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Moskau: Kreml-Kritiker Nawalny bei Anti-Korruptions-Demo festgenommen

Bei einer Demonstration gegen Korruption in Moskau sind nach Angaben von Aktivisten mehr als 700 Menschen festgenommen worden - darunter auch der prominente Kreml-Kritiker Alexej Nawalny. Er soll am Montag einem Richter vorgeführt werden.

Alexej Nawalny

Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny (M.) wird in Moskau auf einer nicht genehmigten Demonstration von Polizisten festgenommen.

Während landesweiter Proteste gegen die Korruption in Russland ist der prominente Kreml-Kritiker Alexej Nawalny am Sonntag in Moskau festgenommen worden. Nawalny wurde nach Angaben seiner Sprecherin auf dem Majakowskaja-Platz abgeführt. Die Menschenrechtsgruppe OWD Info sprach von mehr als 700 Festnahmen bei der nicht genehmigten Demonstration in Moskau, an der nach Polizeiangaben 7000 bis 8000 Menschen teilnahmen. Große Kundgebungen gab es auch in St. Petersburg, Nowosibirsk, Krasnojarsk und Omsk.

"Alles in Ordnung. Versucht nicht, für mich zu kämpfen", schrieb Nawalny auf Twitter nach seiner Festnahme aus einem Polizeifahrzeug heraus. "Unser Thema ist heute der Kampf gegen Korruption." Nawalny hatte zu den Protesten aufgerufen. Der prominente Oppositionelle wurde Anfang Februar in einem neu aufgerollten Prozess abermals zu fünf Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Ein Gericht im rund 900 Kilometer östlich von Moskau gelegenen Kirow sprach ihn wegen Veruntreuung schuldig. Nawalny kündigte daraufhin an, trotzdem bei der für März 2018 geplanten Präsidentschaftswahl anzutreten.

Die jüngsten Proteste entzündeten sich unter anderem an einem Bericht Nawalnys, in dem Ministerpräsident Dmitri Medwedew vorgeworfen wird, über ein undurchsichtiges Netzwerk von Nichtregierungsorganisationen ein Immobilienimperium zu kontrollieren. Ein YouTube-Video mit den Anschuldigungen wurde inzwischen elf Millionen Mal angeklickt, eine Stellungnahme Medwedews gab es nicht.

Umstehende leisten Widerstand bei Nawalnys Festnahme

"Wir haben das Video alle gesehen", sagte der 26-jährige Fabrikarbeiter Nikolaj Mojsey. "Sie stehlen und sie lügen, aber die Leute bleiben immer weiter geduldig." Die aktuelle Protestbewegung sei "ein erster Anlauf zum Handeln". Als Nawalny abgeführt wurde, versuchten die Umstehenden zunächst Widerstand zu leisten. Sie riefen "Schande!" und "Lasst ihn gehen!" Auf dem Puschkin-Platz wurden aus der Menge Protestrufe gegen Präsident Wladimir Putin laut: "Russland ohne Putin!", riefen die Demonstranten - und "Russland wird frei sein!"

In Nowosibirsk versammelten sich im Zentrum rund 2000 Demonstranten unter Spruchbändern wie "Nein zur Korruption". Auch in St. Petersburg gab es rund 4000 Demonstranten. "Wir sind die Lügen leid", sagte Sergej Timofejew. "Wir müssen etwas unternehmen." Die örtlichen Medien in Krasnojarsk und Omsk schätzten die Zahl der Teilnehmer bei den dortigen Kundgebungen auf jeweils 1500. Weitere Kundgebungen gab es in Wladiwostok und Jekaterinburg.

Auf Nawalnys Website hieß es, Kundgebungen seien in 99 Städten geplant gewesen. In 72 Städten wurden die Demonstrationen demnach mit verschiedenen Begründungen untersagt. "Wer seine Sicherheitskräfte missbraucht, um jeden Protest im Keim zu ersticken, ist nicht stark, sondern fürchtet sich vor seinen eigenen Bürgern", erklärte der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir. "Irgendwann wird es sich gegen einen selbst richten." Daran werde auch die Verhaftung Nawalnys nichts ändern.

che/AFP