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Ärger in Impfzentren Immer mehr Termine fallen aus: Impfschwänzern könnten bald Geldstrafen drohen

Leeres Impfzentrum
In vielen Impfzentren ärgern sich die Mitarbeitenden über die Unverbindlichkeit der Impflinge
© Marijan Murat / DPA
Impfstoff ist da, doch immer mehr Menschen nehmen ihre Termine nicht wahr – teilweise ohne sie abzusagen. Politiker bringen Geldstrafen für die Impfterminschwänzer ins Gespräch.

Die Fortschritte der Impfkampagne in Deutschland sind nicht zu übersehen: 75,8 Millionen Impfdosen gegen Covid-19 wurden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums bisher verabreicht, mehr als die Hälfte der Bürger hat mindestens eine Dosis erhalten, gut 38 Prozent sind bereits voll geimpft. Und dennoch geht es nicht schnell genug. Vor allem angesichts der sich ausbreitenden Delta-Variante drängen Forschende auf ein noch höheres Tempo, um Infektionen und schwere Erkrankungen zu verhindern.

Doch immer wieder geht wertvolle Zeit verloren – zum Beispiel, weil Menschen nicht zu ihren vereinbarten Impfterminen erscheinen und damit den ganzen Prozess aufhalten. Aus Impfzentren im ganzen Land ist zu hören, dass Termine nicht wahrgenommen werden, sei es wegen des guten Wetters, eines Spiels der deutschen Fußball-Nationalmannschaft oder aus purer Vergesslichkeit. Ohne vorherige Absage verfallen die Impfdosen im schlimmsten Fall – und andere Menschen, die noch keine Impfung bekommen haben, müssen noch länger warten. Deshalb diskutiert die Politik nun über mögliche Sanktionen für Impfterminschwänzer.

Berliner DRK-Chef fordert 25 bis 30 Euro Strafe

SPD-Politiker Karl Lauterbach spricht sich dafür aus. "Menschen, die ihre Impftermine verfallen lassen, ohne sich vorher abzumelden, machen etwas, was die Impfkampagne beschädigt und auch manchmal dazu führt, dass wir Impfstoff wegschmeißen müssen", sagte der Gesundheitsexperte dem WDR. In solchen Fällen sollte "eine Strafe üblich sein". Auch Thorsten Frei, Fraktionsvize der Union im Bundestag, fordert: "Wer nur zu bequem ist, zum Hörer zu greifen oder mit wenigen Klicks einen Termin abzusagen, sollte für die angefallenen Ausfallkosten aufkommen müssen."

Der Präsident des Berliner Roten Kreuzes, Mario Czaja, hat bereits einen konkreten Vorschlag eingebracht: Der ehemalige Berliner Gesundheitssenator fordert eine "Impfschwänzer-Abgabe" von 25 bis 30 Euro. Einen Termin ohne Absage nicht einzuhalten, verursache unnötige Kosten, weil Personal und Impfstoff unnütz vorgehalten würden, sagte Czaja dem RBB. 

Andere wehren sich gegen Geldstrafen und fürchten, damit Impfwillige zu vergraulen. Sie wollen vielmehr die Voraussetzungen für eine Impfung angenehmer machen. So schlug die Berliner Grünen-Fraktionschefin Silke Gebel im RBB vor, Eltern zu erlauben, ihre Kinder zum Impftermin mitzubringen: "Ich glaube, dass wir noch viele Erleichterungen treffen können, damit Menschen, die sich impfen lassen wollen, sich auch impfen lassen können."

Hotspot-Impfaktionen verfehlen ihr Ziel

Bis zu 40 Prozent der Impftermine werden abgesagt

Impfstoff ist mittlerweile zwar ausreichend vorhanden, nun droht das Impfen aber durch die fehlende Disziplin einiger Menschen ins Stocken zu geraten. Viele lassen nach der ersten Dosis ihren zweiten Impftermin sausen – dabei setzt der volle Schutz gegen Covid-19 erst nach zwei Impfungen ein. Laut "Tagesspiegel" werden etwa in Mecklenburg-Vorpommern 15 bis 40 Prozent der Termine nicht wahrgenommen, in Hessen beträgt die "No-Show-Rate" 20 Prozent, in Berlin kommt jeder Zehnte nicht.

Nicht immer steckt Böswilligkeit dahinter. Viele Menschen fuhren beim Versuch, eine Impfung zu bekommen, mehrgleisig – und sagen dann beispielsweise nicht im Impfzentrum Bescheid, wenn sie schon vorher eine Impfung beim Hausarzt erhalten haben. Ein Impfzentrum in Sachsen allerdings hat einigen Schwänzern hinterhertelefoniert, anschließend waren die Mitarbeitenden von den Reaktionen überrascht. "Die Antworten, die wir da gehört haben, waren tatsächlich frappierend, machen uns sehr nachdenklich – es waren dann Antworten darunter wie: 'Ich war im Garten an dem Tag, es war so schön sonnig'", sagte DRK-Sprecher Kai Kranich dem MDR.

Quellen: Impfdashboard / WDRRBB / "Tagesspiegel" / MDR


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