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Kreml-Gegner in Freiheit Wie Genscher den Chodorkowski-Deal einfädelte


Genscher und Putin trafen sich schon im Juni 2012 heimlich am Berliner Flughafen, um über eine Freilassung Chodorkowkis zu sprechen. Der russische Präsident blieb vage - doch Genscher war hartnäckig.

Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher hat sich zweimal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin getroffen, um über die Freilassung von Michail Chodorkowski zu sprechen. Das hatte Genschers Büro bereits am Freitag mitgeteilt, nachdem der 86-Jährige den Regierungskritiker vom Berliner Flughafen Schönefeld abgeholt hatte. Jetzt berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" über Einzelheiten des Vermittlungsaktion.

Demnach traf Genscher Putin im Juni 2012 in Berlin auf dem Flughafen Tegel. Der russische Präsident hatte damals nach seiner Wiederwahl einen Antrittsbesuch in Deutschland gemacht. Das Treffen habe unbemerkt von der Öffentlichkeit stattgefunden, heißt es in dem Bericht. Putin habe sich damals nur unbestimmt zu den Chancen einer Freilassung Chodorkowskis geäußert, Genscher habe seine Bemühungen aber fortgesetzt.

Zweites Treffen in Moskau

Das Kanzleramt und der Botschafter in Moskau, Ulrich Brandenburg, sorgten dem Bericht zufolge dafür, dass Genschers Vorschläge bei Putin ankamen. Anfang des Jahres habe dieser Putin dann ein zweites Mal in Moskau getroffen. Als Putin Chodorkowski dann am Freitag begnadigt habe, hätten die Piloten des Privatflugzeugs, das den Kreml-Kritiker nach Deutschland holen sollte, ohne Visum nach Russland fliegen dürfen. Das Flugzeug gehörte dem Sauerländer Unternehmer Ulrich Bettermann, der mit Genscher befreundet ist.

An Tag eins nach seiner Freilassung und Blitz-Ausreise nach Deutschland ist Chodorkowski in Berlin mit seinem ältesten Sohn zusammengetroffen. "Die Familie ist endlich wieder vereint", sagte Pawel Chodorkowski am Samstag nach dem Wiedersehen im Hotel Adlon. An eine rasche Rückkehr nach Russland denkt Chodorkowski nicht. Dies stehe "nicht auf der Tagesordnung", sagte die Grünen-Abgeordnete Marieluise Beck nach einem Treffen mit Chodorkowski.

"Er ist frei, nach Russland zurückzukehren"

Der 50-Jährige war am Freitag nach mehr als zehn Jahren Lagerhaft von Russlands Präsident Wladimir Putin "aus humanitären Gründen" begnadigt worden. Am Sonntag will er gegen 13.00 Uhr auf einer Pressekonferenz im Mauermuseum am Checkpoint Charlie zum ersten mal vor die Öffentlichkeit treten und sich zu seinen Zukunftsplänen äußern, wie sein Sprecher bekanntgab.

Ein Sprecher Putins stellte klar, der frühere Ölmagnat könne jederzeit wieder in seine Heimat kommen. "Er ist frei, nach Russland zurückzukehren. Absolut", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Zu möglichen Bedingungen für die Freilassung - etwa einem Verbot politischer Aktivität - sagte er nichts.


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