HOME

1. Bundesliga: Der sportal.de-Trainer-Index zur Winterpause

Die Winterpause steht vor der Tür und wir verzeichnen erst zwei Trainerentlassungen. Hat die Bundesliga tatsächlich dazugelernt? Passend dazu bewerten wir in unserem Index wieder die Arbeit aller Coaches. Gemessen an den Ansprüchen und Vorgaben gibt es Punkte, vier Trainer erreichen mit 100 das Optimum.

Zum dritten Mal in dieser Saison haben wir alle 18 Bundesligatrainer bewertet und unseren Trainer-Index dabei zur Anwendung gebracht. Im August skizzierten wir die Anforderungen, die wir für die jeweiligen Coaches sehen, im Oktober nahmen wir zum ersten Mal eine Bewertung nach dem Indexsystem vor.

Ziel war und ist es, die Arbeit aller Bundesliga-Trainer realistisch und unabhängig von kurzzeitigen Trends zu betrachten. Welche Ziele und Ansprüche haben die jeweiligen Clubs und passt der Trainer noch zu diesen Vorgaben. Erfreulich ist dabei zu beobachten, dass auch bei den Verantwortlichen in der Liga ein Umdenken stattgefunden hat, bisher gab es erst zwei Trainerentlassungen, Ralf Rangnick trat wegen zu hoher Belastung freiwillig zurück.

Thorsten Fink und Huub Stevens, die im Herbst noch nicht bewerrtet werden konnten, sind diesmal neu dabei, in Berlin haben wir dafür diesmal aus aktuellem Anlass keine Einstufung vornehmen können.

Zur Erinnerung noch einmal unsere Kriterien:

100: An der Arbeit dieses Trainers gibt es nichts auszusetzen.

75-100: Nicht alles läuft nach Plan, es lassen sich auch mehr oder minder gewichtige Probleme identifizieren, die der Coach in den Griff bekommen sollte. Für einen Trainerwechsel gibt es gleichwohl nicht den geringsten Anlass.

50-75: Die Ziele werden bislang deutlich verfehlt, und das nicht ohne Verschulden des Trainers. Personelle Konsequenzen wären allerdings eher falsch und würden die Probleme nicht beheben. Aber mittelfristig sollte eine klare Besserung eintreten.

25-50: Deutlicher und anhaltender Misserfolg. So kann es nicht weitergehen, und die Aussichten einer klaren Besserung der Lage müssen skeptisch beurteilt werden. Ob jedoch eine Entlassung Sinn macht, hängt immer noch vom Zeitpunkt und vor allem von den Alternativen ab.

0-25: Es verspricht wenig, so weiter zu machen wie bisher.

Und so sehen wir die Bundesligatrainer nach Abschluss der Hinrunde, sortiert nach dem realen Tabellenplatz nebst Punktzahl:

1. Jupp Heynckes (Bayern München, 37 Punkte)

Zu meckern gäbe es immer was. Natürlich hätten die Bayern ein paar Niederlagen vermeiden könne, sicherlich auch bei einigen Siegen glanzvoller spielen können... Aber jetzt wollen wir auch mal nicht pingeliger als der Papst sein. Herbstmeister, souveräner Gruppensieger in der Champions League und auch noch das Viertelfinale im Pokal erreicht. Mehr geht nun wirklich nicht. Heynckes liegt voll im Soll und darf noch dazu für sich verbuchen, dass er nach dem Streit und Zank des letzten Jahres den FCB endlich hat zur Ruhe kommen lassen. 
Indexwert 100 (Oktober 100) 

2. Jürgen Klopp (Borussia Dortmund, 34 Punkte)

Die Dortmunder gehen nach dem hart erkämpften Erfolg im DFB-Pokal bei Fortuna Düsseldorf zwar mit einer gewissen Euphorie in die Pause, die naiven Auftritte in der Champions League verwehren aber eine rundum gelungene Bewertung der Arbeit von Jürgen Klopp. In der Bundesliga ist der BVB wieder klar auf Kurs, international ist auch nach zwei Spielzeiten in Europa und Champions League überhaupt kein Lerneffekt auszumachen. Deshalb bleibt der Wert unverändert unter dem optimalen Wert.
Indexwert 90 (Oktober 90) 

