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Berlin vertraulich! Riexinger zieht ins Rotbauviertel


Bernd Riexinger, Chef der Linken, hat eine Privatwohnung in Berlin gesucht. Und gefunden. Die Adresse ist standesgemäß und ideologisch tiptop.
Von Hans Peter Schütz

Eine Entscheidung, die zu Bundespräsident Joachim Gauck passt und ihn auch schmückt: Die bekannte Journalistin Ferdos Forudastan wird am 1. September seine Sprecherin. Man spricht dieser Entscheidung fast schon symbolischen Charakter zu: Da das Thema Migration und Integration angeblich nicht zu den stärksten des Bundespräsidenten gehört, habe er sich Forudastan ausgesucht. Sie wurde 1960 als Tochter einer Deutschen und eines Iraners in Freiburg im Breisgau geboren, volontierte bei der "Badischen Zeitung", arbeitete dann in Bonn erfolgreich als parlamentarische Korrespondentin. Die Juristin Forudastan, keine Politologin, wie vielfach gemeldet, war lange auch als Kolumnistin für die "Frankfurter Rundschau" tätig, arbeitete für die "Tageszeitung" und den WDR. Schrieb mehrere Bücher zu den Themen Migration und Integration. Dass Gauck Thilo Sarrazin für den "Mut" seines abfälligen Buchs über die Zuwanderung gelobt hatte, passt gewiss nicht in die Gedankenwelt der neuen Sprecherin an seiner Seite, die im journalistischen Milieu nach gängigen Klischees eher als "ziemlich links" gilt. "Ich freue mich sehr, mit diesem Bundespräsidenten zusammen zu arbeiten", sagt Forudastan zu stern.de. Sie erwarte eine "spannende berufliche Perspektive."

Forudastan ist mit Michael Vesper verheiratet, dem früheren grünen Spitzenpolitiker, der auch schon Vize-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen war. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder und lebt in Köln - vorerst noch. Die Familienzusammenführung in Berlin ist geplant, da Vesper Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) ist, der zwar seinen Hauptsitz in Frankfurt hat, aber auch ein Büro an der Spree. Ihre iranische Großmutter hat Forudostan eine "Fusul" genannt, eine Neugierige. Und das war durchaus missbilligend gemeint. Sie ist dennoch Journalistin geworden, wie sie sagt, weil sie wissen wollte, wie Politik funktioniert. Das hat sie inzwischen längst gelernt und das zu wissen, kann auch im Präsidialamt zuweilen sehr von Nutzen sein.

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Was für eine Auszeichnung für das Sommerfest der baden-württembergischen Landesvertretung: Obwohl grün-rote Hausherren dort neuerdings das Sagen haben, kam die Kanzlerin zu Besuch. Ganze 37 Minuten weilte sie vor Ort, das ist für Angela Merkels enges Zeitkorsett eine ganze Menge. Vor einem Jahr hatte sie die traditionelle Party noch demonstrativ gemieden. Ministerpräsident Winfried Kretschmann stieß mit der Regierungschefin, weinmäßig betrachtet, Rot-Weiß an und lobte Merkel für ihr "enormes Arbeitsprogramm". Nach ihrem Abgang war das Sommerfest, bei dem Essen und Getränke zu 100 Prozent Bio waren, ohnehin bald vorbei, denn ein heftiges Sommergewitter trieb die Gäste aus dem Garten unters schützende Dach. Die zentrale Botschaft der Kanzlerin wurde dort noch lange diskutiert. Sie hatte gesagt: "Deutschland braucht sie, liebes Baden-Württemberg!"

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Bernd Riexinger hat fünf Wochen nach seinem Amtsantritt als neuer Chef der Linkspartei in Berlin richtig Fuß gefasst und eine Wohnung mit angemessener Adresse gefunden: Er wohnt in der Karl Marx Allee, der zu DDR-Zeiten fürs persönliche Renommee wichtigsten Straße in Ostberlin.

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Die jüngste Polit-Rätselfrage in Berlin lautet: Kennen Sie das "uneheliche Kind von Merkel und Schavan?" Die richtige Antwort lautet: Das ist Sebastian Turner, der Werbemann und Erfinder des schwäbischen Spruchs "Wir können alles außer Hochdeutsch". Turner versucht Oberbürgermeister von Stuttgart zu werden, ist konservativ - hat aber immer noch kein CDU-Parteibuch.

Gauck feiert ohne Geldspenden

Der Bundestag ist in der Sommerpause, theoretisch bis zum 11. September. Wahrscheinlich wird die eine oder andere Sondersitzung wg. Europa unvermeidlich sein. Weitaus störender könnte sich jedoch auswirken, dass den üblichen Sommerfesten nachhaltige Störung droht. Schuld daran ist Bundespräsident Joachim Gauck, der bei deren Finanzierung mit gutem Vorbild vorangeht. "Nackte" Geldspenden hat er für das traditionelle Bürgerfest nicht entgegen genommen, er bezahlt es quasi selbst. Dazu müssen in seinem Etat 500.000 Euro vorgehalten werden. Akzeptiert werden nur noch Sachspender, etwa ein Weingut, das die Luft aus den Gläsern lässt, oder ein Spender, der Kaffee ausschenkt. Unter seinen Vorgägnern war das noch anders - da konnte das Sponsorenpolster gar nicht dick genug sein. Die anrüchige Nähe von Christian Wulff zu seinen Freunden aus der Wirtschaft, hat das Umdenken wohl befördert. Jetzt sind alle gespannt, ob auch die Medien den neuen Trend akzeptieren. Beim Bundespresseball mussten die Verlage für einen Tisch, an dem man sein Management gut platzieren konnte mit einem Spitzenpolitiker, rund 20.000 Euro hinblättern.


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