das über die Task Force, nicht über mich. Sorry, Dr. Fauci und alle anderen."
Dr. Anthony Fauci hat sechs US-Präsidenten in Gesundheitsfragen beraten. Dann hat er Trump für dessen Umgang mit der Corona-Pandemie kritisiert und ist in Ungnade gefallen. Doch für einen Wahlwerbespot, in dem Fauci angeblich den US-Präsidenten lobt, ist er Trump noch gut genug. Das von Bidens Team zusammengeschnittene Video, das Trumps Aussagen absichtlich verfälscht, ist Bidens Antwort auf Trumps Wahlwerbespot mit Fauci.
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Supreme Court, Coronavirus, Verschwörungsmythen: Trump und Biden haben in ihren separaten Bürger-Frage-Runden zu allerhand Themen Stellung bezogen – oder laut geschwiegen. Fünf Schlüsselmomente aus dem TV-Fernduell.

Dieses mal waren Donald Trump und Joe Biden nicht nur inhaltlich meilenweit voneinander entfernt, sondern auch räumlich: Etwa 1600 Kilometer liegen zwischen dem National Constitution Center in Philadelphia und Pérez Art Museum in Miami – jenen Schauplätzen, an denen sich Biden und Trump (auch) dem Publikum vor Ort Rede und Antwort gestanden haben. Zur selben Zeit, allerdings separat voneinander und auf unterschiedlichen TV-Sendern. Noch vor zwei Wochen teilten sich die Präsidentschaftskandidaten eine Bühne, bei ihrem ersten TV-Duell, das sich kaum als Debatte bezeichnen ließ.

Seitdem ist viel passiert: Der Amtsinhaber wurde wegen einer Coronavirus-Infektion im Krankenhaus behandelt, weshalb der zweite Schlagabtausch mit seinem Herausforderer von den Demokraten zunächst virtuell stattfinden sollte. Trump lehnte das ab, eines kam zum anderen – und die Kandidaten lieferten sich schließlich ein Fernduell. Das zweite und letzte direkte Aufeinandertreffen soll am 22. Oktober steigen.

Dennoch kam es bei aller Distanz zwischen den parallelen Bürger-Frage-Runden zu kleineren Krawallen, wobei sich Biden wesentlich präsidialer präsentierte als der Präsident (unsere ausführliche Analyse des Fernduells lesen Sie hier). Was ist inhaltlich hängen geblieben? Fünf Schlüsselmomente des Abends:

1. Trump bleibt bei Corona-Test schmallippig

Der Präsident hat sich weiter bedeckt gehalten, wann er vor seiner Covid-Erkrankung zuletzt negativ auf das Coronavirus getestet wurde. "Ich erinnere mich gar nicht daran", sagte Trump. Er werde ständig getestet.

Warum ist das wichtig? Die Frage nach dem letzten negativen Testergebnis ist von Belang, weil im Raum steht, ob Trump womöglich noch Veranstaltungen abhielt, als er bereits wusste, dass er infiziert ist. Nach Trumps eigenen Angaben war er am Abend des 1. Oktober positiv getestet worden. Er wurde danach für drei Tage ins Krankenhaus gebracht. Seine Ärzte und das Weiße Haus verweigern Angaben dazu, wann er zuletzt negativ getestet wurde. Kurz vor seinem positiven Testergebnis hatte Trump noch Veranstaltungen absolviert.

2. Biden ist kein "Fan" von Ausweitung des Supreme Court

Der Präsidentschaftskandidat der Demokraten hat nicht völlig gegen eine Ausweitung der Richterstellen am Obersten Gericht ausgeschlossen, diese aber auch (noch) nicht befürwortet. "Ich war kein Fan von der Ausweitung des Gerichts" und er sei es auch heute nicht, sagte Biden. Er sei aber offen, darüber nachzudenken, sollten die Republikaner mit der Nachbesetzung eines freigewordenen Richterpostens vor der Wahl am 3. November voranschreiten.

Warum ist das wichtig? Am Obersten Gericht der USA sind neun auf Lebenszeit ernannte Richter. Nach dem Tod der liberalen Richterin Ruth Bader Ginsburg treiben die Republikaner im US-Senat die Bestätigung der konservativen Kandidatin Amy Coney Barrett voran. Sie war von Präsident Trump für die Nachfolge vorgeschlagen worden. Es wird erwartet, dass Barrett noch vor der Wahl bestätigt wird – zum Ärger der Demokraten, die gefordert hatten, dass die Nachbesetzung durch den Wahlsieger geregelt wird. Im Streit über die Nachbesetzung reifte bei einigen Demokraten die Idee, mit einer Ausweitung des Gerichts um zwei oder vier Sitze die konservative Mehrheit einzuschränken. 

