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CSU: Viel Pathos und ein paar Kalauer: So lief zu Guttenbergs erster Wahlkampfauftritt

Zumindest in Kulmbach ist die Guttenberg-Euphorie zurück. In seiner Heimat absolvierte der frühere Verteidigungsminister einen gefeierten, ersten Wahlkampfauftritt für die CSU - die Plagiatsaffäre betrachtet er als erledigt.

Als die Kulmbacher Stadthalle die Tore öffnet, geht Andreas Spreng als einer der Ersten rein. "Welcome in Bavaria Karl Theodor" steht auf der Vorderseite eines selbst geschriebenen Plakats des 81-Jährigen für den aus den USA eingeflogenen Stargast - "KT für Bayern und Berlin" auf der Rückseite. Die bis zur Plagiatsaffäre verbreitete Guttenberg-Euphorie ist zurück - zumindest hier in Kulmbach, wo der Ex-Verteidigungsminister für mehrere Termine in den Wahlkampf einsteigt.

1100 Menschen sind in die volle Stadthalle gekommen, darunter Karl-Theodor zu Guttenbergs Frau Stephanie und der vom zehn Kilometer entfernten Stammsitz der Familie gekommene Vater, der Dirigent Enoch zu Guttenberg.

Karl-Theodor zu Guttenberg weiß die große Bühne zu nutzen

Eine große Bühne, die der vor sechs Jahren für seine Plagiatsaffäre mit viel Spott und Häme überschüttete ehemalige Minister zu nutzen weiß. Statt sich hinters Rednerpult zu stellen läuft Guttenberg wie ein Fernsehmoderator über die Bühne und wendet sich immer wieder unmittelbar an sein Publikum - dieses dankt ihm den flotten Auftritt und folgt eineinhalb Stunden Rede gebannt.

Nach mit viel Pathos vorgetragenem Lob für seine fränkische Heimat erklärt Guttenberg praktisch selbst den Skandal für beendet, der 2011 wegen seiner abgeschriebenen Doktorarbeit zum Rücktritt führte. "Ich habe, glaube ich, alle Konsequenzen gezogen und getragen", sagt der 45-Jährige. Doch nun dürfe er "nach langer Zeit" auch sagen: "Jetzt ist auch mal irgendwann gut".

Die mit vielen politischen Kalauern gespickte Rede - Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) nennt er "Gazprom-Gerd", Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un einen "Dickmops", kommt gut an beim Publikum, immer wieder gibt es langen Applaus.


Das dürfte Horst Seehofer freuen

Das dürfte auch CSU-Chef Horst Seehofer freuen. Der Wahltag rückt näher, und ungelöste Streitthemen wie die Flüchtlings-Obergrenze sind aus der Debatte. Dafür profitiert der CSU-Chef von der Aufregung um den von ihm auch schon mal als "Glühwürmchen" verspotteten einstigen Hoffnungsträger. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) profitiert womöglich von der Wahlkampfhilfe - zumindest lobt Guttenberg die Kanzlerin mehrfach unter Applaus.

Unter die Zuhörer in Kulmbach mischt sich auch Ex-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich. Der wie Guttenberg aus Oberfranken stammende Friedrich ist unter den Guttenberg-Befürwortern in der CSU lange der größte Drängler gewesen, was ein Comeback angeht. Doch an diesem Abend hält er sich zurück. "Wir machen hier Wahlkampf", sagt er nur knapp. Und was ein mögliches Comeback angeht, will er nichts sagen.

An den Kulmbachern würde ein Comeback nicht scheitern. Im Gegenteil. "Ich bin vor allem hier, weil man ja damals ganz fürchterlich unfair mit ihm umgegangen ist", sagt Helmut Gunreben, ein 79 Jahre alter Guttenberg-Fan. "Das ist heute eine Wiedergutmachung."

Zuschauer: Wir haben ihm verziehen

Auch Monika Schiller, die im Örtchen Guttenberg zur Welt kam und jetzt in der ersten Reihe unter dem Rednerpult des Ex-Ministers steht, sehnt sich nach der Zeit. "Ich war damals schon enttäuscht, dass er so lange nicht die Wahrheit gesagt hat. Doch jetzt haben wir ihm längst verziehen."

Doch ob er "seinen" Franken den Gefallen einer Rückkehr tun wird? Es klingt nicht so. Er habe in den vergangenen Jahren nicht die Hände in den Schoß gelegt, sondern sich in den USA etwas aufgebaut, sagt Guttenberg. Die Bundestagswahl werde er in seiner Wahlheimat am Fernseher verfolgen - nach dem Auftritt in Kulmbach dürften die Rufe nach seiner Mitarbeit in der CSU allerdings nicht weniger werden.


tis/Ralf Isermann / DPA