3. Huub Stevens (Schalke 04, 34 Punkte)

Stevens hat Schalke schnell seinen Stempel aufgedrückt. Er formte die Mannschaft zu einer Einheit und verpasste ihr nicht zuletzt dank der geglückten Reintegration des eigentlich schon ausgemusterten Jermaine Jones eine stabile Grundordnung, aus der Schalke höchst erfolgreich operiert und Stevens früherem Ruf als Defensivfanatiker zum Trotz mittlerweile hinter Bayern sogar die zweitmeisten Tore der Liga erzielt hat. In zehn Spielen unter Stevens wurden so 22 Punkte eingefahren, in der Europa League gewann Schalke ungeschlagen die Gruppe und in Mönchengladbach kann man im Moment ohne Scham aus dem DFB-Pokal ausscheiden. Soll mehr als erfüllt.
Indexwert 100 (Oktober nicht bewertet) 

4. Lucien Favre (Borussia Mönchengladbach, 33 Punkte)

Die Arbeit von Lucien Favre kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Erst führte der Schweizer die Borussia mit gelungener Defensivtaktik zum Klassenerhalt und kümmerte sich im zweiten Schritt um das für sein Spielermaterial passende Offensiv-System. Der Anspruch an Favre lautete, die Gladbacher aus der Abstiegszone fernzuhalten, mittlerweile beträgt der Vorsprung auf Rang sieben satte zehn Punkte und die Fohlen-Elf steht zudem im Viertelfinale des DFB-Pokals. Soll übererfüllt klingt fast schon untertrieben.
Indexwert 100 (Oktober 100)

5. Thomas Schaaf (Werder Bremen, 29 Punkte)
Gerade hat Thomas Schaaf seinen Vertrag in Bremen verlängert. Verdiente Wertschätzung seiner jahrelangen Arbeit, die wir jedoch nicht mehr ganz so unkritisch begleiten wie noch im Oktober. Zu schlecht sah Werder in den Auswärtsspielen in Mönchengladbach (0:5), München (1:4) und Schalke (0:5) aus. Die Mannschaft ist von Naldo und Claudio Pizarro viel zu abhängig, eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Spielweise ist momentan nicht zu erkennen. Von der Tabellensituation her liegt Bremen allerdings im Soll.
Indexwert 80 (Oktober 100)

6. Robin Dutt (Bayer Leverkusen, 26 Punkte)

Gerade erst 0:3 gegen Nürnberg, und wir bewerten Robin Dutt besser als zuvor? Das hat zwei Gründe. Zum einen erreichte Bayer 04 das Achtelfinale in der Champions League aus einer schweren Gruppe heraus, und zum anderen rangiert das Team drei Plätze höher als noch vor zwei Monaten. Davon, dass die Ziele "klar verfehlt" würden, kann man so gesehen nicht sprechen. Doch vor der Saison stellten wir einen Platz unter den ersten Vier der Bundesliga als wichtigstes Ziel für Bayer 04 heraus. Dafür fehlen schon sieben Punkte. Wird schwer.
Indexwert 77 (Oktober 65)

7. Mirko Slomka (Hannover 96, 23 Punkte)

Leichte Abzüge gibt es für Mirko Slomka. Warum? Weil sich die Anzeichen mehren, dass das Erfolgrezept der Vorsaison sich etwas verbraucht hat. Wohl gemerkt ist das eine Kritik auf hohem Niveau, denn Platz sieben ist für diesen Kader gerade unter dem Vorzeichen der ungewohnten Doppelbelastung eine tadellose Bilanz. Dass nach dem Sieg gegen Bayern nur noch zwei von elf Spielen gewonnen wurden, und die beide in der Europa League, deutet jedoch wie gesagt einen eher negativen Trend an, der in der Rückrunde schnell gestoppt werden muss. Die Europa League darf da nur zweitrangig sein.
Indexwert 88 (Oktober 100)

