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Carsten S. im NSU-Prozess: "Zu einem guten Abend gehörte eine Polizeikontrolle"

Der Angeklagte Carsten S. spricht am sechsten Tag des NSU-Prozesses über seine Nazi-Vergangenheit. Mit seiner Clique habe er Leute verprügelt und Dönerbuden demoliert. Zschäpe habe er kaum gekannt.

Am sechsten Tag des NSU-Prozesses hat der Angeklagte Carsten S. vor dem Oberlandesgericht München weitere Details aus seiner rechtsextremen Vergangenheit preisgegeben. Seine Neonazi-Clique habe geprügelt und an Dönerständen Scheiben eingeworfen, einmal habe die Gruppe zwei Männer zusammengeschlagen - "zu einem guten Abend gehörte auch eine Polizeikontrolle dazu". Er erinnere sich, "dass ich auch einmal zugetreten habe oder zweimal - ich weiß es nicht mehr", sagte der 33-Jährige am Mittwoch. Hinterher habe er in der Zeitung gelesen, dass die Opfer schwer verletzt gewesen seien.

Carsten S. berichtete, seine rechte Jugendclique habe an mindestens zwei Dönerbuden Scheiben eingeschlagen und eine andere Bude umgeworfen. "Was war denn das Motiv?", wollte der Vorsitzende Manfred Götzl wissen. "Ich weiß nur, dass einer die Idee hatte - und da sind wir losgegangen." Dann ergänzte er: "Genaue Erinnerungen habe ich nicht. Ich gehe natürlich davon aus, dass es ein gewisses Feindbild auch war, diese Dönerbude." Nach weiterem Nachdenken: "Wir haben uns einen Spaß draus gemacht - und natürlich denen eins ausgewischt."

Auf weitere Fragen Götzls sagte der Angeklagte: "Wenn da eine Bockwurstbude gestanden hätte, hätten wir das nicht gemacht." Es habe auch mit "Deutschtümelei" zu tun gehabt. Es sei gegen die multikulturelle Gesellschaft gegangen, und gegen das Finanzkapital. "Es war ein einfaches Weltbild, schwarz-weiß. Dass wir unsere Heimat einbüßen, dass wir regiert werden vom Finanzjudentum, in gewisser Weise habe ich daran auch geglaubt."

Entscheidend sei für ihn gewesen, dass es ihm in der rechten Gruppe besser ging als zuvor. "Da hatte ich Respekt, da ging's mir gut. Ich habe mich stark gefühlt." Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt hätten damals nicht zu seiner Gruppe gehört. "Das waren halt drei von den Älteren."

Carsten S.: "Ich kann helfen"

Carsten S., einer der wichtigsten Zeugen der Bundesanwaltschaft, hat bereits zugegeben, eine Pistole für die mutmaßlichen NSU-Terroristen besorgt zu haben - vermutlich die "Ceska", mit der neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet wurden. Er habe nach dem Untertauchen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos im Auftrag des Mitangeklagten Ralf Wohlleben und eines anderen Rechtsextremen Kontakt gehalten, sagte Carsten S. Die drei hätten Hilfe gebraucht, "und ich kann helfen". Zu den Dreien habe er davor "gar kein Verhältnis" gehabt, er habe sie kaum gekannt. Nach Darstellung des 33-Jährigen war es auch Wohlleben, der letztlich die Entscheidungen traf. Wohlleben ist ebenfalls wegen Beihilfe zu neun Morden angeklagt.

Hauptbeschuldigte in dem Verfahren ist die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe. Ihr wird unter anderem Mittäterschaft bei den Morden und sämtlichen anderen Verbrechen des NSU vorgeworfen. Neben Carsten S. und Wohlleben sitzen die mutmaßlichen NSU-Unterstützer Holger G. und André E. auf der Anklagebank. Auch Holger G. will aussagen.

Zu Beginn der Verhandlung am Mittwoch hatten sich Gericht, Verteidigung, Anklage und Nebenklage erneut einen Schlagabtausch wegen möglicher behördlicher Prozessbeobachter geliefert. Nebenklagevertreter und Verteidigung verlangten erneut, die Anwesenheit solcher Beobachter in den Zuschauerreihen zu klären. Sie könnten spätere Zeugen gezielt beeinflussen. Der Senat lehnte das jedoch ab. Auch solche Beobachter seien Teil der allgemeinen Öffentlichkeit. Damit hätten sie das Recht auf Anwesenheit im Sitzungssaal. Dass sie auf Zeugen einwirken könnten, seien reine "Spekulationen und Vermutungen", sagte der Vorsitzende Götzl.

kmi/DPA / DPA