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Terror: El Kaida bekennt sich zu den Anschlägen

Die Terrorgruppe um Osama Bin Laden bekannte sich zu den Attentaten auf die Synagogen in Instanbul. In den Bekennerschreiben drohten die Verfasser mit weiteren Anschlägen.

Das Terrornetzwerk El Kaida hat sich zu den Anschlägen auf die beiden Istanbuler Synagogen bekannt. Die in London erscheinende Tageszeitung "Al Quds Al Arabi" erhielt nach eigenen Angaben am Samstag per E-Mail ein Bekennerschreiben der Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden, die als Teil von El Kaida gelten Die Brigaden hätten die Anschläge durchgeführt, nachdem Agenten des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad in den Synagogen gesichtet worden seien, heiße es in dem Schreiben. Bei den Anschlägen waren am Samstagmorgen 23 Menschen getötet und rund 300 verletzt worden.

Zudem drohten die Verfasser mit weiteren Anschlägen: "Sie (die Anschläge) werden nicht auf Bagdad, Riad, Istanbul, Djerba, Nasirija und Jakarta beschränkt bleiben", zitiert der Sender El Dschasira aus der Bekenner-E-Mail. Der "Kriminelle (US-Präsidenten George W.) Bush und seine Kammerdiener" würden "die Autos des Todes" bald mit eigenen Augen sehen. Dabei wurden insbesondere Großbritannien, Italien, Österreich und Japan genannt. Schon kurz nach den Anschlägen in Istanbul hatten Sicherheitsexperten und türkische Politiker die Taten mit dem Terrornetzwerk El Kaida in Verbindung gebracht.

Ein zweites Schreiben ging am Sonntag bei der Wochenzeitung "Al Majalla" ein. Darin übernimmt ein mutmaßlicher El-Kaida-Funktionär die Verantwortung für die Anschläge in Istanbul und für das Attentat auf den italienischen Stützpunkt in Nassirijah vom vergangenen Mittwoch. Das Schreiben wurde der Zeitung zufolge von Abu Mohammed el Abladsch unterzeichnet, der zum Terrornetzwerk von Osama bin Laden gehört.

Täter wahrscheinlich Araber

Am Sonntag verdichteten sich die Hinweise, dass die bei den Terroranschlägen auf die Synagogen verwendeten Autobomben von Selbstmordattentätern gezündet wurden. Kriminaltechnische Untersuchungen ergaben, dass die beiden Lieferwagen mit jeweils 300 bis 400 Kilogramm Sprengstoff beladen waren. Die Spurensicherung konnte Hautfetzen sicherstellen, die am Lenkrad von einem der explodierten Fahrzeuge klebten. Die Gerichtsmediziner ordneten sie einem der zwei Insassen zu, von denen nur noch Leichenteile gefunden wurden. Aus der Hautstruktur schließen die Experten, dass die mutmaßlichen Attentäter Araber gewesen sein könnten, teilte die Gerichtsmedizin mit.

Bis zum Sonntag lagen den Ermittlern vor Ort noch keine fundierten Hinweise auf die Täter und Hintermänner der Anschläge vor. "Noch haben wir nichts Konkretes", sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der sich am Sonntag zusammen mit dem israelischen Außenminister Silwan Schalom ein Bild von Zerstörungen im Umkreis einer der beiden Synagogen im Istanbuler Stadtbezirk Beyoglu machte.

Explosionen während der Sabbatgebete

Nahezu zeitgleich waren während der Sabbatgebete zwei Autobomben vor der Neve-Shalom-Synagoge, der größten Istanbuls, und der fünf Kilometer entfernten Beth-Israel-Synagoge explodiert. Sie seien vermutlich von Selbstmordattentätern gezündet worden, sagte Außenminister Abdullah Gül. In jeder der beiden Synagogen befanden sich zum Zeitpunkt der Anschläge rund 300 Gläubige.

Warnungen des israelischen Geheimdienstes

Die türkische Zeitung "Radikal" berichtete, der israelische Geheimdienst habe erst im September vor Anschlägen auf jüdische Einrichtungen in der Türkei gewarnt. Die Türkei ist das einzige muslimische Land, das enge Beziehungen zu Israel unterhält. Für einen Angriff auf die Neve-Shalom-Synagoge im Jahr 1986, bei dem Bewaffnete 22 Menschen töteten, wurden Palästinenser verantwortlich gemacht.

Weltweit riefen die Attentate Trauer und Entsetzen hervor. US-Präsident George W. Bush und Bundesaußenminister Joschka Fischer verurteilten die Angriffe aufs Schärfste. Bundeskanzler Gerhard Schröder sprach Erdogan seine Anteilnahme aus. NATO-Generalsekretär George Robertson sprach von barbarischen Angriffen. Auch Griechenland, Frankreich, Großbritannien und Schweden verurteilten die Anschläge.