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Fußball Die ersten Tops und Flops der Bundesliga-Saison


Fäkalienwerfer, Fohlen und Tempodribbler - die Fußball-Bundesliga bot schon an den ersten drei Spieltagen jede Menge Unterhaltung. Bei wem's läuft - und bei wem nicht.
Von Klaus Bellstedt

Die neue Bundesliga-Saison ist erst drei Spieltage alt - und trotzdem schon reich an Erkenntnissen. Wir haben für Sie die Tops und Flops aus dem Tollhaus Bundesliga zusammengestellt.

Das sind die Verlierer:

Der 1. FC Köln und seine "Fans"

Neun Gegentore nach drei Spielen, einen von neun möglichen Punkten: Der 1. FC Köln ist, schon bevor die Saison so richtig in Fahrt kommt, am Tabellenende angekommen. Am Rhein geht es folglich rund. Genau das wollte Präsidenten-Diva Wolfgang Overath eigentlich verhindern. Das Problem: Der neue Trainer Stale Solbakken hat ein Spielkonzept, das konträr zu den in Deutschland üblichen ist. Er orientiert sich mehr am Raum als am Gegner. Seine Mannschaft begreift (noch) nicht. Die ersten beiden Auftritte des FC gegen Wolfsburg und Schalke waren erschreckend kopflos. Beim 1:1 gegen Kaiserslautern war eine leichte Steigerung zu erkennen, trotzdem scheint es für die Kölner ein steiniger Weg zurück in die Spur zu werden.

Erstligauntauglich bzw. völlig daneben verhielten sich auch die "Fans" der Kölner, die im Spiel auf Schalke mit Urin und Fäkalien gefüllte Becher in einen anderen Fanblock warfen. So etwas hat es in der Geschichte der Bundesliga noch nicht gegeben.

Als wäre die Situation nicht schlimm genug, könnte jetzt noch das Unvorstellbare eintreffen: Der abgesetzte Kapitän, das kölsche Urgestein, Prinz Poldi, wird vom türkischen Spitzenclub Galatasaray Istanbul umschwärmt. Neun Millionen Euro an Ablöse und drei Millionen Euro Nettogehalt für Lukas Podolski stehen im Raum. Köln hat zwar schnell abgewunken. Aber solche Reflexe haben im Fußball-Business noch nie viel bedeutet.

Michael Oenning und seine HSV-Kids

Nur einen Platz besser als der 1. FC Köln steht nach drei Spieltagen der Hamburger SV da. Jeder an der Elbe wusste, dass der radikale Umbruch, der in der Sommerpause endlich vollzogen wurde, für den HSV nicht geräuschlos über die Bühne gehen würde. Aber so? Das 0:5 gegen die Bayern war noch schmeichelhaft, bei besserer Chancenauswertung von Robben und Co. hätte es zweistellig werden können. Hilflos, stümperhaft, ja fast schon peinlich präsentierte sich der Bundesliga-Dino beim Gastspiel in München.

Es krankt in allen Mannschaftsteilen, aber besonders in der Abwehr. Die Viererkette ist mit einem Durchschnittsalter von 22,5 Jahren die jüngste der Liga. Das ist ein Problem. Die beiden neuen Innenverteidiger Bruma und Mancienne taumelten gegen die Bayern in der Zentrale herum, dass einem angst und bange wurde. Davor irrte mal wieder völlig neben der Kappe Möchtegern-Leader Heiko Westermann umher.

Hilflos wie seine Mannschaft präsentierte sich auch Michael Oenning beim Debakel gegen die Bayern. Der Trainer nahm die Pleite sozusagen sehenden Auges in Kauf. Korrekturen? Fehlanzeige. Überdies stellte Oenning im vierten Pflichtspiel der Saison die vierte Formation auf. Wo ist sein Masterplan? Wo seine Handschrift? Schon jetzt ist erkennbar: Der HSV steht vor einer ganz schwierigen Saison.

Michael Ballack

35 Minuten lief sich Michael Ballack an der Seitenlinie in der neuen Stuttgarter Arena für seinen Club Bayer Leverkusen warm. Eingewechselt wurde er von Trainer Robin Dutt nicht. Warum auch? Sven Bender und Simon Rolfes, auf der Position im defensiven Mittelfeld Ballacks Konkurrenten, machten beim 1:0-Erfolg von Bayer beide ein herausragendes Spiel. Zuvor, gegen Werder, führte Ballack das Team noch als Kapitän auf das Feld. Er spielte unauffällig, wie so oft in letzter Zeit, wenn er denn überhaupt mal ran durfte.

