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Entrüstung über AfD-Vize: Jérôme Boateng: "Traurig" - Gauland kennt sich mit Fußball nicht aus

Da kann Alexander Gauland verbal foulen wie er will. Jérôme Boateng lässt das von sich abprallen wie die Gegner auf dem Feld. "Traurig" findet der Fußball-Weltmeister die Äußerungen aber doch.

Kinder verteidigen Jerome Boateng gegen Alexander Gauland - Transparent: "Jerome zieh neben uns ein"

Junge Fußballfans geben beim Länderspiel gegen die Slowakei ihre Antwort auf Alexander Gauland: "Jérôme zieh neben uns ein"

"Kann ich nur drüber lächeln": Der Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng hat sich gelassen über den Aufreger des vergangenen Wochenendes geäußert. Der AfD-Vizevorsitzende Alexander Gauland hatte sich abfällig über den Fußball-Weltmeister geäußert. Am Sonntagabend fügte Boateng in der ARD allerdings hinzu: "Ist traurig, dass so etwas heute noch vorkommt."

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ("FAS") hatte Gauland mit den Sätzen zitiert: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Damit spielte er auf Boatengs Hautfarbe an: Der 27-Jährige hat eine deutsche Mutter und einen ghanaischen Vater, er ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Politiker aller anderen Parteien und Fußballfunktionäre empörten sich über Gauland.

Alexander Gauland: "Name Boateng könnte gefallen sein"

Der weit rechts stehende AfD-Vize bestritt am Sonntag, sich über Boateng als Person geäußert zu haben. "Ich habe nie, wie die "FAS" insinuiert, Herrn Boateng beleidigt. Ich kenne ihn nicht und käme daher auch nicht auf die Idee, ihn als Persönlichkeit abzuwerten." Die Zeitung bekräftigte aber ihre Darstellung und verwies in einer Mitteilung darauf, dass das Gespräch zwischen Gauland und den Berliner Korrespondenten des Blattes, Eckart Lohse und Markus Wehner, aufgezeichnet worden sei. Die Aufzeichnungen der beiden "FAZ"-Journalisten stimmten überein.

In der ARD räumte Gauland am Abend ein, Boatengs Name könne gefallen sein, möglicherweise seitens der Journalisten - "denn ich kenne mich im Fußball gar nicht aus". Er habe deutlich machen wollen, "dass es viele Menschen gibt, die halt Fremde in ihrer Nachbarschaft nicht für ideal halten".

Petry entschuldigt sich für "entstandenen Eindruck"

Die Vorsitzende seiner rechtspopulistischen Partei, Frauke Petry, schon länger im Clinch mit ihrem Stellvertreter, hatte sich auffallend deutlich von ihm distanziert und von Erinnerungslücken gesprochen: "Herr Gauland kann sich nicht erinnern, ob er diese Äußerung getätigt hat. Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist."

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner unterstellte dem 75-Jährigen neben einer gezielten Äußerung auch Altersverwirrung.

"Senilität scheint hier nicht die primäre Ursache zu sein....eher rechte Propaganda: Provokation, öffentliche Debatte", schrieb er im Internetdienst Twitter.


Boateng: Genug positive Antworten im Stadion

Boateng selbst freute sich über die Reaktionen der Fans, wie er am Abend nach dem Länderspiel Deutschland - Slowakei in Augsburg sagte: "Ich glaube, heute waren auch genug positive Antworten im Stadion.

Ich habe ein paar Plakate gesehen." Fans hatten im Stadion ein Transparent mit der Aufschrift "Jerome sei unser Nachbar!"
aufgehängt.