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Österreicher-Kunde: Angstbeißer im Vielvölkerstaat

Wer ist dieses Volk, das zur Hälfte einen rechten Präsidentschaftskandidaten wählte? Die Redaktions-Österreicherin erklärt.

Die Präsidentschaftsbewerber aus Österreich: Alexander Van der Bellen und Norbert Hofer

Es kommt auch auf die Stimme an: die österreichischen Präsidentschaftsbewerber.  Alexander Van der Bellen gewann knapp vor FPÖ-Kandidat Norbert Hofer.

Gleich zu Beginn die schlechte Nachricht: Ein einheitliches Bild der Österreicher lässt sich nicht erstellen. Zu groß sind die Unterschiede zwischen Stadt und Land, Osten und Westen (nicht nur, weil ein Berg dazwischen steht), Jung und Alt. Wie eigentlich überall.

Und wie überall sind auch in Österreich europaweite Strömungen zu bemerken. Der Aufstieg der FPÖ hat dieselben Ursachen wie der Aufstieg des Front National in Frankreich oder der Schwedendemokraten: Europa ist im Umbruch. Die EU, dieses riesige Experiment, hat ein paar schwere Konstruktionsfehler und beheimatet ein paar schlimme Abzocker. Und: Die Welt wächst zusammen. Das hat unter anderem zur Folge, dass die Kriege, die wir mitfinanzieren, uns jetzt auch treffen.

Und auch hier wählen die seltsam unrebellischen Jungen, die Vertreter der "angepassten" Generation, der "Generation Zukunftsangst", zusehends rechts, und hier sind es vor allem die jungen Männer. Angstbeißer im immer noch reibungslos laufenden Sozialstaat. 

Aber es gibt auch ein paar spezielle Wesenszüge und gelernte Verhaltensmuster, die kennen muss, wer verstehen will, warum so viele Menschen in Österreich einen Präsidentschaftskandidaten aus der rechten Ecke wählten.

Kein Führer. Ein Kaiser!

Es heißt immer, wir sehnten uns nach einem Führer. Aber das stimmt nicht. Ich meine, die Österreicher hätten nichts gegen einen Führer, aber noch lieber hätten wir wieder einen Kaiser, einen würdevollen Landesvater, unter dessen Schirm wir uns flüchten können. Deshalb wird Alexander Van der Bellen die Herzen auch vieler Hofer-Wähler mit der Zeit für sich gewinnen. Er spricht "nach der Schrift", also ein schönes Deutsch, und er klingt immer so ruhig und souverän. So was mögen wir. Die Stimme ist ganz wichtig! Als die Sozialdemokraten neulich die Notbremse zogen und Christian Kern als neuen Bundeskanzler einwechselten, schwärmte alles von seinem bronzenen Bariton. Kerns glückloser Vorgänger Werner Faymann hatte immer so eine Quäkstimme, das hat ihm beim Volk womöglich mehr geschadet als der Stillstand in der Regierungskoalition, den er mitverantwortete. 

Dass Alexander Van der Bellen aus einer großen, alten Familie stammt - eigentlich hießen sie ja vorher "Von" der Bellen, mit o! - werden wir schon bald sehr leiwand finden und die hohe Herkunft in Kleinigkeiten erkennen, die uns wichtig sind. Wie er einen roten Teppich abschreitet. Oder ob er bei der Neujahrsansprache schön gütig lächelt.

Nach oben, nach unten

Der Österreicher schaut gern nach oben, aber nur, wenn uns keiner zwingt. Ein "gnädiger Herr" wird bloß aus freien Stücken geehrt. Im Gegenzug hat der gnädige Herr sich volksnah zu geben und Bescheidenheit zu demonstrieren. Er hat die Werte des kleinen Mannes hochzuhalten und, in Tracht auf Almwiesen posierend, authentisch zu wirken. Aber die Volksnähe haben die neuen Eliten - die Politiker, die Medienvertreter, die Neureichen - sträflich vernachlässigt. Da wird der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hämisch als "Zahntechniker" tituliert, einer, der kein Studium hat, haha. Sind die FPÖ-Wähler eh nicht alle dumm, ohne Matura, ohne Bildung? Ein strategischer Fehler ausgerechnet der Linksgewandten in einem Land, in dem der Mittelstand ebenfalls langsam, aber stetig ausgedünnt wird, wie überall sonst auch in Europa

Diese gedankenlose Arroganz von Teilen des Establishments ist beispielhaft für eine Atmosphäre, die dazu beitrug, dass die FPÖ sich als die neue Partei des kleinen Mannes etablieren konnte. Vielleicht auch deshalb hat Norbert Hofer am vergangenen Sonntag in Simmering, einem ehemals klassischen Arbeiterbezirk, die Stimmenmehrheit erhalten. 

