Runde Scheiben, quadratische Augen

1. Januar 2006, 06:20 Uhr

Viele neue DVDs, wenige echte Highlights: Wer sich auf einen schönen Heimkino-Abend freut, muss aufpassen, dass er keine Niete erwischt. Von Carsten Scheibe

Neue DVDs, Heimkino, DVD

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Batman Begins

In den amerikanischen Comicläden kämpfen die beiden Platzhirsche Marvel (Spider-Man, X-Men, Hulk) und DC (Superman, Batman) erbittert gegeneinander. Zumindest im Kino schien der Kampf nach dem desaströsen Ende der Batman-Serie bereits entschieden. Doch DC hat sich zusammen mit Warner Bros. noch einmal aufgerappelt. „Batman Begins“, gerade auf DVD auch fürs Heimkino erschienen, setzt dem Dunklen Ritter endlich ein würdiges Kinodenkmal.

Au weia. Das ist der Gedanke vieler Batman-Leser, die Frank Millers düstere Interpretation des Dunklen Ritters bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben, angesichts der Kinofilme des letzten Jahrzehnts. Sie sehen Batman als verbitterten, harten Knochen, der von inneren Dämonen dazu getrieben wird, dem Bösen Einhalt zu gebieten. Der Batman als Symbol der Gerechtigkeit, das den Übeltätern Angst und Respekt einbläuen soll: So ist es richtig.

Doch was war bislang davon im Kino zu sehen? In mehreren Fortsetzungen zwängten sich die bekanntesten Schauspieler Hollywoods in blinkende Kostüme, um in einer bonbonfarbenen Comicschlacht zu beweisen, dass gute Drehbücher nicht alles sind. Ausgerechnet dem Beau George Clooney gebührt als Nachfolger der Batmans Michael Keton und Val Kilmer die zweifelhafte Ehre, dem Batman-Mythos in "Batman & Robin" 1997 endgültig den Todesstoß versetzt zu haben - mit einer klamaukigen Gadget-Orgie, die verdächtig an die überzogene TV-Serie aus den Sechzigern erinnerte, als Adam West noch im Kostüm steckte und für jedes Problem stets das entsprechende Gegenmittel aus dem Bat-Gürtel zauberte.

Acht Jahre später wagt es Warner noch einmal. Christopher Nolan nimmt auf dem Stuhl des Regisseurs Platz und inszeniert das neue Batman-Epos „Batman Begins“ als düsteren Neubeginn, der sich eng an die besseren Comicvorlagen hält, die alten Filme völlig ignoriert, und der den Mythos gänzlichst neu entwickelt. Dabei nimmt sich Nolan viel Zeit. Weit über zwei Stunden benötigt er, um den Batman neu zu erschaffen. Das langsame Tempo ist auch dringend notwendig, um nachvollziehbar zu erklären, warum ein Milliardärs-Söhnchen freiwillig in ein Bat-Kostüm krabbelt und die Unterwelt verdrischt. Nolan erzählt deswegen in aller Deutlichkeit, wie Bruce Wayne als Junge in einen Brunnenschacht fällt und dank der ihn im Dunkeln umflatternden Fledermäuse seine ganz eigene Paranoia entwickelt. Und er hält die Kamera drauf, als Bruces Eltern vor seinen Augen von einem Straßendieb erschossen werden.

Von diesen Bruce Leben doch sehr zeichnenden Situationen führt uns der Film dann aber weg von der amerikanischen Fantasiestadt Gotham City mitten hinein in eine fernöstliche Berglandschaft. Bruce Wayne (Christian Bale), getrieben von inneren Dämonen, erforscht das Verbrechen und ist in der Folge seiner Studien selbst im Knast gelandet. Der Kämpfer Ducard (Liam Neeson) befreit Bruce erst aus seinem Gefängnis und dann von seiner Angst. Er bringt Bruce anschließend in monatelangem Training das wahre Kämpfen bei, das Taktieren und das Verschwinden im Dunkeln, wie es die Art der Ninja ist. Sein Wunsch: Bruce möge sich den Mannen des Ra's Al Ghul (Ken Watanabe) anschließen. Der plant, das verdorbene und von der Korruption bis ins Mark verfaulte Gotham in Schutt und Asche zu legen, um so einen Neuanfang zu erzwingen.

