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"Anne Will" Kanzlerkandidat und Corona: Wir wissen nicht, was kommt!

Die Runde bei "Anne Will"
Keine Orakeln bei der K-Frage und der C-Frage: Die Runde bei "Anne Will"
© NDR / Wolfgang Borrs
Bei "Anne Will" ging es vor allem um den neuen CDU-Chef Armin Laschet und Corona. Und auf alle Fragen zu beiden Themen lautet die Antwort wohl leider: abwarten.
Von Andrea Zschocher

Was die Zukunft bringt, wissen wir nicht. Wann Corona vorbei ist, ist dabei genauso ungewiss wie der nächste Kanzlerkandidat bei der Union. Und weil in diesen unsicheren Zeiten drüber reden ja helfen kann, stellte Anne Will ihre Sendung unter das doppeldeutige Motto "Führung in Krisenzeiten – welche Politik braucht Deutschland jetzt?"

Zu Gast bei "Anne Will" waren:

  • Saskia Esken (SPD), Parteivorsitzende
  • Markus Söder (CSU), Parteivorsitzender und Ministerpräsident von Bayern
  • Robert Habeck (Bündnis 90/Die Grünen), Parteivorsitzender
  • Christian Lindner (FDP), Parteivorsitzender und Fraktionsvorsitzender im Bundestag
  • Volker Bouffier (CDU), Ministerpräsident von Hessen

Das Wahljahr beginnt

Gekommen waren sie, die Schwergewichte der deutschen Politik, nur die Kanzlerin und der neu gewählte Parteivorsitzende Armin Laschet blieben natürlich fern. Den Anwesenden ging es vor allem darum, sich selbst ins rechte Licht zu rücken und durch Zustimmung mit politischen GegnerInnen vielleicht noch ein bisschen mehr in der Gunst der WählerInnen zu steigen. Immerhin, Volker Bouffier erwähnte es direkt zu Beginn der Sendung: 2021 ist ein wichtiges Wahljahr. Nicht nur die Bundestagswahl steht im September an, davor gilt es, das Ego der Partei mit Wahlerfolgen zu streicheln. "Kommunalwahlen sind wichtig für das Selbstvertrauen der Partei", drückte sich Bouffier da etwas gewählter aus.

Es geht nicht ums Ego

Ob er selbst oder Armin Laschet der Kanzlerkandidat für die Union wird, dazu wollte sich Markus Söder natürlich nicht positionieren. Stattdessen erzählte er, ganz Kanzlerkandidat in spe, wie die "kleine charmante Schwester" der CDU die Union unterstützen könne. "Wir können keinen Gemischtwarenladen anbieten", es wird ein Konzept und eine inhaltliche Ausrichtung der Partei geben und dann wird der besser passende Kandidat bestimmt. "Es kommt nicht auf das Ego des Einzelnen an", sagte Söder, sondern nur darauf, was der Union dabei helfe, am Ende zu gewinnen. Jens Spahn stehe dafür aber nicht zur Verfügung, der sei "ein erfolgreicher Gesundheitsminister" und hätte damit ja genug zu tun.

Dass Umfragen zufolge Söder deutlich vor Laschet als möglicher Bundeskanzler liegt, sei laut Bouffier und Söder zwar eine schöne Momentaufnahme, jedoch nicht relevant. Weil sich der Wind in den nächsten Monaten ja auch wieder drehen könnte.

Einigkeit bei Grünen und FDP

In diesen Tenor stimmten auch FDP, SPD und die Grünen mit ein, alle drei anwesenden Parteivorsitzenden bestätigten, dass das Orakeln in die Zukunft Zeitverschwendung sei. Saskia Esken gab der Union auch aus eigener Erfahrung den Tipp, erst mal zur Ruhe zu kommen und zu beweisen, dass sie "verantwortungsvoll zusammenarbeiten kann". Hessens Ministerpräsident wiegelte sofort ab, die Union sei doch gar nicht gespalten, einige seien halt verständlicherweise etwas enttäuscht über den Wahlausgang.

Robert Habeck und Christian Linder teilten einen gemeinsamen Moment, sie waren sich einig darin, dass die Union die wichtigen Fragen der Zukunft noch nicht angesprochen hat, aber es sei ja noch Zeit, dies zu tun. Und überhaupt soll jedeR doch schauen, wie das Wahlprogramm zur Bundestagswahl gestaltet wird, es sei ja noch reichlich Zeit.

Mangelnde Demut

Keine Zeit verlieren sollten wir alle im Kampf gegen Corona. Und so ging es dann im zweiten Teil der Sendung schon auch um das Thema großes Ego. Habeck warf der Regierung vor, ihr würde es an Demut mangeln. Zu oft würde ein Duktus von "wir haben alles im Griff aber ihr [BürgerInnen] gehorcht nicht", herrschen. Und das, so der Vorsitzende der Grünen, zöge einen massiven Autoritätsverlust nach sich. Es fehle außerdem an sozialer Rücksichtnahme. Der Grünen-Chef unterstützte den Vorschlag, bundesweit eine FFP2-Maskenpflicht einzuführen, forderte aber gleichzeitig, dass für Menschen mit wenig Einkommen die recht teuren Masken kostenfrei oder zu einem sehr geringen Beitrag abgegeben werden. Da sei der Staat in der Pflicht.

In eine ähnliche Richtung gingen auch Christian Linders Überlegungen. Er sei gegen das verpflichtende Homeoffice, wenn es gleichzeitig die Kinderbetreuung zu stemmen gäbe. Das sei insbesondere für Mütter eine belastende Situation. Generell hätte er aber einige Vorschläge, "Bausteine" nannte er das, worüber die Große Koalition am Dienstag nachdenken sollte. "Drastische Grundrechtseingriffe brauchen die parlamentarische Debatte", forderte Lindner, und warf flapsig ein, "gut, dass wir das hier [bei Anne Will] diskutieren".

Während er die Kontaktbeschränkungen als wichtig und alternativlos ansieht, schlug der FDP-Chef vor, Testkapazitäten auszubauen, um Handlungssicherheit im Alltag zu haben, eine bessere Corona-App und ein digitales Gesundheitswesen auf die Beine zu stellen.

Weitere Themenpunkte:

  • Warum treffen sich PolitikerInnen am Dienstag? Laut Volker Bouffier geht es vor allem darum, mehr über die Mutation des Coronavirus zu erfahren. Als Anne Will einwarf, er wirke so gelassen, korrigierte er sie. "Das Wort Gelassenheit ist hier nicht angebracht. Besonnenheit, da lege ich großen Wert drauf."
  • Welche Maßnahmen werden kommen? Genau werden wir es erst am Dienstag wissen, aber die Anwesenden glauben an eine Verlängerung der Maßnahmen, an eine Homeoffice-Pflicht wo immer möglich und die FFP2-Maskenpflicht. Auch eine bessere Überprüfbarkeit der Einhaltung der Maßnahmen ist im Gespräch. Und es gibt das Vorhaben, die BürgerInnen wieder mehr einzubinden. "Die Menschen müssen verstehen, was wir da tun", befand Saskia Esken.

Ungewohnt war, dass sich bei "Anne Will" diesmal die Beteiligten immer wieder ins Wort fielen. Das war lange Zeit nicht mehr der Fall, aber im Wahljahr 2021 ist der Wettbewerb um den größten Redeanteil dann wohl doch wieder entfacht.

mad

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