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Eklat mit Syrien: Mursi wirft Assad Unterdrückung vor

Ägyptens neuer Präsident Mursi stellt sich demonstrativ auf die Seite der Opposition in Syrien. Er lobt den Mut der Aufständischen - Syriens Präsidenten Assad bezichtigt er eines Unterdrückerregimes.

Zum Beginn des 16. Gipfeltreffens der blockfreien Staaten im Iran hat Ägyptens Präsident Mohammed Mursi für einen Eklat gesorgt. Seine Äußerung, Syriens Führung unter Staatschef Baschar al-Assad sei ein "Unterdrückungsregime", veranlasste die Delegation des Landes zum Verlassen des Konferenzsaals und brüskierte den mit Damaskus verbündeten Gastgeber. Kritik an der UNO übte Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei.

"Die einige Tage nach Tunesien begonnene Revolution in Ägypten war eine Säule des Arabischen Frühlings, sie setzte sich in Libyen sowie im Jemen fort und nimmt heute das Unterdrückungsregime in Syrien ins Visier", sagte Mursi bei dem Gipfel in der iranischen Hauptstadt Teheran. "Ägypten ist bereit, mit allen Seiten zusammenzuarbeiten, um das Blutvergießen zu beenden", fügte er hinzu. Mursi ist der erste Präsident Ägyptens seit dem Jahr 1979, der den Iran besucht.

Syriens Außenminister Walid al-Muallim, der bei dem Gipfel in Teheran anwesend war, sagte dem Staatsfernsehen seines Landes zufolge, seine Delegation habe zu Beginn von Mursis Rede den Saal verlassen, weil dieser sich in "innersyrische Angelegenheiten" einmische und den Konflikt in Syrien weiter anfache. Teheran ist einer der letzten Verbündeten Assads, der einen im März 2011 begonnen Aufstand in seinem Land blutig niederschlagen lässt.

Rebellen schießen Militärflugzeug ab

An dem zweitägigen Blockfreiengipfel in Teheran nehmen etwa 30 Staats- und Regierungschefs teil. Mit dem Treffen übernimmt der Iran für drei Jahre den Vorsitz der im Jahr 1955 während des Kalten Kriegs gegründeten Blockfreiengruppe. Ihr gehören etwa 120 Staaten an - vorwiegend aus Asien, Afrika und Lateinamerika.

Am Donnerstag schossen die Rebellen nach eigenen Angaben in der Provinz Idlib an der Grenze zur Türkei ein Militärflugzeug ab. Eine Videoaufnahme zeigt eine Rauchwolke und dann einen Mann, der an einem Fallschirm zu Boden sinkt. In den vergangenen Tagen hatten Regimegegner berichtet, die Aufständischen hätten einige Raketen erbeutet und sich Mörsergranaten beschaffen können.

In der syrischen Stadt Daraa sollen Regierungstruppen zehn Gefangene getötet haben. Die Allgemeine Kommission für die Syrische Revolution erklärte, den Männern seien die Augen verbunden und die Hände gefesselt worden. Dann seien sie von Wächtern erschossen worden. Landesweit zählten die Aktivisten am Donnerstag zunächst 23 Tote. Eine unabhängige Überprüfung dieser Angaben war nicht möglich.

"Waffen zur Selbstverteidigung"

Derweil mehren sich die Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Gruppierungen der Opposition, die im In- und Ausland mit Worten oder Waffen für den Sturz des Regimes kämpfen. Radikale Islamisten warfen den Muslimbrüdern vor, gemeinsam mit französischen Diplomaten an einem Szenario zu arbeiten, das die Bildung einer Übergangsregierung unter Einbindung des ehemaligen Assad-Vertrauten Manaf Tlass vorsehe.

Die Muslimbrüder veröffentlichten, obwohl sie im Syrischen Nationalrat (SNC) vertreten sind, eine eigene Erklärung an die Teilnehmer des Blockfreien-Gipfels. Darin forderten sie diese auf, den Revolutionären "Waffen zur Selbstverteidigung" zu liefern.

jat/AFP/DPA / DPA