Würde und Gemütlichkeit

Der Österreicher gedeiht am besten in einem Gleichgewicht aus Würde und Gemütlichkeit. Die Würde kann er jedoch nicht aus sich selbst ziehen wie ein indischer Yogi. Er muss sie von außen angepasst bekommen wie einen Anzug, sonst glaubt er's nicht. Ein festlicher Rahmen, ein wichtiger Gast, ein Orden, ein Titel, Herr Diplomingenieur, Frau Hofrat, Herr Kommerzialrat, gnä’ Frau. Seine Würde zieht er auch aus dem Wirtschaftsaufschwung, der das Land bis heute durchträgt, aus dem Wohlstand, der im ganzen Land spürbar ist, selbst wenn in den Städten immer mehr Obdachlose in den Hauseingängen sitzen.

Die Gemütlichkeit wiederum, die liegt ihm im Blut. Damit ist nicht weinselige Heurigenstimmung gemeint, sondern eine gewisse Entspanntheit. Dass das Wahlergebnis das Land spaltet, ist eine Mähr. Keine Maßnahmen gegen drohende Schlägereien in den Kaffeehäusern, wie eine Kollegin vom "Guardian" gehört haben will. Wir sind gelernte Demokraten, bitteschön. Es gibt in Österreich übrigens auch keine brennenden Flüchtlingsheime, obwohl wir pro Nase minestens so viele Flüchtlinge aufgenommen haben wie die Deutschen. Darin sind wir euch überlegen: Bei uns weiß sogar der Braune, dass die armen Hund’ ja nix dafür können.

Das Wahlergebnis hat nur einmal mehr die österreichische Realität dargestellt: In den Städten leben die Linken und Progressiven, auf dem Land die Konservativen. Es gibt immer wieder Momente, in denen sich politische Gräben durch ganze Familien ziehen. Als es etwa in den Siebzigern darum ging, sich für oder gegen Atomenergie zu entscheiden, oder in den Neunzigern, als der EU-Beitritt Österreichs zur Abstimmung stand. Nein, es droht kein "kalter Bürgerkrieg", wie die Bild-Zeitung sorgenvoll überlegt.  

Der Österreicher wird nur dann gefährlich, wenn er das erwähnte Gleichgewicht aus Bedeutsamkeit und Laissez-faire verliert. Dann kippt er - und dann lernt man den "Herrn Karl" kennen, einen unangenehmen, von Helmut Qualtinger in genialen Sketches verkörperten Zeitgenossen, der in vielen von uns schlummert.

Selbstbestimmung in einem kleinen Land

Da gibt es zum Beispiel nicht wenige, die Norbert Hofer gerne siegen gesehen hätten, einfach nur, um zu schauen, was dann passiert. Die Lust am Ärger - am "Bahöö", wie man in Wien sagt, wenn es laut, durcheinander und mitunter gewalttätig zugeht - ist besonders groß, wenn man selbst ungeschoren bleibt. Ein bisserl mehr offene Fremdenfeindlichkeit wäre sicher lustig für diese Herren und Frauen Karl, da wären sie als echte Österreicher auf der sicheren Seite. Facebook finden diese Leute super, da kann man anonym Unruhe stiften und Leute aufstacheln - aufhussen, wie man so schön sagt - und muss sich nicht verantworten. 

