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Eskalation in Nahost: Israel steht unter ständigem Raketenbeschuss

Es ist kein Ende der Gewalt in Sicht, die Angst vor dem Krieg wächst: Militante Palästinenser feuern weiterhin Raketen ab. Israel setzte seine Offensive fort - bislang gab es 25 Tote.

In Tel Aviv haben erneut die Warnsirenen geheult. Menschen eilten in die Schutzräume. Es waren mehrere dumpfe Explosionen zu hören. Israels Armee hat indes ihre massiven Angriffe im Gazastreifen fortgesetzt. Insgesamt seien 160 Ziele beschossen worden, sagte eine Militärsprecherin in Tel Aviv. Seit Beginn der Militäroperation in der Nacht zuvor hätten Luftwaffe und Marine 435 Ziele angegriffen. Militante Palästinenser im Gazastreifen hätten in diesem Zeitraum 225 Raketen auf Israel abgefeuert. Davon habe die Raketenabwehr rund 40 abgefangen.

Militante Mitglieder der im Gazastreifen herrschenden Palästinenserorganisation Hamas hatten am Dienstagabend auch weiter entfernte Städte in Israel angegriffen, darunter auch die Küstenmetropole Tel Aviv und die Hauptstadt Jerusalem. In der Küstenstadt Chadera nördlich von Tel Aviv sei eine Rakete eingeschlagen. Die Stadt liegt 117 Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Dies sei der Raketenangriff mit der bisher größten Reichweite gewesen, sagte die Sprecherin.

Es gab bislang keine Berichte über Opfer in Israel. Im Gazastreifen wurden am Dienstag nach Angaben der Rettungskräfte 25 Menschen getötet, unter ihnen auch Kinder.

Palästinenser-Führung hält Krisensitzung ab

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kündigte als Reaktion auf den eskalierten Nahost-Konflikt für Mittwoch ein Krisentreffen seiner Regierung an. Das berichtete der israelische Rundfunk. Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi habe Abbas am Telefon zugesichert, sein Land werde sich für einen Waffenstillstand zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas einsetzen. Die Arabische Liga forderte den UN-Sicherheitsrat in New York auf, eine Dringlichkeitssitzung wegen der Lage in Nahen Osten abzuhalten, schrieben die israelische Zeitung "Haaretz" und die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa am Dienstag.

Hunderte Hamas-Mitglieder festgenommen

Bei einem israelischen Luftangriff auf den Gazastreifen sind nach Angaben palästinensischer Medien mindestens sechs Menschen in einem Haus in Beit Hanun getötet worden. Der Schlag habe sich gegen ein führendes Mitglied des militärischen Arms des Islamischen Dschihad gerichtet. Der Mann und fünf Familienmitglieder seien getötet worden, berichteten "Haaretz" online und die palästinensische Nachrichtenagentur Maan.

Auslöser der jüngsten Runde der Gewalt waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern am 12. Juni sowie der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen in der vergangenen Woche. Israel ist seit der Entführung massiv gegen die Infrastruktur der Hamas im Westjordanland vorgegangen und hat Hunderte Mitglieder der Organisation festgenommen.

Nach Angaben des israelischen Militärsprechers Arye Shalicar hat die Armee die Mobilisierung von bis zu 40.000 Reservesoldaten bewilligt. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, im Kampf gegen die Hamas sei es an der Zeit, "die Samthandschuhe auszuziehen".

EU fordert sofortige Waffenruhe

Die EU reagierte extrem beunruhigt auf die eskalierende Gewalt in Nahost. "Wir verfolgen die sich rasch verschlechternde Lage im Süden Israels und im Gazastreifen mit schwerer Besorgnis", erklärte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten am Dienstagabend in einer in Brüssel veröffentlichten Mitteilung. "Die EU verurteilt das willkürliche Feuer auf Israel durch militante Gruppen im Gazastreifen scharf." Doch auch die wachsende Anzahl ziviler Opfer, insbesondere Kinder, durch israelisches Gegenfeuer verurteile die EU. Alle Seiten müssten "äußerste Zurückhaltung" walten lassen und alles an eine sofortige Waffenruhe setzen.

fme/DPA / DPA