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Berlin vertraulich!: Merkels Lieblingsgenosse

Die Kanzlerin ist diesem SPD-Politiker treuer als so mancher seiner Parteikollegen. Außerdem in dieser Kolumne: Welche Abgeordneten auf dem Zuckerhut waren und wer als Nachfolger von CSU-Chef Horst Seehofer gehandelt wird.

Von Hans Peter Schütz

Die Frage, welcher Sozialdemokrat sich am besten mit Angela Merkel versteht, lässt sich jetzt eindeutig beantworten: Nein, nicht Frank-Walter Steinmeier, der ihr als Vizekanzler gedient hat, sondern Thomas Steg, bis zur Bundestagswahl ihr Vize-Regierungssprecher. Steg feierte vergangene Woche seinen 50. Geburtstag beim Italiener "La Cantina" in Berlin. Bemerkenswert daran war, dass neben der Kanzlerin eine ganze Reihe CDU-Spitzenpolitiker zur Gratulation antraten. Bundestagspräsident Norbert Lammert, CDU, kam, ebenso Bundesinnenminister Thomas de Maizière, mit dem Steg während der Großen Koalition im Kanzleramt eng zusammen gearbeitet hatte. Noch beachtlicher indes waren die Komplimente, die Merkel dem Genossen Steg machte. "Wir haben unerwartet, aber ganz wunderschön zusammen gearbeitet", lobte die Kanzlerin gefühlvoll, als sehnte sie sich zurück in die Tage der Großen Koalition. Kooperation schließt sie auch für die Zukunft nicht aus. Da sie dieses Jahr noch in die zweite Hälfte der Fünfziger gehe, sagte sie zu Steg, werde sie ihm demnächst bei einem Kaffee einmal verraten, wie das in diesem Lebensabschnitt laufe. "Ich habe Erfahrungswerte, wie das über 50 ist."

Die Genossen waren nur halb so nett zu Steg. Steinmeier kam zu spät. So musste Ex-Generalsekretär Hubertus Heil das Geburtstagskind würdigen. Und Ex-Kanzler Gerhard Schröder, dem Steg ja auch als Sprecher überaus treu gedient hat, kam gleich gar nicht.

Eine noch länger sichtbare Hinterlassenschaft aus großkoalitionären existiert sowieso: Der heutige stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans, FDP, fährt im selben Dienstwagen durch Berlin wie sein Vorgänger Thomas Steg. Das Auto hat auch noch dasselbe Kennzeichen wie früher. Und das ist untrennbar mit dem Vorbenutzer verbunden: B - VB. Denn Steg ist ein glühender Anhänger des BVB Borussia Dortmund. Steegmans interessiert sich nicht für Fußball. Er hat das Kennzeichen dennoch beibehalten. Begründung: Die Farben des BVB Dortmund seien bekanntlich Schwarz-Gelb. Und was passe besser zu ihm als Sprecher der schwarz-gelben Koalition? Lesen Sie auf der nächsten Seite über Abenteuer am Zuckerhut und den neuen shooting-star in Bayern

Manche Volksvertreter können es nicht lassen - und nutzen politische Dienstreisen, vom Steuerzahler finanziert, für touristische Ausflüge. In diesen Verdacht gerieten jetzt die beiden Bundestagsabgeordneten Joachim Pfeiffer (CDU) aus Baden-Württemberg und Martin Lindner (FDP) aus. Im Ältestenrat des Bundestags trug der SPD-Bundestagsabgeordnete Christian Lange folgende Reisebeschreibung vor: Lindner und Pfeiffer, Begleiter von Wirtschaftsminister Rainer Brüderle auf dessen jüngster Südamerikareise, hätten an offiziellen Terminen offenbar nur bedingtes Interesse. In Rio de Janeiro hätte es sie stattdessen vor allem auf den Zuckerhut und an die Copacabana gezogen. Natürlich nicht wie normale Touristen. Sie hätten die deutsche Botschaft in Rio gedrängt, für sie einen Hubschrauberflug rund um den Zuckerhut zu organisieren. Die Zuckerhut-Initiative, lasse sich gewiss nicht mit den Verhaltensregeln für Abgeordnete vereinbaren, sagte Lange im Ältestenrat. Lammert soll geantwortet haben, er müsse da wohl ein "ernstes Gespräch mit den Herren führen."

Das kann interessant werden. Die beiden Rio-Reisenden bestreiten auf Nachfrage von stern.de nicht, dass sie privat auf dem Zuckerhut waren. Allerdings seien sie mit Lift gefahren - rauf wie runter. Eine ganze Stunde habe das gedauert. Die Botschaft habe ihnen zwar geraten, sich oben einen Hubschrauber zu mieten, den jeder Tourist dort für 120 Euro buchen kann, um acht Minuten durch die Lüfte zu gondeln. Wegen schlechten Wetters sei der jedoch gar nicht geflogen. Ihnen jetzt eine Art Ferientrip nach Südamerika zu unterstellen, sei absurd. An der Copacabana seien sie nicht gewesen, sie hätten sogar die Tankpausen ihres Flugzeugs auf der Reise zu politischen Gesprächen genutzt. Jetzt warten alle Beteiligten gespannt darauf, wie Lammert den Vorgang beurteilt. Wir auch.

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Von Bundespräsident Horst Köhler war seit seiner Wiederwahl politisch wenig bis nichts zu hören. Dabei standen im Brennpunkt des Geschehens die Wirtschafts- und die Finanzpolitik, also Themen, die er als langjähriger Finanzexperte beherrscht. Jetzt ist Präsidentensprecher Martin Kothé nach heftigen amtsinternen Auseinandersetzungen mit Köhlers Staatssekretär Hans-Jürgen Wolff gegangen. Ersetzt wird er von der Rundfunkjournalistin Petra Diroll, der man zutraut, die Streitereien im Amtssitz des Präsidenten zu beenden. Vor allem aber soll sie die zuweilen überaus hölzernen und oft aussageschwachen Reden des Staatsoberhaupts mit etwas mehr verbalem Leben füllen. Wie aus dem Amtssitz Schloss Bellevue zu hören ist, will Köhler damit doch noch einmal einen Anlauf nehmen, die zweite Hälfte seiner Amtszeit mit etwas mehr politischer Anregung zu füllen.

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Das schönste personelle Gerücht: Der soeben zum künftigen Intendanten des Bayerischen Rundfunks gewählte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sei in Bayern ein Mann mit großer Perspektive. CSU-Mann sei er schon viele Jahre, das Geschäft des bayerischen Ministerpräsidenten kenne er aus seinen Jahren als Sprecher von Edmund Stoiber bestens und wie man Bundespolitik mache, habe er in Berlin bei Angela Merkel bestens gelernt. Einen besseren Nachfolger für Horst Seehofer könne die CSU in einigen Jahren doch gar nicht finden. Stimmt!