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UN-Vollversammlung zu Syrien: Entscheidet sich heute das Schicksal von Baschar al Assad?

Die mächtigsten Männer der Welt sprechen innerhalb weniger Stunden vor der UN-Vollversammlung. Und es wird wohl nur ein Thema geben: Was tun in Syrien? Und was tun mit Machthaber Baschar al Assad? Die Welt ist gespalten - noch.

Obama vor UN

Steht an Stelle vier der Rednerliste der UN-Vollversammlung: Barack Obama

Barack Obama folgt als vierter auf Dilma Rousseff, Präsidentin Brasiliens, auf den US-Präsident folgt sein polnischer Kollege Andrzej Duda, nach ihm sprichen Xi Jinping, Staatschef Chinas sowie Russlands Wladimir Putin - in New York geben sich am Montag innerhalb von nicht einmal drei Stunden die mächtigsten Männer der Welt das Mikrofon in die Hand. Je 15 Minuten dürfen sie vor der UN-Vollversammlung sprechen, zu Themen ihrer Wahl. Sicher ist jetzt schon: Der Bürgerkrieg in Syrien wird der rote Faden sein, der sich durch ihre Reden zieht. Vor allem der Auftritt Putins wird mit Spannung erwartet, er wird ausführen, was genau Russland plant, um das jahrelange Blutbad zu beenden.

Klar ist auch, dass die großen Weltmächte zusammenarbeiten werden müssen, um sowohl den Krieg als auch die Vorherrschaft des Islamischen Staates einzudämmen, nur über das Wie herrscht Unklarheit. Mit oder ohne Assad? Mit oder ohne Bodentruppen? Mit oder ohne den Nachbarstaaten - eine Übersicht darüber, wer was will:

Die Anti-Assad-Front

USA und Verbündete

Die Amerikaner führen seit 2014 eine internationale Allianz an, um das Morden in Syrien zu beenden. Beteiligt sind unter anderem Australien, Großbritannien, die Türkei sowie einige arabische Länder wie Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Katar. Bislang beschränkt sich das Bündnis auf Luftangriffe, die jedoch nicht viel ausgerichtet haben. Die USA selbst lehnen bislang jede Form der Kooperation mit dem Machthaber Rest-Syriens, Baschar al Assad, ab und beharrt auf seinen Rücktritt. Allerdings ließ Washington zuletzt eine gewisse Flexibilität beim Zeitpunkt seines Abgangs durchblicken.

Die Pro-Assad-Front

Russland und Verbündete

Wladimir Putin hatte zuletzt eine Zusammenarbeit mit dem Irak, Syrien und dem Iran angekündigt. Sein Land stationiert seit einigen Wochen Kampfflieger und Soldaten auf seinem syrischen Militärstützpunkt. Den Einsatz von Kampftruppen schließt der russische Präsident aber bislang aus. "Russland wird an keinen Operationen auf dem Territorium Syriens oder in anderen Staaten teilnehmen", sagte er in einem Interview mit den US-TV-Sendern CBS und PBS. Das Engagement Russlands und die Unterstützung Assads begründete Putin damit, dass er eine "Somalisierung" Syriens fürchtete – also den vollständigen Zerfall und Abdriften in die Anarchie. Der iranische Präsident Hassan Ruhani sagte zuletzt: "Wenn die syrische Regierung aus der Gleichung genommen wird, dann werden die Terroristen nach Damaskus eindringen." Kurz vor dem Redenmarathon in New York hat Moskau vorgeschlagen, dass sich bald eine "Syrien-Kontaktgruppe" treffen sollte, an denen außer Russland auch die USA, Ägypten, der Iran, Saudi-Arabien und die Türkei teilnehmen sollten.

Die unentschlossene Fraktion:

Großbritannien

Der britische Regierungschef David Cameron soll mittlerweile von der Forderung abgerückt sein, dass Assads sofort zurücktreten müsse, wie der "Sunday Telegraph" berichtet. Er sei nun offen gegenüber Vorstellungen, dass Assad über kurze Zeit in einer Regierung der nationalen Einheit bleiben könnte, so das Blatt über die "radikale Wende" Camerons.

Deutschland

Auch in Berlin mehren sich die Stimmen, nach denen Assad zumindest für eine Übergangszeit an der Macht bleiben könnte – vor allem nachdem Angela Merkel direkte Gespräche mit Baschar al Assad seien denkbar. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte dagegen, der syrische Machthaber könne zumindest nicht Teil einer langfristigen Lösung sein - eine Zusammenarbeit mit Russland aber könne sinnvoll sein.

Türkei

Das Nachbarland Syriens ist am meisten von den Flüchtlingsdrama betroffen, zwei Millionen Asylsuchende halten sich in der Türkei auf, entsprechend groß ist der Handlungsdruck. Bislang hatte Staatschef Recep Tayyip Erdogan den Sturz von Assad gefordert, ist aber mittlerweile von seiner kompromisslosen Haltung abgewichen. Zuletzt kündigte er an, er könne sich einen Übergangsprozess mit oder ohne Assad vorstellen, sagte aber einschränkend, niemand sehe eine Zukunft Syriens mit Assad. "Es ist nicht möglich, eine Person, einen Diktator zu akzeptieren, der den Tod von 300.000 bis 350.000 Bürgern verursacht hat."

mit DPA