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Steuer-Prozess: Hoeneß zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt

Im Münchner Landgericht ist am Donnerstag ein Urteil im Hoeneß-Prozess gefallen. Der Bayern-Präsident muss für dreieinhalb Jahre in Haft. Lesen Sie die Entwicklungen des Tages im Nachrichtenticker.

+++ 16.40 Uhr: Seehofer ist "menschlich betroffen" +++

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) weist in seiner Reaktion auf die menschliche Dimension der Verurteilung von Uli Hoeneß hin: "Ich bin zuallerst menschlich betroffen, weil eine Freiheitsstrafe natürlich für jeden Menschen, und damit auch für Uli Hoeneß, ein gravierender Eingriff ist", sagt Seehofer am Rande der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin. Als Politiker und Ministerpräsident habe er das Ergebnis eines rechtsstaatlichen Prozesses zu respektieren. Auf die Frage, ob Hoeneß als Präsident und Aufsichtsratschef von Bayern München noch tragbar sei, betont Seehofer, nun werde der Verein erst einmal selbst diskutieren und entscheiden. "Ich möchte das als Ministerpräsident nicht begleiten."

Halten Sie das Urteil im Prozess gegen Uli Hoeneß für gerecht?

+++ 16 Uhr: Stellungnahme des FC Bayern nicht vor Freitag +++

Der FC Bayern München setzt nach dem Urteil gegen Uli Hoeneß eine kurzfristige Beratung der wichtigsten Gremien an. Entsprechenden Gremien des Vereins und der Aktiengesellschaft, also Präsidium, Verwaltungsbeirat und Aufsichtsrat, wollen zusammenkommen. Zeitnah, aber nicht vor dem Freitag, werde man über das Ergebnis informieren, heißt es.

+++ 15.55 Uhr: Netzreaktionen +++

In Anlehnung an den Film Film "The Wolf of Wall Street" über Börsenzockerei:

Der Postillon hat erfahren, dass ein Umbau in der Allianz Arena geplant ist:

+++ 15.50 Uhr: Politik begrüßt das Urteil +++

Bei Politikern quer durch alle Lager stößt das Urteil auf Zustimmung. "Ich halte es für absolut richtig, dass das Urteil so gefallen ist", sagt Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter der Tageszeitung "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). Die stellvertretende Vorsitzende der Linken, Sahra Wagenknecht erklärt: "Das ist ein guter Tag für den Rechtsstaat." Vize-FDP-Chef Wolfgang Kubicki teilt mit, er halte den Richterspruch für angemessen.

+++ 15.35 Uhr: Frankfurt-Boss Bruchhagen "sehr traurig" +++

Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen reagiert emotional auf das Urteil gegen seinen Freund Uli Hoeneß. "Mir tut es unendlich leid für Uli. Ich bin sehr erschrocken über die Vorstellung, dass Uli für seinen Fehler so heftig büßen muss. Ich bin sehr traurig", sagt Bruchhagen. Ligapräsident Reinhard Rauball äußert sich dagegen zurückaltend: "Das Gericht hat das Urteil nach einem gründlichen rechtsstaatlichen Verfahren gefällt. Angesichts des Strafrahmens des Gesetzes war eine derart harte Sanktion nicht ausgeschlossen." Rauball sagt aber auch: "Die Verdienste von Uli Hoeneß um dendeutschen Fußball bleiben trotz seines von ihm selbst eingestandenen Fehlverhaltens unberührt."

+++ 15.07 Uhr: Keine Stellungnahme des FC Bayern München +++

Der FC Bayern München wird sich zum Urteil gegen Präsident Uli Hoeneß nicht äußern. Laut Mediendirektor Markus Hörwick ist dagegen eine kurze schriftliche Erklärung des Aufsichtsrates im Laufe des Tages zu erwarten.