3. Trump habe mehr Vermögen als Schulden

Der Präsident, der vor seinem Amtsantritt als Immobilienunternehmer zu Reichtum gekommen ist, hat nach eigenen Angaben Schulden – die aber von seinem Vermögen mehr als aufgewogen werden würden. "Es ist ein winziger Prozentsatz meines Nettovermögens", sagte Trump.

Warum ist das wichtig? Trumps Finanzen sorgen immer wieder für Gesprächsstoff, zuletzt durch eine Recherche der "New York Times" (NYT), die seine Selbstdarstellung als erfolgreicher Geschäftsmann infrage stellten. Trump schien die von der "NYT" kürzlich berichtete persönliche Schuldenhöhe von 421 Millionen Dollar in etwa zu bestätigen. Er wollte sich zunächst zwar auf Nachfrage der Moderatorin nicht festlegen, sprach dann aber selber von "400 Millionen Dollar". Bei diesen Schulden handele es sich um eine kleine Sache, sagte er. Auf die Frage, ob er auch bei ausländischen Organisationen in der Kreide stehe, sagte er: "Nicht, dass ich wüsste." Er schulde keinen "finsteren Leuten" Geld.

Trump begründete die Nicht-Veröffentlichung seiner Steuererklärungen erneut damit, dass die Steuerbehörden seine Bücher prüften. Er versprach – wie seit Jahren – dass er die Steuererklärungen "sehr gerne" veröffentlichen werde, sobald diese Prüfung abgeschlossen sei. Normalerweise veröffentlichen Präsidentschaftskandidaten bereits im Wahlkampf ihre Steuererklärungen. Der Republikaner Trump wehrt sich seit langem gegen Bestrebungen der Demokraten, Zugang zu erhalten.

4. Trump distanziert sich nicht von QAnon

Auf Nachfrage hat sich Trump nicht der von Verschwörungsmythen-Bewegung QAnon distanziert. "Ich weiß nichts über QAnon", sagte er. "Lassen Sie mich Ihnen nur sagen, was ich darüber höre, ist, dass sie sehr entschieden gegen Pädophilie sind, und dem stimme ich zu." Moderatorin Savannah Guthrie hatte den Republikaner Trump zuvor auf die QAnon-Theorie angesprochen, wonach die Demokraten "ein satanischer Pädophilen-Ring" seien und er der "Retter" sei. Guthrie fragte: "Können Sie jetzt ein für alle Mal feststellen, dass das absolut nicht wahr ist?" 

Warum ist das wichtig? Die Bewegung hat in den vergangenen Monaten weiter an Bekanntheit, nicht nur in den USA, erlangt. Die zentrale Behauptung der QAnon-Anhänger ist, dass es eine Verschwörung gegen US-Präsident Donald Trump in den tieferen Schichten des US-Regierungsapparats gebe. Außerdem behaupten sie oft, prominente Politiker der Demokratischen Partei in den USA ließen sich mit Hormonen behandeln, die aus dem Blut von Kindern gewonnen würden.

Bei der Parlamentswahl, die zusammen mit der Präsidentenwahl am 3. November ansteht, sind aufseiten der Republikaner mehrere Kandidaten im Rennen, die Sympathien für QAnon-Gedankengut gezeigt haben. Auch Trump verbreitete bei Twitter wiederholt Inhalte von QAnon-Anhängern weiter. Twitter, Facebook und Youtube haben ihr Vorgehen gegen QAnon zuletzt verschärft.

5. Der Umgang mit dem Coronavirus bleibt ein Streitthema

Biden hat Trump vorgeworfen, auch nach seiner eigenen Coronavirus-Infektion weiterhin "nichts" gegen die Pandemie zu unternehmen. Mehr als 210.000 Menschen seien in den USA an den Folgen dieser Infektion gestorben – "und was tut er? Nichts", sagte Biden. "Er trägt immer noch keine Masken".     

Der Präsident äußerte sich hingegen widersprüchlich und wie gewohnt optimistisch über die Perspektiven der USA im Kampf gegen das Virus. "Wir sind dabei, über den Berg zu kommen", sagte er. "Ich sage, tragt die Masken. Ich habe kein Problem damit", betonte er. Trump wiederholte aber auch seine falsche Aussage, dass sich nach Angaben der Gesundheitsbehörde CDC 85 Prozent der Menschen, die eine Maske tragen, mit dem Virus infizierten. Richtig ist, dass bei einer CDC-Untersuchung 85 Prozent einer Gruppe von Infizierten angaben, sie hätten in den 14 Tagen zuvor oft oder immer eine Maske getragen. 

Nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität haben sich in den USA fast acht Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Auch bei den Todesfällen im Zusammenhang mit dem Erreger sind die Vereinigten Staaten weltweit mit insgesamt 217.700 Toten am stärksten betroffen. 

fs DPA AFP

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