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Neuer FDP-Bezirkschef von Köln: Christian Lindner vor politischem Comeback

Knapp zwei Monate nach seinem überraschenden Rücktritt will es Christian Linder anscheinend wieder wissen. Nachdem er kürzlich technologiepolitischer Sprecher der FDP-Fraktion wurde, liebäugelt er jetzt mit dem Amt des Kölner Bezirksverbandschefs.

Der frühere FDP-Generalsekretär Christian Lindner steht knapp zwei Monate nach seinem überraschenden Rücktritt vor einem Comeback. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" will der frühere Staatsminister im Auswärtigen Amt, Werner Hoyer, im März nicht wieder als Vorsitzender des FDP-Bezirksverbands Köln antreten. Damit wäre der Weg frei für Lindner, der intern schon erklärt habe, dass er den Bezirk führen wolle.

Hoyer ist seit Anfang des Jahres Chef der Europäischen Investitionsbank in Luxemburg. Eine Prüfung habe ergeben, dass er nach den Verhaltensregeln der Bank sein Parteiamt nicht behalten dürfe, heißt es in dem Bericht. In der FDP werde damit gerechnet, dass es keinen ernsthaften Gegenkandidaten für Lindner gebe. Der frühere Generalsekretär würde damit den deutschlandweit mitgliederstärksten Bezirk der FDP übernehmen.

Gerüchte über geplanten Rösler-Sturz

Erst vor kurzem hatte Lindner das Amt des technologiepolitischen Sprechers der FDP-Fraktion übernommen. Für einen wie Lindner, der mit 21 jüngster Abgeordneter aller Zeiten im Düsseldorfer Landtag war, ist das natürlich kein Spitzenjob. Dass es also nicht dabei bleiben, und er sich noch weitere politische Aufgaben suchen würde, war abzusehen.

Warum er am 14. Dezember als Parteigeneral nicht mehr wollte, darüber schweigt Lindner eisern. Nachtreten ist seine Sache nicht. Sein Nachfolger Patrick Döring war da weniger zimperlich. In seinem schon legendären "Stern"-Gespräch kurz nach der Nominierung hatte er Lindner die Absicht unterstellt, er habe mit seinem Rücktritt einen Sturz von FDP-Chef Philipp Rösler herbeiführen wollen.

Einen großen Knall zwischen Rösler und Lindner gab es dem Vernehmen nach aber nie. Lindners Gegner warfen ihm vor, die FDP-Zentrale sei unter seiner Ägide nicht mehr kampagnenfähig gewesen. Umgekehrt wurden von Lindner beantragte Extra-Stellen für das Dehler-Haus nicht genehmigt, zudem lähmte die Mitgliederbefragung zum Euro lange den gesamten, kleinen Parteiapparat.

Wie ein Karpfen im Polit-Teich

Für Rösler jedenfalls kam Lindners Verzicht damals überraschend. Der Vizekanzler soll sich gefühlt haben, als wenn an der eigenen Haustür jemand das Schloss ausgetauscht hat. Unter dem Strich war es wohl eher eine schleichende Entfremdung, die zum Bruch der "Boygroup" Rösler, Lindner und Gesundheitsminister Daniel Bahr führte.

Lindner macht seitdem Basisarbeit. Spricht bei Handelskammern, besucht den ein oder anderen FDP-Empfang und ist Mitglied des Wirtschaftsausschusses. Ein schon fertiges Buch mit liberalen Thesen, das im März erscheinen sollte, legte er auf Eis. Das Ansinnen, ihn analog zum neuen Wachstumskurs der FDP in die Enquete-Kommission des Bundestages zu schicken, die eine neue Definition für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sucht, wies er von sich.

Vertraute erzählen, der frühere Werbeprofi, Oberleutnant der Reserve und Politikwissenschaftler aus dem nordrhein-westfälischen Wermelskirchen schwimme jetzt wie ein Karpfen durch den Polit-Teich und tauche manchmal an der Wasseroberfläche auf, wenn ein Stück Brot vorbeitreibe. Lindner und Karpfen? Ein gewöhnungsbedürftiges Bild, weil er lange der Delfin in der FDP war, der im Berliner Medienbecken durch die Ringe sprang und den Liberalen Aufmerksamkeit verschaffte.

Klinken putzen nach "Fahnenflucht"?

Lindner ist unverändert populär. Am Dienstagabend hatte er seinen ersten größeren Auftritt in der Hauptstadt seit dem Rücktritt. Zur Tagung "Der sanfte Diktator - weiß Vater Staat wirklich alles besser" der Stiftung Marktwirtschaft kamen rund 250 Gäste. Lindner hielt ein Plädoyer für die Freiheit ("Ein Muskel, den wir trainieren müssen"), forderte die Aufnahme der sozialen Marktwirtschaft ins Grundgesetz und machte sich über SPD-Chef Sigmar Gabriel lustig, der sich als politischen Gegner die Finanzmärkte ausgeguckt hat. Gabriel erinnere ihn an den Perserkönig Xerxes, der das Meer habe auspeitschen lassen.

Irgendwann wird Lindner, der mit einer Journalistin verheiratet ist, wohl in die erste FDP-Reihe zurückkommen, glauben viele. Andere Parteistimmen sagen, nach seiner "Fahnenflucht" müsse er nun erst einmal wieder Klinken putzen. Im Wahlkampf in Schleswig-Holstein will Lindner dosiert auftreten.

Tim Braune/DPA / DPA