8. Bruno Labbadia (VfB Stuttgart, 22 Punkte)

Die Schlüsselsaison von Bruno Labbadia hat weiterhin überwiegend Positives zu bieten. Labbadia hat Kontinuität in seine Arbeit gebracht und scheinbar aus den Fehlern in Hamburg und Leverkusen gelernt, eine Abnutzung seiner Methoden ist nicht zu erkennen. Die Stuttgarter haben, wie von uns gefordert, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun und können stattdessen sogar mit der Europa League liebäugeln. Auch im DFB-Pokal ist der VfB noch dabei, das Heimspiel gegen den FC Bayern könnte zu einem Highlight der Saison werden. Abzüge gibt es trotzdem, denn in einigen Spielen wurden leichtfertig Punkte liegen gelassen.
Indexwert 95 (Oktober 98)

9. Holger Stanislawski (TSG Hoffenheim, 22 Punkte)

Den größten Absturz legt der Hoffenheimer Coach Holger Stanislawski hin. Zu Beginn der Saison sah es tatsächlich so aus, als wenn der Hamburger seinem Team ein neues Gesicht, dem Club dadurch sogar ein besseres Image verpassen könnte. Doch seit dem guten Spiel gegen den FC Bayern ist viel Wasser den Neckar hinunter geflossen. Auch Stanislawski kämpft mit Undiszipliniertheiten einzelner Spieler, mit dem Phlegma in seinem Kader und mit völlig unnötig aus der Hand gegebenen Spielen. Von Abstiegsgefahr kann zwar weiter nicht geredet werden, der in Interviews häufig unleidlich wirkende Stani hat den Stempel aber noch nicht gefunden, den er der TSG aufdrücken sollte.
Indexwert 75 (Oktober 100)

10. Stale Solbakken (FC Köln, 21 Punkte)
Die guten Leistungen des FC und die schlechten Darbietungen liegen so weit auseinander, dass man weiterhin nicht genau weiß, woran man bei Stale Solbakken ist. Dass die örtliche Presse noch vor zwei Wochen schon wieder von Europa träumte, hat sich nach einem Punkt aus den letzten beiden Spielen der Hinrunde auch schon wieder erledigt, und die Ultradefensivtaktik in Überzahl bei den Bayern wird nicht als Meisterstück in die Trainergeschichte eingehen. Andererseits war die zweite Hälfte der Hinrunde etwas besser als die erste, und punktemäßig liegt Köln im Soll.
Indexwert 85 (Oktober 80)

11. Michael Skibbe (Hertha BSC, 20 Punkte)

Der erste Arbeitstag von Michael Skibbe als neuer Hertha-Trainer kommt erst im Januar, seine Arbeit wird erst im Laufe der Rückrunde bewertet. Gäbe es einen Manager-Index, würde Michael Preetz nach dem unnötigen Rauswurf von Markus Babbel aber wohl keinen guten Wert erhalten.

12. Felix Magath (VfL Wolfsburg, 20 Punkte)
Wie im Herbst ist Felix Magath der Bundesligatrainer, der, gemessen an den ihm zur Verfügung stehenden Mittel, am schlechtesten bewertet werden muss. Es ist nicht nur die am Rande der Abstiegszone absolvierte Hinrunde, die gegen den ehemaligen Meistercoach spricht, sondern der Gesamteindruck, der sich auch aus zahlreichen Beispielen für misslungene Menschenführung speist. Ein Trainerwechsel mitten in der Saison würde in der aktuellen Wolfsburger Lage jedoch große Risiken bergen, weshalb wir den Wert nicht unter 50 angesiedelt haben.
Indexwert 50 (Oktober 58)

13. Thorsten Fink (Hamburger SV, 19 Punkte)

Ganze neun Partien hat es gedauert, bis der neue HSV-Coach Thorsten Fink nach einem Spiel über eine Niederlage reden musste. Der DFB-Pokal wäre zwar wohl die einzige Möglichkeit gewesen, internationalen Fußball nach Hamburg zurückzuholen, aber der Aufbau eines neuen Teams und der Abstiegskampf sollten in der Hansestadt absolute Priorität genießen. Fink tritt sehr souverän auf, vermittelt bei jeder Gelegenheit das Sieger-Gen und hat einer total verunsicherten Mannschaft wieder Stabilität geschenkt. Mehr ging nicht.
Indexwert 100 (Oktober nicht bewertet)

