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Elf Tote: Schüsse in Hanau: Neun der Todesopfer haben Migrationshintergrund

Es ist eine unbegreifliche Tat. Ein 43-jähriger Deutscher erschießt im hessischen Hanau zehn Menschen und sich selbst. Die meisten seiner Opfer haben einen Migrationshintergrund. Es soll sich um Türken und Kurden handeln.

Statement der Bundeskanzlerin: Merkel zu Hanau: "Rassismus ist ein Gift" – vieles weist auf rechtsradikalen Täter hin

Ein mutmaßlich rassistisch motivierter Anschlag mit elf Toten im hessischen Hanau erschüttert Deutschland. Ein 43-jähriger Deutscher soll neun Menschen mit Migrationshintergrund und seine Mutter getötet haben. Dies sagte auch Generalbundesanwalt Peter Frank am Donnerstagnachmittag. Es seien zudem sechs weitere Menschen verletzt worden, einer von ihnen schwer. Wie die Deutsche Presse-Agentur am Donnerstag zudem aus Sicherheitskreisen erfuhr, sollen mehrere der Verletzten ausländische Wurzeln haben.

Einer der Tatorte ist eine Shisha-Bar am Heumarkt, einer Straße, die etwas am Rande der Innenstadt von Hanau mit seinen rund 100.000 Einwohnern liegt. Es ist eine Gegend mit Spielhallen, Wettlokalen und Döner-Imbissbuden.

Fünf der Opfer aus Hanau sollen türkische Staatsbürger sein

Unter den Todesopfern des Anschlags sind nach türkischen Medienberichten auch fünf türkische Staatsbürger. Dies berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Donnerstag unter Berufung auf den türkischen Botschafter in Berlin, Ali Kemal Aydin. "Wir leiden. Es ist wirklich ein schwarzer Tag für Deutschland", sagte er dem Sender CNN Türk.

Nach Informationen der Kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD) waren ebenso Menschen kurdischer Abstammung unter den Opfern. Eine Bestätigung der Behörden dazu lag zunächst nicht vor. Laut der KGD leben in der Region Hanau 6000 bis 7000 Menschen mit kurdischen Wurzeln. Die tödlichen Schüssen fielen unter anderem in zwei Shisha-Bars. Diese Bars würden oft von Menschen kurdischer Abstammung betrieben, sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende der, Mehmet Tanriverdi. "Wir stehen alle unter Schock", sagte er am Donnerstag in Gießen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte in einer Ansprache, "unsere Behörden verfolgen die Angelegenheit genau". "Wir sind zuversichtlich, dass die deutschen Behörden ihr Bestes geben werden, um alle Aspekte (des Anschlags) zu beleuchten."

Bundesanwaltschaft ermittelt

Die Bundesanwaltschaft zog die Ermittlungen an sich. Der Todesschütze von Hanau hatte nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank eine "zutiefst rassistische Gesinnung". Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest auf dessen Internetseite ergeben, sagte Frank am Donnerstag in Karlsruhe. Es solle ermittelt werden, ob der mutmaßliche Täter Mitwisser oder Unterstützer gehabt habe, sagte Frank. Dafür würden dessen Umfeld und Kontakte im In- und Ausland überprüft.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich laut Hessens Innenminister Beuth (CDU) um einen 43-jährigen Deutschen aus Hanau. Er war demnach weder dem Verfassungsschutz noch der Polizei bekannt. Nach seiner Erkenntnis sei der Verdächtige Sportschütze gewesen und habe legal Waffen besessen, sagte der hessische Innenminister.

Wut und Trauer bei türkischen und kurdischen Verbänden        

Die Türkisch-Islamische Union Ditib hat den mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag in Hanau als Angriff auf Migranten und Muslime verurteilt. Die "seelische, emotionale und gesellschaftliche Verwundung" nach dem tödlichen Terror sei schwer, betonten der Ditib Bundesverband und der Landesverband Hessen in einer gemeinsamen Erklärung. "Sie trifft Migrantinnen und Migranten, Musliminnen und Muslime bis ins tiefste Mark." Die Ditib forderte: "Die Sicherheitsbehörden sind nun in besonderer Verantwortung, das empfindlich gestörte gesellschaftliche Sicherheitsempfinden wieder herzustellen."

Der Dachverband Konföderation der Gemeinschaften Kurdistans in Deutschland sprach von Trauer und Wut. "Traurig sind wir, weil unsere Gedanken nach der gestrigen Nacht bei den Angehörigen der Opfer des rechtsterroristischen Anschlags in Hanau sind", sagte ein Sprecher. Wütend sei man, weil die politischen Verantwortlichen in diesem Land sich rechten Netzwerken und Rechtsterrorismus nicht entschieden entgegenstellten. Die politische Rhetorik der AfD und ihre Verharmlosung bereiteten den Nährboden für den rechten Terror.

rw / DPA / AFP