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Integrationspolitik Wirbel um Studie über junge Muslime


Integrationsunwillig und streng religiös? Eine Untersuchung des Innenministeriums über junge Muslime in Deutschland hat in der Politik heiße Diskussionen ausgelöst.

Eine neue Studie über junge Muslime in Deutschland sorgt bereits vor ihrer Veröffentlichung für Diskussion. Die hohe Zahl nicht integrierter und auch nicht integrationswilliger Muslime sei "erschreckend", sagte der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". "Diese Integrationsverweigerung muss nicht, aber kann den Nährboden für religiösen Fanatismus und Terrorismus darstellen."

Aus der Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums (BMI), die am Donnerstag veröffentlicht wird, geht hervor, dass 24 Prozent der Muslime zwischen 14 und 32 Jahren, die keinen deutschen Pass haben, nicht bereit sind, sich zu integrieren. Sie könnten bezeichnet werden als streng religiös, "mit starken Abneigungen gegenüber dem Westen, tendenzieller Gewaltakzeptanz und ohne Integrationstendenz", heißt es in der Untersuchung.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) äußerte sich gegenüber der "Bild"-Zeitung besorgt: "Deutschland achtet die Herkunft und kulturelle Identität seiner Zuwanderer. Aber wir akzeptieren nicht den Import autoritärer, antidemokratischer und religiös-fanatischer Ansichten. Wer Freiheit und Demokratie bekämpft, wird hier keine Zukunft haben." Am Donnerstag allerdings relativierte er den entstandenen Eindruck und warnte davor, Teilergebnisse in den Vordergrund zu stellen. "Das Gesamtbild sagt, die Muslime in Deutschland lehnen Terrorismus kategorisch ab." Zudem gebe es die Muslime als Kategorie eigentlich nicht. "Das ist eine ganz vielschichtige Gruppierung."

Studie sorgt für Diskussionen

Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Aydan Özoguz kritisierte am Dienstag den Umgang des Ministeriums mit den Befunden. Es sei "befremdlich", dass der Bericht vorab nur einer einzigen Zeitung vorliege und die Abgeordneten sich nur aus dieser Quelle, der "Bild"-Zeitung, eine Meinung bilden könnten, erklärte Özoguz. Kritik übte sie an der Methodik der Studie: Offenbar seien nur "nichteingebürgerte, also auch nicht hier geborene Jugendliche aus islamischen Kulturkreisen befragt" worden. Dies sei eine enge Eingrenzung: Offenbar gehe es hier um die Absicht, "ganze Religionsgemeinschaften dem Populismus preiszugeben".

Kritik an der Studie kam auch aus der FDP. "Ich muss mich schon wundern, dass das BMI erneut Steuergelder darauf verwendet, eine Studie zu finanzieren, die Schlagzeilen produziert, aber keinerlei Erkenntnisse", sagte der integrationspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Serkan Tören, der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Das religiöse Bekenntnis vieler junger Muslime sei oft nur "eine leere Hülse", die nicht mit gelebter Religion einhergehe, sondern "Provokation und kulturelle Abgrenzung" sein wolle, sagte der türkischstämmige Politiker. "Religiosität und Gewalt sind kein Automatismus, das beweisen andere Studien und meine persönliche Erfahrung."

Der Jenaer Psychologe Wolfgang Frindte, der maßgeblich an der Untersuchung beteiligt war, sagte, die Zahlen seien für ihn nicht überraschend. Würden auch die Eltern- und Großelterngenerationen einbezogen, zeige sich, dass der Anteil radikaler Einstellungen sinke und sich die Muslime deutlich vom islamistischen Terrorismus distanzierten.

700 Muslime wurden befragt

Zum Islam bekennen sich in Deutschland nach Angaben des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge schätzungsweise vier Millionen Menschen. Knapp die Hälfte von ihnen hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Für die Studie "Lebenswelten junger Muslime in Deutschland" wurden zwischen Februar 2009 und Juni 2011 700 junge deutsche und nichtdeutsche Muslime telefonisch befragt. Zudem wurden 692 Fernsehbeiträge aus Nachrichtensendungen analysiert.

Bei den befragten jungen deutschen Muslimen macht der Anteil derer, die streng religiös sind, den Westen ablehnen und ideologisch fundierte "Gewalt als Mittel zur Verteidigung gegen die Bedrohung durch den Westen" akzeptieren, 15 Prozent aus. Von dieser Gruppe sprach sich eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent für eine Integration in die Mehrheitsgesellschaft aus; von den befragten nichtdeutschen Muslimen äußerten nur 52 Prozent diese Ansicht. Als mögliche Ursache dieser Integrationsskepsis nennt die Studie das Erleben "gruppenbezogener Diskriminierung" in Deutschland.

mlr/DPA/AFP DPA

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