HOME

Nach dem "Ja" zur GroKo: Wer was werden könnte in der SPD

Die Basis hat Grünes Licht für die Große Koalition gegeben. Zeit für die SPD, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren - die Personalien. Wer kommt alles für einen Posten im Kabinett infrage?

Heiko Maas und Katarina Barley

Zwei, die sich Hoffnungen machen, auch im neuen Kabinett Merkel einen Ministerposten einzunehmen: Katarina Barley (r.) und Heiko Maas 

DPA

Nach dem Votum der SPD-Mitglieder für den Eintritt in eine Große Koaltion stellt sich die Frage, wer geht  ins neue Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Sechs Ministerien soll die SPD bekommen: Außen, Arbeit/Soziales, Finanzen, Justiz, Umwelt und Familie. Der kommissarische SPD-Vorsitzende Olaf Scholz hat angekündigt, dass die Parteispitze zur Hälfte weibliche und männliche Minister entsenden will. Folgende Namen werden gehandelt.

  • Olaf Scholz, 59: Hamburgs Regierungschef will nach erfolgreichen Jahren in der Hansestadt - mit Ausnahme des chaotischen G20-Gipfels - den Sprung zurück auf die Berliner Bühne wagen, als Vizekanzler und Bundesfinanzminister. Einer der profiliertesten Köpfe der SPD, im Buch "Hoffnungsland" warb er für eine anpackende, die Globalisierung gerecht gestaltende Politik. In seiner Zeit als Arbeitsminister (2007 bis 2009) trug er dazu bei, dass mit den Kurzarbeitsregelungen in der Finanzkrise 1,7 Millionen Jobs gerettet wurden. Mit dem richtigen Kandidaten sieht er für die SPD auch 30 Prozent wieder in Reichweite.
  • Heiko Maas, 51: Könnte als Justizminister weitermachen - wenn er nicht in das Außen- oder in das Arbeits- und Sozialministerium wechselt. Mit seiner klaren Kante gegen die AfD und die Pegida-Bewegung ist der Saarländer zum Feindbild der rechten Szene geworden. Er versucht vor allem auch der Hetze im Internet Einhalt zu gebieten. Er ist mit der Schauspielerin Natalia Wörner liiert.


Gabriel holt die Vergangenheit ein

  • Sigmar Gabriel, 58: Der Außenminister, laut Umfragen derzeit der beliebteste SPD-Politiker, könnte der große Verlierer werden. Ihn holt seine Vergangenheit als SPD-Chef ein, wegen seiner Volten und Alleingänge gilt das Verhältnis zur designierten SPD-Chefin Andrea Nahles und zu Scholz als zerrüttet. Nahles pocht auf Teamfähigkeit bei Kabinettsmitgliedern als Eignungskriterium - das könnte sein Aus bedeuten. Die Haftentlassung des "Welt"-Journalisten Deniz Yücel in der Türkei war allerdings auch sein Erfolg. Gabriel hat noch ein Bundestagsmandat, könnte aber wieder öfter daheim in Goslar sein.
  • Katarina Barley, 49: Nennt sich selbst ironisch "Universalwaffe" der SPD, mit ihrer optimistischen Art kommt die bisherige Familienministerin an. Die Tochter eines britischen Journalisten und einer deutschen Ärztin wird auch für das Außenministerium gehandelt, sie wäre dort die erste Frau im Amt. Auch denkbar, dass sie das Arbeitsministerium übernimmt. Ein Schlüsselressort: Es hat den größten Einzeletat - mit den Ausgaben für Renten und Arbeitsmarkt werden rund 130 Milliarden Euro im Jahr ausgegeben. 
  • Hubertus Heil, 45: Seit 1998 im Bundestag. Der Niedersachse hat sich vor allem als Bildungs- und Wirtschaftsexperte einen Namen gemacht. War auch schon zwei Mal Generalsekretär, gilt als ein Kandidat, der das Arbeits- und Sozialministerium übernehmen könnte.


Hat Oppermann wieder Pech?

  • Thomas Oppermann, 63: Hatte 2013 Pech, dass er nicht in das Kabinett kam - er oder Frank-Walter Steinmeier lautete die Frage. Steinmeier wurde Außenminister, Oppermann führte die Fraktion. Da nun Nahles Fraktionschefin geworden ist, wurde Oppermann mit dem Posten des Bundestagsvizepräsidenten bedacht. Der Niedersachse, der schon dutzendfach den Brocken hochgewandert ist, ist mit allen Wassern gewaschen und könnte fürs Außenministerium in Frage kommen.
  • Eva Högl, 49: Die Berlinerin ist eine Innen- und Justizexpertin, sie käme für das Justizressort in Frage, wenn Maas ein anderes Ressort übernehmen würde. Sie ist derzeit Vizechefin der Bundestagsfraktion, die Juristin hat sich im Untersuchungsausschuss zur rechten NSU-Terrorzelle im Bundestag einen Namen gemacht.
  • Franziska Giffey, 39: Könnte das ostdeutsche Gesicht der SPD im neuen Kabinett werden. Geboren in Frankfurt/Oder, macht als Bezirksbürgermeistern von Berlin-Neukölln mit klugen Ideen und klarer Kante bei der Verteidigung von Recht und Ordnung von sich reden. Könnte auch eine Option für das Familienministerium sein.

Ein Kandidat der SPD aus dem Osten?

  • Martin Dulig, 44: Auch ein Ost-Kandidat, unklar welches Ressort aber in Frage käme. Wirtschaftsminister in Sachsen, setzte dort auf Konzepte für mehr Bürgernähe wie Küchentischgespräche. Sorgte beim SPD-Bundesparteitag im Dezember für Lacher, als er seinen Ehering am Rednerpult vergaß und ihn später erleichtert zurückbekam.
  • Christina Kampmann, 37: war in Nordrhein-Westfalen von 2015 bis 2017 Familienministerin - wird nun auch für das Bundeskabinett gehandelt; die Bilanz wird von vielen aber kritisch gesehen. Sollte Hendricks ausscheiden, braucht es aber jemanden anderes aus NRW.
  • Barbara Hendricks, 65: Die Umweltministerin würde weitermachen. Da die SPD über neue Gesichter nachdenkt, könnte es aber das Aus bedeuten.


kng / DPA