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Aschewolke sorgt für Chaos: Testflug in die Wolke

Tausende Reisende sitzen an Flughäfen fest. Doch wie gefährlich ist die Aschewolke wirklich? Immer mehr Fluggesellschaften starten zu Testflügen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat nach eigenen Angaben Vulkanasche in der Luft über Süddeutschland belegt. Messungen mit einem Lasergerät auf dem Hohenpeißenberg bei München haben Aschestaub in den Luftschichten zwischen 3000 und 7000 Metern nachgewiesen, sagte ein DWD-Meteorologe am Sonntag in Offenbach bei Frankfurt. Dies könne anhand deutlich gesunkener Messwerte für Ozon gezeigt werden, das mit Stoffen aus der Aschewolke reagiert habe. "Die Wolke ist da."

Zuvor hatten mehrere Fluggesellschaften die Grundlage für die Luftraumsperrungen kritisiert, weil sie auf Computermodellen und nicht auf tatsächlichen Messungen basierten. Der Himmel über weiten Teilen Europas sei nur aufgrund theoretischer Annahmen gesperrt worden, kritisieren Deutsche Lufthansa und Air Berlin. "Durch das Flugverbot, das ausschließlich auf Computerberechnungen beruht, entsteht ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe", sagte der Lufthansa-Konzernsprecher der "Bild am Sonntag". Die Testmaschinen der Airline seien am Samstag bis auf acht Kilometer Höhe aufgestiegen. Es habe bei anschließenden Untersuchungen nicht "auch nur den kleinsten Kratzer" gegeben. "Darum fordern wir für die Zukunft, dass vor einem Flugverbot verlässliche Messungen vorliegen müssen." Auch Air-Berlin-Chef Joachim Hunold kritisierte in dem Blatt, dass der Luftraum nur aufgrund von Computersimulationen dichtgemacht worden sei.

Air Berlin hofft auf Lockerung beim Nachtflugverbot und ein Einlenken der zuständigen Behörden nach einer Öffnung der Flughäfen, sagte eine Sprecherin am Sonntag. Auch müsste nun endlich herausgefunden werden, wie gefährlich die Aschewolke wirklich sei. Die notwendigen Tests müssten vorangetrieben werden.

Testflüge der Fluggesellschaften

Die Fluggesellschaft KLM hat zwischen Amsterdam und Düsseldorf eine Serie von Testflügen zur Überprüfung der Gefahren durch die Aschewolke über Europa gestartet. Eine Boeing 737 mit 20 Besatzungsmitgliedern sei am Sonntagmorgen von Amsterdam-Schiphol nach Düsseldorf geflogen, teilte eine KLM-Sprecherin mit. Die Maschine sei um 08.30 Uhr gestartet und inzwischen in Düsseldorf sicher gelandet. Acht weitere Testflüge sollten im Laufe des Tages folgen, fügte die Sprecherin hinzu.

Auch im Ausland seien Flugzeuge ohne Probleme gestartet. Bei Testflügen am Samstag hatte auch die Lufthansa keine Beschädigungen festgestellt. Der Konzern flog zehn Flugzeuge ohne Passagiere von München nach Frankfurt und testete Höhen bis 8000 Meter. Dabei wurden dem Konzern zufolge weder die Cockpit-Fenster noch der Rumpf oder die Triebwerke beschädigt. Die Wolke hat in großen Teilen Europas den Flugverkehr zum erliegen gebracht.

Angst vor Triebwerkschäden

Die Deutsche Flugsicherung hatte die Sperrung des Luftraums über Deutschland für reguläre Passagierflugzeuge wegen der Aschewolke am Sonntagmorgen bis 20.00 Uhr verlängert. Über das weitere Vorgehen solle im Laufe des Tages entschieden werden, teilte eine Sprecherin am Sonntagmorgen mit. Die Lufthansa hatte bereits zuvor erklärt, sie streiche sämtliche Flüge bis Sonntag 20.00 Uhr. Der Flugverkehr in weiten Teilen Europas war in den vergangenen Tagen nach und nach mit der Begründung eingestellt worden, dass die Asche die Triebwerke der Flugzeuge beschädigen und die Fenster blind machen könnte.

Das seit Freitag herrschende Flugverbot hatte Tausende Reisende an Flughäfen stranden lassen, einen Ansturm auf die Bahn und auf Mietwagen ausgelöst und auch die Reisepläne von Politikern wie Bundeskanzlerin Angela Merkel empfindlich durcheinander gebracht. Die Behörden befürchteten, dass die Ascheteilchen aus einem Vulkanausbruch in Island die Triebwerke von Flugzeugen lahmlegen könnten. Die Deutsche Bahn bereitet sich auch für den Sonntagnachmittag auf einen stärkeren Andrang als an normalen Wochenenden vor. Wegen der Sperrung des europäischen Luftraums werde jeder verfügbare Zug eingesetzt, sagte ein Bahnsprecher am Sonntag. Auch seien zusätzliche Mitarbeiter auf den Bahnhöfen und an den Servicestellen, um Reisende zu informieren. Vor allem auf den ICE-Strecken rechnet die Bahn am Nachmittag mit mehr Reisenden als sonst.

Die deutschen Botschaften im Ausland haben der Betreuung von Reisenden Vorrang eingeräumt, die wegen der Aschewolke aus Island gestrandet sind. Botschaften und Konsulate bemühten sich, betroffenen Deutschen in individuellen Notlagen zu helfen, erklärte Außenminister Guido Westerwelle am Sonntag in Berlin. Das Krisenzentrum des Auswärtigen Amtes stehe in engem Kontakt mit dem Reiseverband und beobachte die Lage genau. Alle Auslandsvertretungen seien angewiesen worden, der konsularischen Betreuung gestrandeter Deutscher höchste Priorität einzuräumen.

Flüge gestrichen

Die Fluggesellschaft Air Berlin streicht alle Flüge bis Montag 2.00 Uhr. Die Airline folge damit einer Empfehlung der Deutschen Flugsicherung (DFS) und der europäischen Flugsicherung Eurocontrol, teilte Air Berlin am Sonntag mit. Der Reisekonzern TUI hat alle Flugreisen bis Sonntag Mitternacht abgesagt. Es sei weiter nicht abzusehen, wie lange die Sperrung der Flughäfen dauere, teilte TUI am Sonntagmorgen mit. Der deutsche Luftraum ist wegen der Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull bis mindestens 20.00 Uhr am Sonntag geschlossen. Die TUI-Absage gilt unabhängig von der Fluggesellschaft, auf die der Konzern seine Urlauber gebucht hat. Am späten Nachmittag werde TUI entscheiden, ob die für Montag geplanten Flüge stattfinden könnten.

Die Sprecherin von Air Berlin sagte, dass es bei der Fluggesellschaft derzeit keine Überlegungen zu personellen Konsequenzen aus der beispiellosen Naturkatastrophe gibt: "Es gibt keine Planungen dazu." Die Fluggesellschaft SAS hatte am Samstag angekündigt, von Montag an 2500 Beschäftigte in Norwegen unbezahlt freizustellen.

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