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Unruhen in Libyen: Die USA stärken Rebellen den Rücken

Die USA sehen die libyschen Rebellen zwar als "legitimen Gesprächspartner", erkennen sie aber nicht diplomatisch an. Unterdessen gehen die Spekulationen um Machthaber Gaddafi weiter: Er soll die Hauptstadt Tripolis verlassen haben.

Der Sicherheitsberater von US-Präsident Barack Obama, Thomas Donilon, hat dem Chef des libyschen Übergangsrates, Mahmud Dschibril, den Rücken gestärkt. Bei einem Treffen im Weißen Haus am Freitag sagte Donilon, der Übergangsrat sei aus Sicht der USA der legitime und glaubwürdige Gesprächspartner des libyschen Volkes. Machthaber Muammar al Gaddafi habe sein Recht zu regieren verloren.

Donilon lobte nach den Angaben des Weißen Hauses, dass der Übergangsrat eine demokratische Zukunft des Landes anstrebe. Dschibril wirbt international für die Anerkennung und Unterstützung seiner Übergangsregierung mit Sitz in der ostlibyschen Stadt Bengasi.

Eine diplomatische Anerkennung des Übergangsrates konnte Dschibril bei seinem USA-Besuch nicht erreichen. Bislang haben lediglich Italien, Frankreich, Katar und Gambia sowie seit Donnerstag auch Großbritannien die Rebellen-Vertretung als einzigen legitimen Vertreter Libyens anerkannt. Großbritanniens Premier David Cameron hatte die Rebellen am Donnerstag eingeladen, eine offizielle Vertretung in London einzurichten. Dschibril traf in Washington auch den wichtigsten Berater von US-Außenministerin Hillary Clinton, Jim Steinberg.

Gaddafi angeblich nicht mehr in Tripolis

Gaddafi selbst soll möglicherweise verletzt und vermutlich nicht mehr in Tripolis sein. Entsprechende Angaben des katholischen Bischofs von Tripolis, Giovanni Innocenzo Martinelli, bezeichnete Italiens Außenminister Franco Frattini am Freitag als glaubwürdig. Das Gaddafi-Regime wies die Berichte umgehend zurück. In einer vom Staatsfernsehen ausgestrahlten Audiobotschaft bestritt der Despot, verletzt worden zu sein. Er befinde sich an einem Ort, an dem ihn die Nato-Bomben nicht erreichen könnten, sagte er.

Er könne auf die Unterstützung von Millionen Libyern bauen, so Gaddafi weiter. Zugleich verurteilte er die jüngsten Luftangriffe der Nato als "feige". Es handelte sich um eine reine Tonaufnahme, ein Bild Gaddafis war nicht zu sehen.

Über das Schicksal des libyschen Machthabers wird spekuliert, seit bei einem Nato-Angriff auf Tripolis vor knapp zwei Wochen sein jüngster Sohn und drei seiner Enkelkinder getötet wurden. Angesichts der schweren Zerstörungen an dem Gebäude, in dem sich auch Gaddafi aufgehalten haben soll, sei kaum vorstellbar, dass jemand unverletzt geblieben sei, hieß es schon damals.

Wo sich Gaddafi aufhalte, sei nicht bekannt, sagte Frattini laut italienischer Nachrichtenagentur Ansa. Im libyschen Staatsfernsehen hieß es, die Gerüchte um das Schicksal Gaddafis seien aus der Luft gegriffen.

Angriffe auf Tripolis, Kämpfe in Brega

Nato-Kampfjets hatten auch in den vergangenen Tagen Angriffe auf Ziele in Tripolis geflogen, auch auf Gebäude, in denen sich der Gaddafi-Clan aufhalten soll. Mit dem von einem UN-Mandat gedeckten Militäreinsatz soll die libysche Bevölkerung vor Angriffen des Regimes geschützt werden.

Nach Angaben der libyschen Staatsagentur Jana wurden bei einem Nato-Luftangriff in der ostlibyschen Öl-Stadt Brega 16 muslimische Prediger getötet. Von unabhängiger Seite ließ sich das nicht bestätigen. Brega wird von den Truppen Gaddafis kontrolliert. Die Zahl der Angriffe regimetreuer Truppen auf Zivilisten nimmt nach Feststellungen der Nato bereits ab. "Wir haben gestern keine Berichte über den Beschuss von Zivilisten in Misrata gehabt", sagte der britische Oberstleutnant Mike Bracken, Sprecher des internationalen Militäreinsatzes in Libyen, am Freitag in Neapel. "Aber wir werden unseren Einsatz fortsetzen, bis alle Angriffe auf Dauer aufhören."

Die Nato hatte Anfang April die Führung des Einsatzes übernommen. "Unser Ziel ist es nicht, diese Truppen zu zerstören. Und unser Ziel ist auch nicht Gaddafi selbst", sagte der Militärsprecher. Die Lage sei nach wie vor "dynamisch". Es gebe im gesamten Westen Libyens "viel Bewegung".

Rebellen kontrollieren Gebirgszug im Westen

Dort haben die Aufständischen nach eigenen Angaben in einem strategisch wichtigen Gebirgszug mehrere Angriffe der Gaddafi-Truppen zurückgeschlagen. "Von Sintan bis Nalut haben seine Truppen in diesem westlichen Gebirge keine einzige Schlacht gewonnen", sagte ein Rebellen-Kommandeur am Freitag dem arabischen Nachrichtensender al Dschasira.

Der Nafusa-Gebirgszug erstreckt sich parallel zur Mittelmeerküste auf einer Länge von etwa 250 Kilometern von der tunesischen Grenze bis südlich von Tripolis. Von den Anhöhen kontrollieren die Aufständischen die darunter liegenden Ebenen.

ukl/swd/DPA/AFP / DPA