Die Österreicher haben nicht so große Angst vor Migranten, dem Islam oder Multikulti, wie sich selbst gern einreden. Wir waren bis vor kurzem ein Vielvölkerstaat, nicht nur in den Straßen der Hauptstadt flanierten Menschen in einem Dutzend verschiedener Landestrachten. Und wir haben ständig Menschen über die Grenze geholfen, nach dem Krieg den vertriebenen Sudetendeutschen, dann 1956 einer Viertelmillion Ungarn, Tausenden Polen in den Achtzigern, Hunderttausenden aus dem ehemaligen Jugoslawien Anfang der Neunziger. Die Österreicher sind Spendenweltmeister, alljährlich werden Millionen für Notleidende gesammelt, im vergangenen Sommer warteten die Leute schon allein aus Tradition an den Grenzzäunen, um die Erschöpften zu versorgen, die von Bussen auf der anderen Seite ausgespuckt wurden. Nicht wenige von ihnen haben Hofer gewählt. Die Österreicher haben ein hohes Verständnis für Kriegsflüchtlinge. Sie wollen nur nicht ausgenutzt werden. Und sie wollen in ihrem ohnehin schon kleinen Land die Chefs bleiben. Die Angst vor dem Verlust der Selbstbestimmung wird von der FPÖ unterschwellig immer mitgeschürt und gedüngt. Bei den Alten, bei den Schlechterverdienenden, bei denen, die Sorge haben, nach den fetten Jahren übrig zu bleiben und überrollt zu werden - von Migranten, von EU-Verordnungen, von der Welt an sich, die wir uns stets gern ein Stück weit vom Leib halten.

Die Österreicher haben eigentlich eine große sozialistische Tradition, der Gruß "Freundschaft" wurde mit Stolz ausgesprochen, nicht nur in der Bundeshauptstadt Wien, auch im Burgenland etwa, dem tolerantesten Bundesland, wo drei Volksgruppen, Katholiken und Evangelische friedlich nebeneinander wohnen. Hier hat Hofer überall  gewonnen. Und nicht nur, weil er gebürtiger Burgenländer ist. Hier ist die Grenze zu Ungarn, hier sind sie herüber gekommen im vergangenen Sommer, hier herrschte ein Chaos, das ohne die vielen freiwilligen Helfer zur Katastrophe angeschwollen wäre.

Die sozialdemokratische Partei hat es geschafft, das Vertrauen der Leute zu verspielen, am Ende reichte nicht einmal mehr der Schlachtruf "Rechts verhindern!" , der die SPÖ immer schleppender durch die vergangenen Wahlen getragen hat. Jetzt wendet man sich eben denen zu, die mit ausgebreiteten Armen dastehen und rufen: "Kommt zu uns!" 

Irgendwer muss schuld sein: die EU!

Die Bestimmer in der EU sind dem Österreicher immer schon suspekt gewesen. Wir lassen uns auch nicht gern was vorschreiben. Manche trauern immer noch dem Schilling nach, mit den drei Edelweiß auf der einen Seite. Vieles an der EU-Skepsis ist purer Nostalgie geschuldet. Die Welt verändert sich, das wissen wir, aber irgendwer muss schuld daran sein. Und "die in Brüssel" geben den idealen Sündenbock ab. Wer also gegen die EU wettert, den mag man schon aus Prinzip. Und die FPÖ wettert ständig gegen Brüssel. 

Nur net aufpudeln

Die Österreicher regen sich aber auch gern künstlich auf. Aufpudeln nennt man das. Und weil beim Aufpudeln vor allem heiße Luft bewegt wird, sind wir auch schnell wieder beruhigt. Als der neue Bundeskanzler Christian Kern klugerweise als erstes seine eigene Partei und die Regierungskoalition ausschimpfte, lehnte sich das Volk zufrieden vorm Fernseher zurück und meinte: brav. Nicht wenige wählten danach dann doch wieder Alexander Van der Bellen, Tenor: "Die Regierung ist jetzt eh bestraft."  Schwamm drüber! Prost!

Wenn Kern "anzaht", wenn er also Bewegung in die Regierung bringt, wenn die Sozialdemokraten und Konservativen ihren bereits eingeschlagenen Kurs in Richtung Rechts halten, wie es dem Volk eh gefällt, dann ist alles verziehen. Wenn nicht, dann "spielt's Granada", wie man in Österreich sagt, dann gibt's bei der nächsten Parlamentswahl eine Mehrheit für die FPÖ. Im Krieg um Österreich war die Bundespräsidentenwahl nur der Auftakt. Die entscheidende Schlacht wird 2018 geschlagen.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(