14. Thomas Tuchel (Mainz 05, 18 Punkte)

Die nackten Ergebnisse zeigen schon, in welch schwieriger Saison die Mainzer stecken. Frühes Aus in der Europa League, nach zwischenzeitlich neun Spielen ohne Sieg nur Rang 14 in der Bundesliga und nun die Pleite im DFB-Pokal bei Holstein Kiel. Trotzdem kann der FSV die Vorgabe Klassenerhalt locker erreichen. Allerdings muss Thomas Tuchel in den kommenden Monaten unter Beweis stellen, ob sich seine Methoden möglicherweise abgenutzt haben und er der Mannschaft noch die richtigen Dinge vermitteln kann. Auch seine Außendarstellung (Schiedsrichterkritik) könnte verbessert werden.
Indexwert 77 (Oktober 81)

15. Dieter Hecking (FC Nürnberg, 18 Punkte)

Noch im Oktober gab es für Dieter Hecking die volle Punktzahl, denn nach der überzeugenden Vorsaison legte der Club wieder einen guten Saisonstart hin. Doch seitdem stimmten die Leistungen nur noch selten, eine sorgenfreie Spielzeit werden die Nürnberger nicht erleben. Die Abstiegszone ist gefährlich nah und nur deshalb nicht schon angekommen, weil am letzten Spieltag mit dem 3:0 in Leverkusen eine Überraschung gelang – das Aus im DFB-Pokal gegen Fürth hat aber für neue Wunden gesorgt. Der Weg mit jungen Spielern ist weiterhin lobenswert, der sportliche Erfolg – sprich Klassenerhalt – muss aber darüber stehen.
Indexwert 90 (Oktober 100)

16. Marco Kurz (FC Kaiserslautern,16 Punkte)

Der neue Trend, möglichst lange an Trainern festzuhalten, wird in Kaiserslautern in besonderer Art und Weise gelebt. Marco Kurz hatte seit dem Aufstieg vor eineinhalb Jahren einige schlechte Serien zu überstehen, wirklich zur Disposition stand er bei Boss Stefan Kuntz nie. Denn realistisch betrachtet kann es mit diesem Kader nur um Platz 15 gehen. Derzeit steht Lautern auf dem Relegationsplatz, 13 Tore in 17 Spielen sind aber ein katastrophaler Wert – hier muss Kurz in der Rückrunde ansetzen.
Indexwert 85 (Oktober 85)

17. Jos Luhukay (FC Augsburg, 15 Punkte)

Im Oktober war unser Fazit eindeutig: Der Kader der Augsburger ist nicht bundesligareif, unter diesen Voraussetzungen machte Jos Luhukay trotzdem einen guten Job. Doch die Vorzeichen haben sich geändert, aus der guten ist eine hervorragende Arbeit geworden und der Klassenerhalt ist kein unrealistisches Szenario mehr. Der FCA ist konkurrenzfähig und das ist in erster Linie der Verdient von Luhukay.
Indexwert 95 (Oktober 82)

18. Marcus Sorg (SC Freiburg, 13 Punkte)
Seit dem achten Spieltag hat der Sportclub sechs Punkte in neun Spielen geholt. Der FC Augsburg sammelte im gleichen Zeitraum elf Zähler ein, fast doppelt so viele. Das ist deshalb so bemerkenswert, weil die Schwaben als wohl einziger Bundesligist einen objektiv noch schlechteren Kader haben als die Badener. Aber in Augsburg ist eine klare Tendenz nach oben zu erkennen, die Mannschaft ist mittlerweile in jedem Spiel konkurrenzfähig. Das kann man von Freiburg nicht behaupten. Zudem scheinen die Nerven bei Marcus Sorg auch in Sachen Schiedsrichter inzwischen blank zu liegen, und das rettende Ufer ist schon fünf Punkte entfernt. Immerhin scheint die Mannschaft intakt, was die späten Punktgewinne der letzten Wochen belegen. 
Indexwert 65 (Oktober 84)

Daniel Raecke, Malte Asmus und Marcus Krämer 

sportal.de / sportal

Wissenscommunity