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Landtagswahlen: König Kurt II.

Kurt Becks SPD errang in Rheinland-Pfalz vermutlich die absolute Mehrheit, in Baden-Württemberg könnte die CDU alleine regieren, Sachsen-Anhalt steuert auf eine große Koalition zu. Bestätigt sich der Trend, ist die FDP der Verlierer des Abends.

CDU und SPD haben ihre Hochburgen glänzend verteidigt. Die CDU verpasste in Stuttgart nur knapp die absolute Mehrheit, die SPD kann in Mainz wohl allein regieren. In Sachsen-Anhalt wackelt die bisherige Regierung aus CDU und FDP, denkbar wäre eine große Koalition. Der FDP droht damit in zwei Ländern der Abschied von der Regierung. Das schwarz-rote Lager hätte in einem solchen Fall nicht nur im Bundestag, sondern auch im Bundesrat eine satte Zwei-Drittel-Mehrheit - und könnte damit Verfassungsänderungen nach Belieben durchdrücken.

In

Rheinland-Pfalz

deutet sich für die SPD von Regierungschef Kurt Beck das bisher beste Ergebnis in diesem Bundesland an - mehr als 45 Prozent. Ob Beck alleine regieren kann, hängt davon ab, ob die Grünen in den Landtag einziehen, derzeit sieht es nicht danach aus. SPD-Chef Matthias Platzeck gratulierte Beck: "Dies ist vor allem das Ergebnis einer hervorragenden Regierungsarbeit über viele Jahre." Christoph Böhr (CDU), der gegen Beck angetreten war, fuhr eine dramatische Niederlagen ein, Böhr trat als Landes- und Fraktionschef zurück.

Böhmer bleibt

In Baden- Württemberg verfehlte die CDU unter Ministerpräsident Günther Oettinger nur knapp die absolute Mehrheit, den letzten Hochrechnungen zufolge fehlt ihr ein Sitz. "Wir warten nun in aller Gelassenheit das Ergebnis ab", sagte Oettinger in der ARD. Koalitionsgespräche mit dem FDP schloss er nicht aus. Die Zukunft von Herausforderin Ute Vogt, die für die SPD nur 25 Prozent holte, ist offen.

In

Sachsen-Anhalt

kann CDU-Ministerpräsident Wolfgang Böhmer weiter regieren. Die FDP muss nach einer Halbierung ihrer Stimmenzahl um die Macht bangen. Möglicherweise wird Böhmer eine große Koalition eingehen. Theoretisch hat die SPD auch die Option, mit der Linkspartei eine Regierung zu bilden, aber SPD-Chef Jens Bullerjahn zieht die große Koalition vor.

Historisch schlechte Wahlbeteiligung

Mit gut 17 Millionen Menschen war etwa ein Viertel der Stimmberechtigten aufgerufen, wählen zu gehen. Die Beteiligung war indes miserabel. In Sachsen-Anhalt stürzte sie auf ein bundesweites Allzeit-Tief von 43,2 Prozent - und lag damit 13,3 Punkte unter der Wahlbeteiligung vor fünf Jahren.

Auch aus Baden-Württemberg meldete die ARD mit 53,7 Prozent einen Negativrekord. In Rheinland- Pfalz sank die Wahlbeteiligung leicht von 62,1 auf 60 Prozent.

Berliner Politiker zufrieden

Die Spitzenkräfte der großen Koalition in Berlin fühlen sich durch die Wahlen - auch wenn sie sehr unterschiedlich ausgegangen sind - bestätigt. CSU-Generalsekretär Markus Söder sprach von "Rückenwind für die große Koalition", Kurt Beck sagte: "Das Ergebnis ist ein Beleg dafür, dass es die große Krise der SPD auf Bundesebene nicht gibt." Allein die Günen-Chefin Claudia Roth machte eine kritische Anmerkung. Mit Blick auf die Wahlbeteiligung sagte sie: "Die große Koalition führt zu einer großen Entpolitisierung."

Tatsächlich war es für SPD und CDU während der Wahlkämpfe kaum möglich, sich hart gegeneinander abzugrenzen - was zu bemerkenswert langweiligen Wahlkämpfen geführt hatte.

DPA/Reuters/AP / AP / DPA / Reuters