HOME
Fragen und Antworten

US-Präsidentschaftswahl: Kann die Neuauszählung Donald Trump doch noch den Sieg kosten?

Teile des US-Präsidentschaftswahlergebnisses werden überprüft. Dagegen wettert Sieger Donald Trump und spricht selbst von Wahlfälschung, Warum? Und kann die Neuauszählung das Resultat noch umkehren? Sieben Fragen und Antworten.

Donald Trump mit seinem jüngsten Sohn Barron und Ehefrau Melania

Donald Trump, sein jüngster Sohn Barron und Ehefrau Melania feiern den Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen

Was hat es mit der Neuauszählung auf sich?

Rund zwei Wochen nach der US-Präsidentschaftswahl äußerte ein IT-Experte von der Uni Michigan die Vermutung, dass die Ergebnisse manipuliert sein könnten. So hatte Hillary Clinton in Bezirken mit Wahlmaschinen überproportional weniger Stimmen bekommen als in Bezirken mit Wahlzetteln. Die chancenlose Präsidentschaftskandidatin der Grünen, Jill Stein, hatte wegen diesen "statistischen Anomalien" eine Überprüfung der Wahlergebnisse in Wisconsin beantragt. Dort hatte Donald Trump mit nur rund 22.000 Stimmen Vorsprung gewonnen. In Pennsylvania und Michigan, wo das Ergebnis gleichermaßen knapp war, soll ebenfalls neu ausgezählt werden. Die Wahlkampfmanager von Hillary Clinton unterstützen zwar die Überprüfung, haben aber selbst keine Hinweise darauf, dass die Wahl manipuliert worden sei.

Wie eng ist das Rennen zwischen Donald Trump und Hillary Clinton?

Über die gesamten USA gesehen, liegt Hillary Clinton derzeit mit rund 2,2 Millionen Stimmen vor Donald Trump. Entscheidend aber sind die Ergebnisse in den einzelnen Bundesstaaten. Hier liegt die Demokratin klar hinter dem Republikaner. Der Immobilienunternehmer kommt auf 290 Wahlleute, die von den einzelnen Staaten entsandt werden, Clinton auf 232. Um Präsident zu werden, sind 270 nötig. Um das Wahlergebnis umzukehren, müsste Hillary Clinton alle drei Bundesstaaten (Wisconsin, Michigan und Pennsylvania) in der Nachzählung gewinnen. Zusammen entsenden die Staaten 46 Wahlmänner. Gingen sie alle an die Ex-First-Lady, hätte sie 278 Wahlleute, Trump nur noch 244 - Clinton wäre US-Präsidentin.

Warum sind die Bundesstaaten wichtig für die Präsidentschaftswahl?

Seit Jahrzehnten haben in den USA eigentlich nur zwei Präsidentschaftskandidaten Chancen, ins Weiße Haus einzuziehen. Grund ist das Mehrheitswahlrecht, das große Parteien begünstigt. Ziel der Bewerber ist es, die Wahlmänner eines Bundesstaats zu gewinnen, die wiederum das Staatsoberhaupt wählen. Der siegreiche Kandidat, bekommt am Ende alle Wahlmänner dieses Staates zugesprochen ("the winner takes all"). Das hat zur Folge, dass nicht zwingend derjenige die Präsidentschaftswahl gewinnt, der landesweit die meisten Stimmen hat, sondern der die meisten Bundesstaaten gewinnt oder die mit großer Bevölkerungszahl. Insgesamt entsenden die Staaten 538 Wahlleute, große Staaten wie Kalifornien oder Texas viele (bis zu 55), kleinere Staaten wie Delaware nur die Mindestzahl von drei.

Geheimnisse des US-Präsidenten: Warum Donald Trump ungern Hände schüttelt


Gibt es in den USA tatsächlich Wahlmanipulationen?

Nur in äußerst geringem Ausmaß. Eine Untersuchung aller US-Wahlen von 2000 bis 2014 hat gerade einmal 31 Fälle von Wahlbetrug ergeben - bei mehr als einer Milliarde abgegebener Stimmen. Problematischer sind dagegen schon die Zuschnitte einiger Wahlkreise sowie bestimmte Wahlmaschinenmodelle. Demokraten und Republikaner justieren die Abstimmungsbezirke regelmäßig neu - und wenn möglich so, dass die jeweilige Partei bei Wahlen die Mehrheit bekommt. In Ohio etwa haben die Republikaner vor zwei Jahren drei Mal so viele Kongresssitze erhalten wie die Demokraten, obwohl sie nur anderthalb Mal so viel Stimmen bekommen haben. In Wisconsin, wo nun die erste Neuauszählung beginnt, werden Wahlautomaten benutzt, die wegen ihrer Fehleranfälligkeit zum Beispiel in Kalifornien verboten sind.

Wie stehen die Chancen, dass sich am Ergebnis noch etwas ändert?

Schwer zu sagen. Da man davon ausgehen kann, dass die Stimmenauszählungen im Wesentlichen korrekt abgelaufen sind, dürfte auch die Neuauszählung am Ergebnis nichts ändern. Da die beiden Kandidaten aber wie in Michigan nur knapp 11.000 Stimmen trennen, könnten selbst kleinere Fehler zusammengenommen das Resultat noch umkehren. Experten aber gehen davon aus, dass dies eher nicht geschehen wird.


Worüber regt sich Donald Trump auf? 

Per Twitter hatte Donald Trump zunächst die Neuauszählung in Wisconsin kritisiert: "So viel Zeit und Geld wird darauf verwendet - gleiches Ergebnis! Traurig", schrieb er. Kurz darauf allerdings sprach er, wie auch schon im Wahlkampf, von Wahlmanipulationen. Konkret sagte Trump über den Umstand, dass er landesweit hinter seiner Kontrahentin liegt: "Würde man die Millionen illegaler Stimmen abziehen, hätte ich auch die direkte Wahl gewonnen." Beweise für seine Behauptung aber liefert er nicht. Stattdessen legte er noch einmal nach und schrieb von "ernsthaftem Wahlbetrug in Virginia, New Hampshire und Kalifornien", über den die Medien allerdings nicht berichteten. Dies sind allesamt Staaten, in denen Hillary Clinton gewonnen hat, wenn auch, wie in New Hampshire, extrem knapp. Hier beträgt ihr Vorsprung nicht einmal 3000 Stimmen.


Warum stellt Donald Trump seinen eigenen Wahlsieg infrage?

Wieso Trump das Wahlergebnis anzweifelt, das ihn zum Sieger gemacht hat, darüber wird bislang nur spekuliert. Ein Berater des gewählten Präsidenten glaubt, die "Demokraten wollen uns den Sieg stehlen", der Vorwurf diene nur dazu, ihnen eins auszuwischen. Andere Stimmen wiederum befürchten, dies sei nur ein Trump-typischer Wutanfall. Halbwegs geklärt ist zumindest die Quelle des Vorwurfs: Die Verschwörungsseite "Infowars" hatte Mitte November berichtet, dass drei Millionen abgegebene Stimmen von nichtwahlberechtigten Fremden abgegeben worden seien. Grundlage dieser Behauptung wiederum ist die Analyse eines Wahl-App-Betreibers, der sich bislang allerdings geweigert hat, seine Untersuchung im Detail zur Verfügung zu stellen.