+++ 15 Uhr: Gericht geht erneut von höherer Steuerschuld aus +++

Und nebenbei steigt die Steuerschuld weiter: Das Gericht geht im Fall Hoeneß von einer Steuerschuld in Höhe von 28,5 Millionen Euro aus. Die zuletzt genannte Summe von 27,2 Millionen Euro habe sich erhöht, weil noch Solidaritätszuschlag einberechnet werden müsse, sagt Richter Rupert Heindl bei der Urteilsbegründung.

+++ 14.45 Uhr: Verteidigung kündigt Revision an +++

Hoeneß' Verteidiger kündigt eine Revision des Urteils an. "Wir werden das Urteil natürlich mit Rechtsmittel der Revision angreifen, damit der Bundesgerichtshof entscheiden kann", sagt Feigen. Bis zum 20. März muss die Revision beim Landgericht München II eingereicht werden. "Danach besteht eine Frist von einem Monat, um die Revision zu begründen. Anschließend muss der Bundesgerichtshof die Unterlagen prüfen", sagt Gerichtssprecherin Andrea Titz. Uli Hoeneß bleibt nach dem Urteil vorerst auf freiem Fuß. "Der Haftbefehl gegen Hoeneß bleibt bestehen, wird aber weiterhin ausgesetzt", sagt der Richter.

+++ 14.40 Uhr: Bayern-Aufsichtsrat kommt zu Beratungen zusammen +++

Der Aufsichtsrat der FC Bayern München will kurzfristig zu einer Beratung zusammenkommen und dann "zeitnah über das Ergebnis seiner Beratungen informieren", teilt der Autobauer Audi mit. Audi-Chef Rupert Stadler ist einer der beiden Vizechefs des Aufsichtsrats, dem Hoeneß vorsitzt.

+++ 14.35 Uhr: Fans protestieren vor Gerichtsgebäude +++

Vor dem Münchner Justizpalast versammeln sich zahlreiche Fans, um gegen das Urteil gegen Uli Hoeneß zu protestieren.

Zahlreiche Fans bekunden vor dem Gerichtspalast ihre Unterstützung für Uli Hoeneß.

Zahlreiche Fans bekunden vor dem Gerichtspalast ihre Unterstützung für Uli Hoeneß.

+++ 14.30 Uhr: Unterlagen reichten nicht für wirksame Selbstanzeige +++

Richter Rupert Heindl betont im Gericht, dass auf der Basis der Unterlagen, die Hoeneß zum Zeitpunkt seiner Selbstanzeige vorlagen, keine wirksame Selbstanzeige möglich war. Das Finanzamt hätte nicht die Möglichkeit gehabt, die Selbstanzeige vollständig zu prüfen. Ein Freispruch sei daher "zu keinem Zeitpunkt" zu erwarten gewesen.

+++ 14.15 Uhr: Uli Hoeneß muss drei Jahre und sechs Monaten in Haft +++

Das Landgericht München hat Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Damit spricht das Gericht den Präsidenten des FC Bayern München wegen Steuerhinterziehung in sieben Fallen schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen eines besonders schweren Falls von Steuerhinterziehung für eine Haft von fünf Jahren und sechs Monaten plädiert. Die Verteidigung forderte höchstens eine Bewährungsstrafe. Beide Parteien können in Revision gehen, nächste Instanz ist der Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung haben Stellungnahmen angekündigt.

+++ 14.15 Uhr: Blick in die Sozialen Medien +++

+++ 14.05 Uhr: Sitzungssaal füllt sich, Spannung steigt +++

Der Sitzungssaal füllt sich wieder. Auch Hoeneß, Richter Rupert Heindl und Staatsanwalt Achim von Engel kommen ins Gericht. Vor dem Gebäude versammeln sich viele Schaulustige.

+++ 13.35 Uhr: "SZ" schätzt Hoeneß' Nachzahlung auf 50 Millionen Euro +++

Die Süddeutsche Zeitung hat ausgerechnet, was Uli Hoeneß bei einer Verurteilung tatsächlich nachzahlen müsste. Inklusive aller Zinsen würde die Summe wohl bei knapp 50 Millionen Euro liegen, schreiben die Kollegen.