Fast möchte man Applaus klatschen. Nolan gelingt es perfekt, Batmans mächtigen Widersacher Ra's Al Ghul kongenial ins Geschehen einzubringen und dabei auch gleich eine überaus enge Bindung zwischen den späteren Konkurrenten zu knüpfen. Bruce erwehrt sich gegen seinen Förderer und flieht nach Gotham, um hier zum Batman zu werden und Gotham so vor der nahenden Bedrohung zu beschützen.

Wer sich den Film angesehen hat, freut sich über mehrere Vorzüge des neuen Streifens. So weist "Batman Begins" eine ganz eigene Optik auf. Gotham City liegt im Düsteren und strahlt doch zugleich auf eine sehr futuristische Weise. So präsentiert sie sich als Comicstadt mit ganz eigenem Charme. Das tut dem Film sehr gut. Auch die Kämpfe sind einzigartig inszeniert. Sie wirken hart, brutal, vernichtend und sind meistens in Sekundenbruchteilen auch schon wieder vorbei. Batman schlägt zu, wie es sein soll - aus den Schatten und ohne Gnade. Kinder, das ist hier kein Jackie-Chan-Film.

Gelungen ist auch die erstklassige Besetzung des Films. Christian Bale gibt wider Erwarten einen ebenso guten Bruce Wayne wie auch Batman ab. Michael Caine als Butler Alfred ist eine wunderbare Erscheinung. Liam Neeson war nie besser als in seiner Rolle als Ducard. Und Gary Oldman darf als ehrlicher Polizist Jim Gordon endlich einmal auf der Seite der Guten sein. Morgan Freeman als Batmans Verbündeter Lucius Fox und Rutger Hauer als durchtriebener Anführer des Wayne-Konzerns - das passt alles und hat Stil. Da macht es dann auch nichts, dass Katie Holmes als Bruces Liebesaffäre einfach nur schön aussehen muss. Überraschend ist, dass der ganze Film fast ausschließlich ohne Superschurken-Kostüme auskommt. Nur Cilian Murphy als Angst einflößender Scarecrow wird ab und zu kurz zum Superbösewicht, wenn er sich seine Maske überstreift.

Über zwei Stunden gehen schnell vorbei in "Batman Begins". Während dieser Zeit hält der Regisseur alle seine Handlungsstränge problemlos im Gang, um sie in einem spannenden Finale auf den Punkt genau zum Abschluss zu bringen. Trotz der starken Konkurrenz aus dem Marvel-Kosmos wie "Der Punisher" oder "Die Fantastischen Vier" muss ganz klar festgehalten werden: DC meldet sich mit Pauken und Trompeten zurück. "Batman Begins" ist ein starker Film, der es auch im Heimkino krachen lässt und der hinter den Bildern auch genügend Substanz hat, um einen Eindruck zu schinden, der bleibt. So kann sich der Film direkt mit Marvels Flaggschiff "Spider-Man" messen. Wenn die Nachfolger auch so gut werden, ist DC wieder im Rennen.

Warner bringt den Film im Set mit zwei DVDs. Schade ist, dass die Film-DVD nur einen klassischen Dolby-Digital-5.1-Sound bietet. Hier hätte ein glasklarer DTS-Sound richtig Sinn gemacht und das eigene Heimkino zum Beben gebracht. Aber man kann eben leider nicht alles haben. Immerhin finden sich auf der zweiten Silberscheibe zahllose Extras. Hier erzählen die Filmemacher, wie Gotham City entstanden ist, wie Umhang und Maske erdacht wurden und wie die Fledermaus neu auf die Kinoleinwand kam. Viele weitere Specials sammeln geheime Dokumente, stellen Batmans Waffen vor oder laden zur Bildergalerie.

Vertrieb: Warner Bros.
Bild: 2,40 : 1
Ton: Dolby Digital 5.1
Länge: 134 Minuten
Altersfreigabe: ab 12 Jahre
Preis: 20 Euro

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