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US-Vorwahlkampf: "Demokraten würden US-Ansehen verbessern"

Barack Obama oder Hilary Clinton? Millionen Auslandsamerikaner aus aller Welt können am Super-Tuesday am Vorwahlkampf der Demokarten teilnehmen - zum ersten Mal auch im Internet . Im stern.de-Interview spricht Christine Schon Marques, Chefin der "Democrats Abroad", über exotische Wahllokale und verrät ihren republikanischen Lieblingsgegner.

Was ist das Besondere an dieser globalen Vorwahl der Demokraten?

Zum ersten Mal haben Auslandsamerikaner vier Möglichkeiten, sich an dem Wahlprozess der Demokratischen Partei zu beteiligen. Sie können persönlich bei einem Wahllokal, per Fax, per Post oder - und das ist in diesem Jahr neu - per Internet abstimmen. Seit 1976 senden wir Delegierte zum Parteitag, bei dem der Kandidat der Demokraten bestimmt wird. In diesem Jahr halten wir die Vorwahl der "Democrats Abroad" zwischen dem 5. und 12. Februar ab, die Resultate werden wohl am 21. Februar feststehen.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, um abzustimmen?

Wer persönlich in einem Wahllokal abstimmen will, kann einfach in diesen acht Tagen dort mit einem Ausweis auftauchen, sich als Demokrat registrieren lassen und abstimmen. Für alle anderen ist der 31. Januar der letzte Tag, sich zu registrieren. Dies können sie auf www.democratsabroad.org tun.

Wo befinden sich die Wahllokale?

Sie sind überall auf der Welt, so etwa in Indonesien, in Indien, in Russland oder Kambodscha. In Deutschland gibt es acht: in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Heidelberg, Landstuhl, Stuttgart, Göttingen und München. Diese Wahllokale befinden sich an öffentlichen Orten. In Heidelberg etwa im Zentrum für Amerikanische Studien, in Berlin kann man im Restaurant "Max und Moritz" wählen. Wo genau diese Orte sind und wann sie geöffnet sind, kann man ebenfalls auf unserer Homepage herausfinden.

Gibt es auch für Anhänger der Republikaner eine Vorwahl?

Nein, die "Republicans Abroad" senden keine Delegierten zu ihrem Parteitag. Sie sind auch nur eine inoffizielle Organisation. Wir dagegen werden quasi als Parteiorganisation eines Staats angesehen und entsenden 22 Delegierte zum Parteitag nach Denver.

Wie viele registrierte Demokraten gibt es weltweit, wie viele in Deutschland?

Es ist nicht genau bekannt, wie viele Amerikaner im Ausland leben. Die Schätzungen bewegen sich zwischen vier und sieben Millionen. Wir veröffentlichen generell keine Zahlen über unsere Mitglieder. Aber es werden wesentlich mehr Auslandsamerikaner an unserer Vorwahl teilnehmen als im Jahr 2004. Das Interesse ist sehr groß. Auch weil viele von uns verärgert und enttäuscht sind über die Präsidentschaft von George W. Bush. Das hilft uns dieses Jahr. Denn viele Auslandsamerikaner, die bisher noch nie oder zuletzt vor Jahren gewählt haben, wollen es dieses Jahr tun. Sie registrieren sich bei uns oder wollen sogar bei der Organisation der Vorwahl helfen, um unser Land in eine andere Richtung zu lenken.

Gibt es auch registrierte Demokraten in Ländern wie Irak, Kuba oder dem Iran?

Wir haben Mitglieder in mehr als 100 Ländern. Es gibt eine sehr kleine Gruppe im Irak, die sich "Donkeys in the Desert" (die Esel der Wüste, der Esel ist das Wappentier der Demokraten, d. Red) nennt. Wir haben auch Mitglieder in Afghanistan, aber es gibt keine offiziellen Gruppen in Kuba oder dem Iran.

Welche Themen sind den "Democrats Abroad" besonders wichtig?

Da wir überall auf der Welt leben, erleben wir die schlimmen Auswirkungen der Bush-Politik besonders intensiv. Den Krieg im Irak zu beenden ist seit Jahren eines unsere Hauptanliegen und gehört auch dieses Jahr zu den wichtigen Themen. Wichtig ist uns auch, dass der neue Präsident die Wirtschaft wieder in Ordnung bringt, das Haushaltsdefizit verringert, die Gesundheitsversorgung verbessert und etwas gegen die Erderwärmung tut.

Und welcher der beiden, Barack Obama oder Hillary Clinton, ist dazu am besten qualifiziert?

Ich selber werde eine der 22 Delegierten sein, aber habe mich noch nicht für einen Kandidaten entschieden. Wir sind sehr zufrieden mit allen unseren Bewerbern und glauben, dass sie alle unsere Werte teilen und unser Land nach vorne bringen können.

Welcher Kandidat wäre der beste, um die internationalen Beziehungen der USA zu verbessern?

Ich denke, dass beide sehr hart dafür arbeiten würden, das Ansehen Amerikas zu verbessern. Sie verstehen, dass Diplomatie eine wichtige Rolle spielen muss, und sie verstehen, wie wichtig gute Beziehungen zu unseren Alliierten sind.

Der Wahlkampf zwischen Barack Obama und Hillary Clinton ist in den vergangenen Tagen sehr heftig geworden. Mittlerweile haben sich die Kennedys für Obama ausgesprochen. Was halten Sie und andere Demokraten im Ausland davon?

Unsere Kandidaten bekommen derzeit einen Eindruck davon, mit welch harten Bandagen sie gegen den Bewerber der Republikaner kämpfen müssen. Und was die Kennedys angeht: Die Vorwahlen sind nun mal in ihrer entscheidenden Phase, und jeder darf unterstützen, wen er will. Ich habe zu den Kennedys in diesem Fall keine Meinung.

Welchen Republikaner wünschen Sie sich denn als Gegner?

Das ist schwierig zu sagen. Die Auslandsdemokraten vergleichen einfach unsere Kandidaten mit denen der Republikaner. Und egal, ob es John McCain, Mitt Romney oder Mike Huckabbe sein wird: Sie würden alle die schlimmen Bush-Jahre fortführen. Und deshalb wird sich, wer auch immer gegen unseren Kandidaten antritt, auf einen harten Kampf und unbequeme Fragen einstellen müssen. Als New Yorkerin hätte ich es interessant gefunden, wenn Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani angetreten wäre. Allerdings hätte er wie alle anderen Bewerber der Republikaner große Probleme gehabt, gegen unseren Kandidaten zu bestehen.

Interview: Malte Arnsperger