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Vereidigung des Bundespräsidenten: Gauck ruft Bürger zu Mut und Zuversicht auf

Fünf Tage nach seiner Wahl ist Joachim Gauck als Bundespräsident vereidigt worden. In seiner Antrittsrede forderte das Staatsoberhaupt zur Zuversicht auf - und geißelte den Rechtsextremismus.

Der neue Bundespräsident Joachim Gauck hat die Menschen in Deutschland in seiner ersten wichtigen Rede zu Mut und Zuversicht aufgerufen. "Ich bitte Sie alle, mutig und immer wieder damit zu beginnen, Vertrauen in sich selbst zu setzen", sagte Gauck am Freitag nach seiner Vereidigung in einer gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat. Weiter mahnte er, trotz Euro-Krise den Glauben an Europa nicht zu verlieren. Zugleich forderte er ein entschlossenes Vorgehen gegen den Rechtsextremismus.

Fünf Tage nach seiner Wahl als gemeinsamer Kandidat von CDU/CSU, SPD, FDP und Grünen war der 72-Jährige zuvor als Präsident vereidigt worden. Der frühere evangelische Pastor und DDR-Bürgerrechtler sprach den Amtseid mit der Formel "So wahr mir Gott helfe". In der gemeinsamen Sitzung waren fast alle Altbundespräsidenten dabei, darunter auch Gaucks unmittelbarer Vorgänger Christian Wulff (CDU), der vorzeitig zurückgetreten war. Gauck ist nun der elfte Präsident der Bundesrepublik Deutschland.

Gauck will Wulffs Integrationsbemühungen fortsetzen

In seiner Rede versprach das neue Staatsoberhaupt, Wulffs Engagement für eine bessere Integration von Menschen mit Migrationshintergrund fortzusetzen. Alle Menschen, die in Deutschland leben, sollten sich hier auch zu Hause fühlen können. "Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten sind, auch andere Sprachen, andere Traditionen und Kulturen", sagte Gauck. Als Wunschbild nannte er ein Deutschland, das "soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegschance" miteinander verbindet. Niemand dürfe den Eindruck haben, kein Teil der Gesellschaft zu sein, weil er "arm, alt oder behindert" sei.

Gauck erinnerte an ein Zitat des indischen Pazifisten Mahatma Gandhi (1869-1948), wonach nur ein Mensch mit Selbstvertrauen Fortschritt machen und Erfolge haben könne. Dann fügte er hinzu: "Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld oder Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, davon haben wir nicht nur geträumt. Das haben wir gelebt und gezeigt."

Das neue Staatsoberhaupt rief zu einer entschlossenen Abwehr des Rechtsextremismus auf. "Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich", sagte er unter großem Beifall. An die Adresse der Rechtsextremisten fügte er hinzu: "Ihr werdet Vergangenheit sein, und unsere Demokratie wird leben." Mit Blick auf die deutsche Geschichte nannte er Deutschland ein "Land des Demokratiewunders".

Gauck fordert mehr Mut zu Europa

Gauck mahnte, auch in der Euro-Krise nicht am europäischen Gedanken zu zweifeln. "Das Ja zu Europa gilt es zu bewahren." Gerade in Krisenzeiten sei die Neigung besonders ausgeprägt, sich in den Nationalstaat zu flüchten. Das europäische Miteinander sei aber ohne den "Lebensatem der Solidarität" nicht gestaltbar". "Gerade in der Krise heißt es deshalb: Wir wollen mehr Europa wagen."

Immer wieder wurde Gaucks Rede von Beifall unterbrochen. Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) betonten, dass Gauck 23 Jahre nach dem Fall der Mauer der erste Ostdeutsche im höchsten Staatsamt sei. Sie dankten dem zurückgetretenen Präsidenten Wulff und seiner Frau Bettina für ihre Arbeit. Lammert gab sich überzeugt, Gauck werde als Staatsoberhaupt ein neues Kapitel in der deutschen Einheitsgeschichte schreiben. Der neue Bundespräsident werde von einer Woge der Sympathie getragen. Es sei ihm und seinem Amt zu wünschen, dass dies so bleibt, nicht nur am Beginn einer fünfjährigen Amtszeit.

mlr/DPA/Reuters / DPA / Reuters