Dutt hält sich ans Leistungsprinzip. Das muss er als Trainer. Und auch wenn es langsam tragisch für den ehemaligen Kapitän der Nationalmannschaft wird: Ballacks Tage scheinen nun auch in der Bundesliga gezählt. Das ZDF-"Sportstudio" berichtete am Samstag bereits von einem zerrütteten Verhältnis zu Trainer Dutt. Zudem sei ein Abgang von Bayer Leverkusen bis Ende August nicht ausgeschlossen. Ins Ausland oder zum VfL Wolfsburg? Ballack ist out, schon nach drei Spieltagen. Man hätte es ahnen können.

Das sind die Gewinner:

Borussia Mönchengladbachs neue (alte) Power

Vom Fast-Absteiger zum Spitzenreiter: Borussia Mönchengladbach hat einen Traumstart in die neue Saison hingelegt. Aber so richtig überraschend ist das nicht. Saisonübergreifend bedeutete der furiose 4:1-Erfolg über den VfL Wolfsburg das zehnte Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage. Trainer Lucien Favre hat die Mannschaft im Frühjahr in höchster Not übernommen - und seitdem exzellente Arbeit geleistet. Das Team hat eine klare Struktur, Gladbach ist eingespielt. Und das schon seit Monaten. Alle haben sie das Pressing und das schnelle Umschaltspiel verinnerlicht.

Hinzu kommen herausragende Individualisten wie das 19-jährige Torwart-Talent Marc-Andre ter Stegen, der das 1:0 gegen die Bayern festhielt, oder Marco Reus. Beide stechen aus dem Kollektiv hervor. Reus' Tempo-Dribblings erinnern an Arjen Robben. Seine Ballbeherrschung bei Höchstgeschwindigkeit ist atemberaubend. Auch wegen Reus und ter Stegen wird sich die Borussia noch länger oben halten. Wetten, dass?

Arjen Robben (und Franck Ribéry)

Das Schlimme aus der Sicht der nächsten Gegner: Arjen Robben ist nach seiner Verletzung nach eigenen Angaben erst bei "71 Prozent" seines Leistungsvermögens. Gegen den desolaten HSV hat das bereits zu einer Gala-Vorstellung gereicht. Der Holländer glänzte mit einem sehenswerten Tor und einem Assist. Robben ist und bleibt der beste Spieler der Bundesliga. Ist er gesund, sind die Bayern nur ganz schwer zu stoppen. Der Flügelstürmer allein macht den Unterschied. Seinetwegen gehen die Menschen ins Stadion. Robben ist eine Attraktion.

Wenn dann auch noch Franck Ribéry auf der linken Seite immer besser in Schwung kommt, stehen die Bayern wirklich vor rosigen Zeiten. Der Franzose spielte zuletzt endlich wieder so, wie man sich das von ihm in München wünscht: trickreich, schnell und abschlussstark. Ribéry sagt, dass sein Formanstieg an Jupp Heynckes liege. Der würde ihm Vertrauen geben. Ganz anders Louis van Gaal. "Diese Zeit hat mich mehr als angekotzt. Und wenn das so ist, kann ich nicht so spielen, wie ich will und keine Freude am Spiel entwickeln." Ribéry ist eine sensible Diva. Heynckes weiß mit dieser Spezies Spieler bestens umzugehen.

Die Konkurrenz in der Liga sollte gewarnt sein: "Robbery" sind wieder da.

Tollhaus Bundesliga

Fast-Absteiger Gladbach siegt in München, Mainz (ohne Holtby, Schürrle und Fuchs) fidelt Vizemeister Leverkusen weg, und das biedere Hoffenheim gewinnt gegen den Champion aus Dortmund: Die Bundesliga ist im Vergleich zur englischen Premier League, der italienischen Serie A und Spaniens Primera Division auch deshalb viel attraktiver, weil jeder jeden schlagen kann. Auch das ist eine Erkenntnis nach drei Spieltagen. Hinzu kommt, dass die Spiele fast immer höchsten Unterhaltungswert bieten.

Zwei Beispiele: In Bremen sahen die Zuschauer in der Partie gegen Freiburg ein Spektakel. Beim verrückten 5:3 lieferten beide Teams tollen Offensivfußball ab - natürlich auch begünstigt durch fehlerhafte Abwehrreihen. Was die Trainer erzürnt, finden die Fans packend. Oder Schalkes 4:2-Auswärtssieg beim FSV Mainz 05. 0:2 lagen die Schalker zur Pause zurück. Kein Mensch hätte nach den ersten 45 Minuten nur einen Cent auf die Mannschaft von Ralf Rangnick gesetzt. Dann erzielte seine Truppe innerhalb von 33 Minuten vier zum Teil herrlich herausgespielte Tore.

Die Bundeliga begeistert - vielleicht wie nie zuvor.


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