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Forsa zur Stimmung in NRW: Starke Kraft vor schwachem Laschet

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) liegt derzeit weit vor ihrem mutmaßlichen CDU-Herausforderer Armin Laschet – obwohl Kanzlerin Merkel im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland noch mehr Zustimmung erfährt.

Von Werner Mathes

Hannelore Kraft (SPD) überzeugt in Nordrhein-Westfalen die Wähler

Hannelore Kraft (SPD) überzeugt in Nordrhein-Westfalen die Wähler

Würde jetzt der Bundestag neu gewählt, könnte die CDU in Nordrhein-Westfalen mit 37 Prozent der Stimmen rechnen – etwas weniger als bei der Bundestagswahl im September 2013, als sie auf 39,8 Prozent kam. Aber auch die SPD bliebe mit 30 Prozent unter ihrem Ergebnis von 2013 (31,9 Prozent). Die Grünen (9 Prozent), die Linke (6 Prozent) und die FDP (ebenfalls 6 Prozent) könnten mit ähnlich vielen Stimmen rechnen wie bei der vergangenen Bundestagswahl. Die AfD, die derzeit auch bundesweit wegen der Flüchtlingsproblematik wieder stärker ist, käme an Rhein und Ruhr auf 6 Prozent (2013: 3,9 Prozent). Das ist das Ergebnis einer Forsa-Erhebung für den stern und den Kölner Stadt-Anzeiger. Befragt wurden vom 8. bis 27. November insgesamt 1 211 Wahlberechtigte in Nordrhein-Westfalen.

Wären im bevölkerungsreichsten deutschen Bundesland jedoch schon jetzt Landtagswahlen und nicht erst im Frühjahr 2017, sähen die Ergebnis anders aus. Die CDU würde mit nur noch 29 Prozent deutlich weniger Stimmen erhalten als bei einer derzeitigen Bundestagswahl – und läge weiterhin klar hinter der SPD, die mit 39 Prozent deutlich besser abschneiden würde. Damit würden die Sozialdemokraten ihr Ergebnis bei der Landtagswahl vom Mai 2012 (39,1 Prozent) wieder erreichen. Die Grünen kämen auf 10, die FDP auf 7 und die Linke auf 5 Prozent. Die AfD wäre mit 4 Prozent nicht im Düsseldorfer Landesparlament vertreten, und die Piraten, die 2012 noch ein Ergebnis von 7,8 Prozent einfahren konnten, würden mit nur noch 2 Prozent den Wiedereinzug verpassen.

"Diese Daten zeigen wieder einmal, dass die Wahlbürger zwischen den verschiedenen Politikebenen genau unterscheiden können und wissen, um was es bei der jeweiligen Wahl geht", sagt Forsa-Chef Manfred Güllner. Die großen Unterschiede zwischen den Werten der Parteien bei den Bundestags- und Landtagswahlabsichten hätten, so Güllner, ihre Ursache in den unterschiedlichen Wählermobilisierungen. Bei der Landtagswahl 2012 wurde die CDU nur von knapp 2,1 Millionen Bürgern gewählt worden, bei der Bundestagswahl 2013 aber von fast 3,8 Millionen. Forsa-Chef Güllner: "Somit war den Wählern die Merkel-CDU über 1,7 Millionen Stimmen mehr wert als die nordrhein-westfälische CDU mit ihrem damaligen Spitzenkandidaten Norbert Röttgen." Die meisten dieser 1,7 Millionen potenziellen CDU-Anhänger, die der CDU ihre Stimmen bei der Landtagswahl nicht gaben, seien allerdings nicht abgewandert, sondern einfach nicht zur Wahl gegangen.

"Ein ähnliches Schicksal wie 2012 könnte der nordrhein-westfälischen CDU nach den aktuellen Zahlen auch bei der nächsten Landtagswahl im Frühjahr 2017 drohen“, sagt Güllner, „denn auch der jetzige CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende und mutmaßliche Spitzenkandidat Armin Laschet hat bei den eigenen Anhängern kaum Rückhalt.“ Könnten nämlich die Bürger an Rhein und Ruhr ihren Ministerpräsidenten direkt wählen, würden sich für Laschet nur 18 Prozent entscheiden, für die amtierende SPD-Regierungschefin Hannelore Kraft aber 63 Prozent. Selbst von den CDU-Anhängern sprechen sich 43 Prozent für Kraft und nur 38 Prozent für Laschet aus. Zum Vergleich: Über 90 Prozent der nordrhein-westfälischen CDU-Anhänger stehen trotz der heftigen Kontroversen um ihre Flüchtlingspolitik hinter Kanzlerin Angela Merkel.