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Geiselnahmen: Neun Ausländer im Irak freigelassen

Aufständische im Irak haben neun entführte Ausländer verschiedener Nationalität entlassen. Dies erklärte ein Sprecher des Komitees Islamischer Geistlicher, das sich für die Freilassung eingesetzt hatte.

Aufständische im Irak haben neun entführte Ausländer verschiedener Nationalität entlassen, darunter Türken und Pakistaner. Dies erklärte heute ein Sprecher des Komitees Islamischer Geistlicher, das sich für die Freilassung eingesetzt hatte. „Wir glauben, dass neun in der vergangenen Nacht oder heute freigelassen wurden“, sagte Sprecher Muthanna Harith. Über die drei entführten Japaner wisse er nichts.

Der Fernsehsender El Dschasira hatte zuvor ein Video ausgestrahlt, in dem acht der Entführten zu sehen waren. Dabei handelte es sich um drei Pakistaner, zwei Türken und jeweils eine Person aus Nepal, Indien und den Philippinen. Die Nationalität des Neunten war zunächst nicht bekannt. Auf dem Video verlas einer der Entführer eine Erklärung, in der er den acht vorwarf, sie hätten als Lkw-Fahrer für die Besatzungstruppen gearbeitet. Es wurden keine Angaben darüber gemacht, wo und von wem die acht verschleppt wurden.

Weitere Ausländer im Irak entführt

Sieben Chinesen sind in Falludscha im Irak entführt worden. Nach Angaben der amtlichen chinesischen Medien waren die 18 bis 49 Jahre alten Männer am Sonntagmorgen mit dem Auto aus Jordanien in den Irak eingereist. Die chinesische Botschaft in Bagdad habe einen Krisenstab gebildet und stehe in direktem Kontakt mit der irakischen Übergangsverwaltung und gesellschaftlichen Gruppen, um eine Freilassung zu erreichen.

Die Entführung wurde nur einen Tag vor dem Besuch von US-Vizepräsident Dick Cheney in Peking bekannt. Nach Japan ist China am Dienstag die zweite Station seiner Asienreise. Im Mittelpunkt werden die Krise im Irak, Taiwan, die Menschenrechte und der Handel stehen.

Nach chinesischen Medienberichten sind die Namen der Entführten, die aus der südchinesischen Küstenprovinz Fujian stammen, bekannt. Ihr Fahrer sei ein Iraker gewesen. Laut Staatsfernsehen werden die Chinesen nach ihrer Entführung am Sonntag an einem geheimen Ort in Falludscha festgehalten. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua unterstrich in ihrem Bericht aus Bagdad, dass China als eines der Ständigen Mitglieder im Weltsicherheitsrat gegen die Invasion der USA im Irak gewesen sei.

Die zwei Deutschen im Irak wahrscheinlich tot

Bei den Kämpfen im Irak sind in der vergangenen Woche wahrscheinlich auch zwei deutsche Sicherheitsbeamte von Aufständischen getötet worden. Die beiden verschollenen Deutschen seien "mit hoher Wahrscheinlichkeit" tot, teilte das Auswärtige Amt in Berlin am Sonntag mit. Ein 37-jähriger Brite kam unterdessen nach mehrtägiger Entführung frei. Die Kidnapper von drei Japanern drohten erneut mit der Ermordung ihrer Geiseln, sollte Japan nicht seine Truppen aus dem Irak abziehen. US-Präsident George W. Bush sprach angesichts der Gewaltwelle im Irak von einer «harten Woche» für die Amerikaner. Zugleich bekräftigte Bush in Texas, dass die USA auf Kurs blieben.

Nach einem Bericht der britischen Zeitung «Sunday Telegraph» war der Konvoi mit den beiden Deutschen am Mittwoch auf dem Weg von Amman nach Bagdad durch eine Straßensperre irakischer Aufständischer gerast. Die Iraker hätten daraufhin auf den Konvoi gefeuert und die Reifen des letzten Wagens getroffen. Dadurch sei das Fahrzeug mit den beiden Deutschen von der Straße abgekommen und vor einer ehemaligen Schule zum Halten gekommen. Dort seien die beiden Deutschen erschossen worden. Das Auswärtige Amt in Berlin ging davon aus, dass der Bericht vom Tod der beiden Deutschen zutrifft. "Eine letzte Bestätigung steht noch aus", betonte eine Ministeriumssprecherin.

