HOME

Fall Peggy: Was man über den Menschen Uwe Böhnhardt weiß

Am Fundort der Leiche von Peggy K. wurde DNA-Material des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden. Dieser ist seit 2011 tot, lebte zuvor Jahre im Untergrund. Annäherung an einen dunklen Charakter.

Der mutmaßliche NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt wird nun mit dem Fall Peggy in Verbindung gebracht

Der mutmaßliche NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt wird nun mit dem Fall Peggy in Verbindung gebracht

Durch einen DNA-Fund im Fall Peggy gerät der mutmaßliche NSU-Terrorist Uwe Böhnhardt posthum wieder in den Fokus. Wer war der Mann, der Ermittlungen der Bundesanwaltschaft zufolge für den Tod von mindestens zehn Menschen mitverantwortlich ist?

Böhnhardt wurde am 1. Oktober 1977 als jüngster von drei Brüdern im thüringischen Jena geboren. Als er elf Jahre alt war, starb sein älterer Bruder unter bis heute ungeklärten Umständen. Das geht laut "Focus" aus den NSU-Untersuchungsakten hervor. Demnach wurde Peter Böhnhardt 1988, kurz vor seinem 18. Geburtstag, leblos vor der Haustür seiner Eltern in Jena gefunden. Die Eltern gehen demnach davon aus, dass ihr Sohn mit Freunden unterwegs war und beim Klettern auf einer Burgruine abstürzte. "Ob er gestoßen wurde oder von selber fiel, will keiner gewusst haben", sagte Böhnhardts Mutter laut "Focus" Anfang 2012 gegenüber der Polizei.


Uwe Böhnhardt "lustig", aber "aggressiv"

Dieser Vorfall habe Uwe "schwer getroffen". Danach seien seine Leistungen in der Schule eingebrochen. Wenig später soll er auf eine Förderschule gekommen sein, von der er wegen Diebstahls ohne Abschluss flog. Er geriet immer tiefer in den rechten Sumpf. Ein Zeuge im NSU-Prozess sagte aus, dass bereits in Böhnhardts Jugendbande in den 1990er-Jahren Waffen kursiert seien. Böhnhardt und andere Mitglieder hätten über die Kleidung ihre rechtsextreme Gesinnung offen gezeigt, sagte der Mann vor dem Oberlandesgericht München. Die Bande in Jena habe viele Straftaten begangen, darunter Autodiebstähle und Einbrüche.

Böhnhardt bezeichnete der Zeuge als "lustig", er habe ihn aber auch gefürchtet, denn dieser habe "ruck zuck" die Stimmung wechseln und sehr aggressiv werden können. Bei Raubzügen sei er sehr planvoll und "clever" vorgegangen. So habe er nie ein Auto spontan geknackt, wenn es ihm gefiel, sondern immer zuerst sorgfältig die Umgebung beobachtet.

Im Juli 1993 wurde ein neun Jahre alte Schüler tot am Saale-Ufer in Jena gefunden. Der damals 15-jährige Böhnhardt geriet damals ins Visier der Ermittler, wurde als Zeuge befragt. Der Fall ist bis heute nicht aufgeklärt. 2014 wurden die Ermittlungen wieder aufgenommen. Böhnhardt war mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Diebstahl, Körperverletzung und Erpressung.

Die Bildung des NSU

1994 lernt er seine späteren Mittäter Beate Zschäpe und Uwe Mundlos kennen. 1996 beginnt das Trio der "Bundeszentrale für politische Bildung" zufolge mit ihren "Bombenbasteleien". Sie verschicken Bombenattrappen an das Jenaer Rathaus, die Polizei und Zeitungen. Anfang des Jahres 1998 durchsuchen Ermittler angemietete Garagen des Trios und finden unter anderem Sprengstoff und Nazi-Devotionalien. Bei einer dieser Untersuchungen ist Böhnhardt selbst anwesend, doch durch schlechte Koordinierung wissen die Beamten bei ihm nicht, dass bereits ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt. So kann Böhnhardt einfach in sein Auto steigen und davonfahren. Er warnt seine Kollegen und zu dritt tauchen sie ab und verstecken sich fortan vor der Polizei. Der NSU ist geboren.

In den nächsten Jahren begehen die drei den bisherigen Ermittlungen zufolge zahlreiche Verbrechen, darunter: eine Mordserie zwischen 2000 und 2007, der neun Migranten und eine Polizistin zum Opfer fallen, mehrere Sprengstoffanschläge und Raubüberfälle. Im November 2011 wurde Böhnhardt dann tot in einem brennenden Wohnwagen gefunden, nebst der Leiche von Uwe Mundlos. Nach bisherigen Erkenntnissen hat Mundlos Böhnhardt erschossen und dann sich selbst. Böhnhardt galt oft als der zurückhaltendere Typ, der tat, was Mundlos wollte. Beate Zschäpe stellte sich später der Polizei. Der Prozess gegen sie läuft noch.


Hinweise auf Kinderpornografie im NSU-Prozess

Während des Prozesses gab es immer wieder Hinweise in den Bereich des Kindesmissbrauchs und der Kinderpornografie. So wurden verschiedene Bekannte von Böhnhardt in Prozessakten immer wieder mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht, so auch der frühere Anführer des "Thüringer Heimatschutzes", der ehemalige Verfassungsschutz V-Mann Tino B., der wegen Missbrauchs von Jungen im Gefängnis sitzt. 2009 habe die Polizei laut eines Berichts der "Stuttgarter Zeitung" in Suhl zudem Hinweise erhalten, dass B. gemeinsam mit dem V-Mann "Küche" des Verfassungsschutzes Thüringen einen Zuhälterring betreibe, der vor allem rumänische Jungen an Pädophile vermittelte. Das Duo solle zudem "pornografische Filme mit Kindern, welche aus Bulgarien und Rumänien kommen", produziert haben. Auf dem Laptop von Zschäpe wurde zudem kinderpornografisches Material gefunden.