+++ 12.22 Uhr: Hoeneß schließt sich Anwalt an +++

Uli Hoeneß schließt sich in seinem Schlusswort dem Plädoyer seines Anwalts an. "Ich habe dem Vortrag von meinem Verteidiger nichts hinzuzufügen", so Hoeneß. "Er hat alles gesagt, was ich nicht besser hätte formulieren können." Anschließend legt Hoeneß seiner Frau Susi die Hand auf den Arm und verlässt den Saal 134 im Münchner Justizpalast.

+++ 12.13 Uhr: Bayern-Aufsichtsrat will sich nach Urteil äußern +++

Bayern-München-Aufsichtsrat Martin Winterkorn stellt für den Fall eines Urteils im Steuerprozess gegen den Clubpräsidenten Uli Hoeneß eine Reaktion des Kontrollgremiums in Aussicht. "Wir warten jetzt das gerichtliche Urteil ab und dann äußern wir uns dazu", sagt der Volkswagen-Chef bei der Bilanzvorlage des Autobauers in Berlin. "Wenn heute Nachmittag das Urteil gesprochen wird, wovon ich ausgehe - die Information haben wir auch - dann muss sich der Aufsichtsrat beraten. Vorher nicht."

+++ 11.40 Uhr: Revision wahrscheinlich +++

Am Nachmittag wird es spannend. Sollte Uli Hoeneß zu einer Gefängnisstrafe verurteilt werden, würde die Verteidigung mit ziemlicher Sicherheit eine Revision des Falles beantragen. Verteidiger Feigen betonte bereits, dass es "einen Fall wie Hoeneß" noch nie vor Gericht gegeben habe.

+++ 11.20 Uhr: Urteil wird ab 14 Uhr erwartet +++

Ein Urteil soll nicht vor 14 Uhr verkündet werden, sagt Gerichtssprecherin Andrea Titz.

Eurosport- und Yahoo-Reporter Daniel Rathjen hat im Gericht die Standpunkte der Verteidigung einsehen können:

+++ 11.10 Uhr: Verteidigung fordert höchstens Bewährungsstrafe +++

Die Verteidigung fordert die Einstellung des Verfahrens, andernfalls eine Bewährungsstrafe und die Aussetzung des Haftbefehls gegen Uli Hoeneß. Sie sagt auch: "Eine wirksame Selbstanzeige wurde nur knapp verfehlt. (...) Die Tat wird überlagert von einer vollständigen Rückkehr zur Steuerehrlichkeit", sagt Anwalt Hanns Feigen. "Die Stunde Null dieses Verfahrens ist der 17. Januar 2013. Das war die Rückkehr des Herrn Hoeneß zur Steuerehrlichkeit." Es gebe bisher keine Urteile, wie mit einer solchen fehlgeschlagenen Selbstanzeige umzugehen sei. Uli Hoeneß hat das Schlusswort, der Bayern-Präsident sagt: "Ich habe dem Vortrag von Herrn Feigen nichts mehr hinzuzufügen."

+++ 10.40 Uhr: Feigen sagt, Selbstanzeige dürfe ergänzt werden +++

Die Verteidigung beginnt ihr Plädoyer. Laut Focus Online argumentiert Anwalt Hanns Feigen, mit den Zahlen der Selbstanzeige komme man auf 27,2 Millionen Euro. Er räumt demnach ein, dass es "ein Problem für die Jahre 2006 bis 2009" bestehe. Feigen betont weiter, dass es keine festgelegte Form der Selbstanzeige gebe. Der Verteidiger sagt, dass eine Selbstanzeige im Nachhinein ergänzt werden dürfe, wenn Unterlagen nicht rechtzeitig vorliegen.

+++ 10.20 Uhr: Staatsanwaltschaft fordert fünf Jahre und sechs Monate Haft +++

Staatsanwalt Achim von Engel verkündet: Die Anklage fordert eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten für Uli Hoeneß. Der Staatsanwalt spricht von einem besonders schweren Fall der Steuerhinterziehung. Die Finanzbehörden hätten erst Ende Februar 2014 mit den Zahlen der Selbstanzeige arbeiten können und nicht schon bei Abgabe der Selbstanzeige im Jahr zuvor. Von Engel: "Damit liegen insgesamt die Voraussetzungen für eine wirksame Selbstanzeige nicht vor."

