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Bundesliga im stern-Check: Ribérys Bart muss ab

Die Bayern freuen sich über die erfolgreiche Rückkehr von Ribéry, der mit langem Bart daherkommt. Leider. Ohne Bart feierte Kagawa beim BVB ein brillantes Comeback. Nur der HSV bereitet weiter Sorgen.

Von Tim Schulze

Schon wieder gut in Form: Franck Ribéry besiegelt mit seinem Tor zum 2:0 die Niederlage der Stuttgarter

Schon wieder gut in Form: Franck Ribéry besiegelt mit seinem Tor zum 2:0 die Niederlage der Stuttgarter

So liefen die Spiele

Bayer Leverkusen - Werder Bremen 3:3
Bayern München - VfB Stuttgart 2:0
Borussia Dortmund - SC Freiburg 3:1
1899 Hoffenheim - VfL Wolfsburg 1:1
Hertha BSC - FSV Mainz 05 1:3
SC Paderborn - 1. FC Köln 0:0
Bor. Mönchengladbach - FC Schalke 04 4:1
Eintracht Frankfurt - FC Augsburg 0:1
Hannover 96 - Hamburger SV 2:0

Aufreger des Spieltags

Wer nach mehr Technik im Fußball ruft (Torlinientechnik, Videobeweis), um gravierende Fehlenscheidungen zu verhindern, sollte Schiedsrichter Manuel Gräfe genau zuhören. Der bedauernswerte Unparteiische und die Mannschaft von Eintracht Frankfurt wurden nämlich Opfer einer versagenden Technik. Der Augsburger Dominik Kohr hatte den Frankfurter Vaclav Kadlec im Strafraum umgerissen. Zum Leidwesen der Eintracht blieb die Pfeife von Schiedsrichter Manuel Gräfe aber stumm. So weit, so gut. Außergewöhnlich war die Begründung. Gräfe, offensichtlich von einem schlechten Gewissen geplagt, berichtete von einem defekten Headset. So habe das Schiedsrichter-Gespann nicht kommunizieren können. Der vierte Offizielle hatte das Foul nämlich klar erkannt. "Herr Gräfe ist zu mir gekommen und hat gesagt: 'Tut mir leid, das war ein klarer Elfmeter'", erzählte auch Eintracht-Trainer Thomas Schaaf. Da fragt man sich selbstverständlich, warum der vierte Schiedsrichter nicht einfach zu Gräfe auf das Feld gelaufen ist. Darf er das nicht?

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Gerademal 18 Jahre ist er alt und doch gehört er schon zur Stammelf von Bayer Leverkusen. Tin Jedvaj aus Kroatien nagelte am Freitagabend den Ball unhaltbar in die Maschen des Bremer Tores und untermauerte sein gewaltiges Talent. Sein Tor war die Führung im aufregendsten Spiel des 3. Spieltages. Es sollten noch drei Aluminium-Treffer durch Leverkusen und insgesamt fünf Tore folgen. Am Ende stand es 3:3. Für Jedvaj, der vom AS Rom ausgeliehen ist, war es bereits das zweite Saisontor. Der rechte Außenverteidiger gehört zu den jungen Wilden von Bayer, die unter Trainer Roger Schmidt die Liga mit spektakulären Offensivfußball aufmischen.

Perfekte Schusshaltung: Tin Jedvaj zieht ab und nagelt den Ball unter die Latte

Perfekte Schusshaltung: Tin Jedvaj zieht ab und nagelt den Ball unter die Latte

Gewinner des Spieltages

Zugegeben, manchmal möchte man Dortmund-Fan sein. Die Heimholung des verlorenen Sohnes Shinji Kagawa zu seinen alten Kumpels von Borussia Dortmund ist wirklich herzerweichend. Zwei Jahre war er in der kaltherzigen Premier League bei Manchester United, doch die Engländer konnten mit dem feinen Techniker nichts anfangen. Dabei hält Ziehvater Jürgen Klopp ihn für einen der besten Zehner der Welt. Punkt. Als Kagawa vor dem Spiel gegen Freiburg ins Dortmunder Stadion einlief, sangen die Fans laut wie selten ihren berühmten Kagawa-Song: "Kagawa Shinji ooohh". Wer so frenetisch empfangen wird, spielt automatisch gut. Es war so, als wäre er nie weg gewesen. Beim 3:1-Sieg bereitete Kagawa ein Tor vor, eines schoss er selbst. Besser geht's nicht. Den Kagawa-Song vom Musiker Klaus Neuhaus an der Heimorgel eingespielt, gibt's hier unten. Bitte mitsingen!

