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Irak-Krise: Irakische Armee startet Offensive in Tikrit

Kampf gegen Isis: Irakische Streitkräfte haben eine großangelegte Militäraktion gestartet um Tikrit zurückzuerobern. Die Islamisten halten die Geburtstadt Saddam Hussein seit Tagen besetzt.

Die irakische Armee hat eine Großoffensive zur Rückeroberung von Tikrit begonnen. Tausende Soldaten rückten auf die Heimatstadt des früheren Machthabers Saddam Hussein vor, die die Isis-Rebellen am 11. Juni unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Unterstützt wurden sie von Kampfflugzeugen, die nach Regierungsangaben Stellungen der Dschihadisten in Tikrit bombardierten. Das US-Militär lässt unterdessen bewaffnete Kampfdrohnen über der Hauptstadt Bagdad fliegen.

"Eine große Militäroperation ist heute gestartet, um Tikrit von Isis zur säubern", sagte Generalleutnant Sabah Fatlawi. "Die Isis-Kämpfer haben nur zwei Möglichkeiten - fliehen oder getötet werden." Tikrit ist neben Mossul eine der größten Städte in der Hand der Dschihadistengruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis), die seit Anfang Juni weite Teile des Nordiraks erobert hat.

Wie der für Sicherheitsfragen zuständige Sprecher von Ministerpräsident Nuri al Maliki, Generalleutnant Kassem Atta, im Fernsehen sagte, hat die Armee mittlerweile die Kontrolle über die Straße von Bagdad nach Samarra im Süden von Tikrit übernommen. Am Donnerstag hatte die Armee bereits das Universitätsgelände am Stadtrand zurückerobert.

Bisher größte Militäraktion

Die nun gestartete Militäroffensive ist die bisher größte Aktion der irakische Streitkräfte seit dem Beginn der Isis-Offensive vor bald drei Wochen. Nach Angaben von Kassem arbeitet die Armee auch mit den USA zusammen, um "wichtige Ziele" für den Kampf gegen die Islamisten auszumachen. Die irakische Regierung bittet die USA seit Wochen darum, sie im Kampf gegen die Extremisten mit Luftangriffen zu unterstützen. Die USA verlegten zunächst jedoch nur 180 Militärberater in den Irak, um sich ein besseres Bild von der Lage zu machen und die einheimischen Sicherheitskräfte zu unterstützen.

Insgesamt befinden sich damit derzeit rund 500 US-Soldaten auf irakischem Boden, viele von ihnen gehören Eliteeinheiten an. An Kampfhandlungen gegen Isis sollen sie sich aber nicht beteiligen. Auch der Einsatz der US-Kampfdrohnen über Bagdad soll nur dem Schutz von US-Einrichtungen und US-Soldaten in Hauptstadt dienen, wie ein ranghoher US-Regierungsvertreter sagte. Auch Russland will dem Vormarsch der Islamisten im Irak "nicht tatenlos zusehen", wie Vize-Außenminister Sergej Riabkow bei einem Treffen mit dem syrischen Präsidenten Baschar al Assad in Damaskus sagte. Eine Lösung der Konflikte im Irak und im Nachbarland Syrien könne aber nur über einen "echten nationalen Dialog" erreicht werden. Die Isis-Miliz, deren Ziel die Gründung eines grenzübergreifenden islamischen Staates in der Region ist, kämpft auch im syrischen Bürgerkrieg gegen die Regierung und kontrolliert mittlerweile Positionen auf beiden Seiten der Grenze.

Angesichts der Eskalation des Konflikts im Irak unterstützt Deutschland das Rote Kreuz mit zwei Millionen Euro. Nach Angaben von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sollen damit vor allem Binnenflüchtlinge versorgt werden. Derzeit seien rund 1,2 Millionen Iraker im eigenen Land auf der Flucht. Hinzu kommen laut dem Auswärtigen Amt rund 225.000 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge in den autonomen Kurdengebieten.

she/AFP/DPA / DPA