+++ 10.10 Uhr: Staatsanwalt verliest Plädoyer +++

Staatsanwalt Achim von Engel wirft Hoeneß vor, falsche Angaben in seiner Steuererklärung gemacht zu haben, erst als Gerüchte über den stern-Bericht aufkamen, sei Hoeneß aktiv geworden und hätte eine Selbstanzeige verfasst.

+++ 9.50 Uhr: Richter schließt die Beweisaufnahme +++

Richter Rupert Heindl verliest ein Protokoll der Vernehmung von Hoeneß' Steuerberater vor gut einem Jahr. Danach schließt er die Beweisaufnahme. Die Plädoyers beginnen. Staatsanwalt Achim von Engel ist als erster dran. Dann ist die Verteidigung an der Reihe. Das Schlusswort wird der 62 Jahre alte Bayern-Präsident Hoeneß selbst haben. Anschließend wird sich das Gericht zur Beratung zurückziehen.

+++ Gegensätzliche Meinungen auf Twitter +++

In den Sozialen Netzwerken könnte die Stimmung kaum gespaltener sein. @peterzburg fordert Freiheit. @BaliHig findet: Selbstanzeige hin oder her: Bei 27,2 Millionen Euro müsse diese einfach unwirksam sein.

+++ 9.35: Letzter Prozesstag beginnt +++

Uli Hoeneß und seine Verteidiger, Richter Rupert Heindl und die Staatsanwaltschaft sind im Gericht angekommen. Die Türen des Verhandlungssaales schließen sich. Das Urteil im Prozess wird für den Nachmittag erwartet.

+++ 9 Uhr: Großer Andrang vor Justizpalast +++

Am Donnerstagmorgen herrscht vor dem Münchner Justizpalast am Finaltag zum Hoeneß-Prozess großer Andrang. Dutzende Zuschauer stehen dicht gedrängt und warten auf Einlass, so viel los war in dem vier Tage dauernden Prozess noch nie. Das Landgericht München II wird voraussichtlich am Nachmittag das Urteil über den prominenten Steuersünder Uli Hoeneß verkünden.

+++ 8.57 Uhr: Blick in die Presse +++

Die Bild-Zeitung macht am Donnerstagmorgen mit einer eindeutigen Forderung auf. Medium Magazin fragt: Darf man das?

+++ 8.55 Uhr: Zwei Drittel der Deutschen fordern Hoeneß-Rücktritt +++

Knapp zwei Drittel der Deutschen fordern den sofortigen Rücktritt von Steuersünder Uli Hoeneß als Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München. Das ergab eine repräsentative Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov von Montag bis Mittwoch dieser Woche. Demnach sind nur 22 Prozent der Befragten der Ansicht, Hoeneß solle weiter im Amt bleiben, 65 Prozent sprechen sich für den Rückzug aus.

+++ 8.50 Uhr: Knackpunkt bleibt die Selbstanzeige +++

Vor dem entscheidenden Tag im Prozess gegen Uli Hoeneß geht die Verteidigung weiter davon aus, dass die Selbstanzeige wirksam ist. Demnach hätten alle relevanten Daten vorgelegen - übrigens inklusive der 27,2 Millionen Euro, die von einer Zeugin am Dienstag genannt wurden. Gefehlt habe nur eine Beurteilung von Hoeneß‘ Steuerberater, ob zwischen 2006 und 2009 Gewinne angefallen seien. Die Staatsanwaltschaft betont das Gegenteil. "Die Selbstanzeige ist nicht wirksamer geworden", sagt ein Sprecher. Die Zahlen seien für die Finanzbehörden nicht nachrechenbar gewesen.

feh/DPA/AFP/Reuters/DPA/Reuters

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