Bericht über Video von toten Deutschen

Nach ARD-Informationen wurde in der Nähe des Ortes ein Grab gefunden. Darin würden die Leichen der beiden GSG-9-Beamten vermutet. Mitarbeiter der deutschen Botschaft hätten zudem Videoaufnahmen der Leichen gesehen und die zum Schutz der Vertretung abgestellten Sicherheitsbeamten erkannt, berichtete die "Tagesschau" am Sonntagabend. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Ein heute in der Stadt Nasirija entführter Brite kam wieder frei. Ein Sprecher des britischen Außenministeriums sagte am Sonntag in London, der 37-jährige Gary Teeley sei den Koalitionsbehörden übergeben worden. Es gehe ihm gut. Nach einem Bericht des arabischen Senders El Dschasira wurde seine Freilassung mit Hilfe "arabischer Stämme in der Region" bewerkstelligt.

Für die Angehöringen der drei japanischen Geiseln ging das Zittern weiter. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am frühen Montagmorgen (Ortszeit) unter Berufung auf Regierungsquellen berichtete, werden die Geiseln weiterhin nahe Falludscha festgehalten. Ein Vermittler berichtete am Sonntag, die Kidnapper hätten erneut mit der Ermordung der Japaner gedroht. Sie hätten Tokio eine letzte 24-stündige Frist eingeräumt, um den Abzug der 550 Soldaten aus dem Irak einzuleiten. Sollte dies nicht geschehen, werde die erste Geisel getötet, sagte der Vermittler Muscher Dulaimi vom Komitee für die Verteidigung der Rechte des Iraks dem Fernsehsender El Dschasira. Neben den Japanern befanden sich auch mehrere andere Ausländer in der Gewalt von Aufständischen.

US-Hubschrauber in Bagdad abgeschossen

Unterdessen verhandelten Vertreter der irakischen Übergangsregierung und der Aufständischen in der von US-Truppen eingekesselten Stadt Falludscha. Eine am Vortag etablierte Waffenruhe wurde nur sporadisch unterbrochen. US-Militärsprecher Mark Kimmitt sagte am Sonntag in Bagdad, auf politischer Ebene gebe es Bemühungen, die legitime irakische Kontrolle über die Stadt wiederherzustellen. Nach unterschiedlichen Berichten sind bei den Kämpfen um Falludscha seit Beginn der Woche zwischen 300 und 450 Iraker getötet worden, darunter viele Zivilisten.

Aufständische schossen am Sonntag westlich von Bagdad einen US-Kampfhubschrauber vom Typ "Apache" ab. Beide Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben, bestätigte Kimmitt.

Bulgarien schloss am Sonntag erstmals einen Abzug seiner 450 Soldaten aus dem Irak nicht mehr aus. Bei einer Operation gebe auch immer ein ungünstigstes Szenario und dies sei, dass das bulgarische Bataillon angesichts der Spannungen abgezogen werde, sagte Vize-Außenminister Ljubomir Iwanow in Sofia.

Auswärtiges Amt wiederholt Reisewarnung für den Irak

Angesichts der zunehmenden Gewalt gegen Ausländer im Irak hat das Auswärtige Amt erneut eindringlich vor Reisen in das Land gewarnt und den noch dort befindlichen Deutschen zur Ausreise geraten. In einem heute in Berlin veröffentlichten Sicherheitshinweis für Kuwait wird auch für dieses Land auf ein erhöhtes Risiko hingewiesen.

Auch im südlichen Irak und den von Kuwait aus zugänglichen grenznahen irakischen Gebieten um Basra bestehe die Gefahr von Anschlägen, Übergriffen und Überfällen auf Ausländer, heißt es in dem Hinweis. Es sei nicht auszuschließen, dass Kuwait den Grenzübergang Abdalli nach Irak ohne vorherige Ankündigung schließe.

Eine Rückkehr nach Kuwait wäre dann nur noch mit einer Sondergenehmigung der kuwaitischen Behörden und der Koalitionsstreitkräfte möglich. Das Grenzgebiet sei militärisches Sperrgebiet und könne ohne Sondergenehmigung nicht betreten werden. Die deutsche Botschaft in Kuwait könne Deutschen, die im Südirak in eine Notlage gerieten, erst ab dem irakisch-kuwaitischen Grenzübergang Hilfestellung leisten.

Letzte deutsche Aufbauhelfer verlassen den Irak

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Gewalt gegen Ausländer haben die letzten deutschen Aufbauhelfer den Irak heute verlassen. «Wir haben uns hier nicht mehr sicher gefühlt», sagte Frank Mc Areavey des privaten Minenräumdienstes «Help» vor seiner Abreise aus Bagdad. "Wir könnten sonst nur im Büro sitzen und nichts tun", fügte er hinzu. Der irischstämmige Deutsche verließ heute zusammen mit zwei anderen Mitarbeitern von "Help" das Land auf dem Luftweg. Zuvor hatten bereits alle anderen deutschen Hilfsorganisationen ihr Personal aus dem Irak abgezogen.