Verlierer des Spieltages

Ach, der HSV! Kopfschütteln, Verzweiflung, Depressionen. So in etwa lassen sich die Reaktionen der HSV-Fans und der Verantwortlichen nach der 0:2-Niederlage in Hannover beschreiben. Trotz sieben neuer Spieler in der Startelf setzte es wieder eine Pleite. Der HSV ist nach drei Spieltagen Tabellenletzter. Ein Pünktchen hat er immerhin ergattert, nur ein Tor fehlt. Die ärmste Sau ist dabei Trainer Mirko Slomka. Dem hat in Hamburg noch nie niemand etwas zugetraut, weil sie in Hamburg grundsätzlich jeden klein kriegen, Spieler wie Trainer. Neu-Boss Dietmar Beiersdorfer traue Slomka nicht zu, die Mannschaft aus der Krise zu führen, heißt es in der Hansestadt. Das ist genau der Missmut im Umfeld des Vereins wie unter vielen Fans, der die Rothosen immer wieder nach unten zieht. Wir wagen mal eine Prognose: Slomka darf sich demnächst seine Abfindung abholen, dann kommt Thomas Tuchel, der nach einem halben Jahr entnervt den FC Al Ahli in Dubai übernimmt, weil das Wetter dort besser ist.

Bild des Tages

Holger Badstuber hat sich erneut schwer verletzt

Holger Badstuber hat sich erneut schwer verletzt

Wie viel Pech kann ein Fußballer haben? Ziemlich viel. Das Bild des Tages ist der auf dem Rasen liegende Bayern-Verteidiger Holger Badstuber, früherer Nationalspieler. Da hat er sich nach zwei Kreuzbandrissen und 20 Monaten Pause zurück in die Startelf des FC Bayern gekämpft, als er im Spiel gegen Stuttgart ohne Fremdeinwirkung einen Muskelsehnenriss im linken Oberschenkel erleidet. Er muss jetzt operiert werden und wird "längerfristig" ausfallen. Das hört sich nach mehreren Monaten an. Aber er wird zurückkommen, das ist sicher.

Das ist so eine Sache mit dem Bart von Franck Ribéry

Das ist so eine Sache mit dem Bart von Franck Ribéry

Die Frage des Tages: Wann kommt der Bart ab?

Es steht einem nicht zu, über den Stil von Fußballern zu richten. Vieles ist selbstverständlich Geschmackssache. Von den vielen Tätowierungen ganz zu schweigen. Aber bei einem Ausnahmefußballer wie Franck Ribéry, ja, da muss man seine Stimme erheben. Die langen Fusseln, die sein Gesicht neuerdings zieren, sind einfach nicht schön. Sie lenken einen nur vom fintenreichen Spiel des Franzosen ab. Ribéry folgt leider einer Mode, die jetzt schon seit längerem das ästhetische Empfinden stilbewusster Menschen strapaziert. Fehlt nur noch, dass er sich eine von den fiesen Schlumpfmützen aufzieht. Solange er einen kurzen Kinnbart trug, war es okay, aber jetzt ist das Maß voll! Weg mit der Gesichtswolle! Doch es soll um das Wesentliche gehen: Ribéry feierte nach langer Verletzungspause ein erfolgreiches Comeback bei den Bayern, nach seiner Einwechslung erzielte er das 2:0 gegen Stuttgart. Das ist ein hoffnungsvolles Zeichen für den Rekordmeister, dessen Verletzungsliste ziemlich lang ist. Schließlich startet jetzt die Champions League.

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