Athen macht öffentlich-rechtlichen Sender ERT dicht

11. Juni 2013, 20:08 Uhr

Die griechische Regierung hat überraschend für den Abend die Schließung des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ERT angeordnet.

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Die griechische Regierung hat überraschend für den Abend die Schließung des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders ERT angeordnet. Zur Begründung verwies ein Regierungssprecher in Athen auf die angeblich schlechte Führung und die hohen Kosten des Senders. Der von Gewerkschaften umgehend scharf kritisierte Schritt ist auch ein Entgegenkommen an die internationalen Geldgeber, die derzeit in Athen den Stand der Reformen überprüfen.

"Die Ausstrahlung des ERT wird nach dem Ende des Programms heute Abend aufhören", sagte Regierungssprecher Simos Kedikoglou. Der Sender sei ein außerordentliches Beispiel für "fehlende Transparenz" und "unglaubliche Ausgaben". "Das wird nun ein Ende haben", sagte Kedikoglou.

Allerdings solle die Medienanstalt mit derzeit drei Kanälen in neuer Form und mit deutlich weniger Mitarbeitern bald wieder auf Sendung gehen. Die bislang knapp 2700 Mitarbeiter erhielten eine Abfindung und hätten zudem die Möglichkeit, sich beim neuen Sender um eine Stelle zu bewerben, sagte der Sprecher.

Der ERT gehört zu einer Reihe von Staatseinrichtungen, die gemäß dem Abkommen mit der Gläubiger-Troika aus EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) verschlankt werden müssen. Die Troika-Missionsleiter kontrollieren gerade die Umsetzung der bisherigen Auflagen, damit in den kommenden Wochen eine weitere Zahlung von 3,3 Milliarden Euro für das überschuldete Land freigegeben werden kann.

Die Ankündigung der Regierung kam dennoch überraschend und sorgte für scharfe Kritik. "Das ist ein totaler Schock", sagte ein ERT-Redakteur auf Nachfrage der AFP. Die Journalisten-Gewerkschaft Poesy rief die Mitarbeiter der privaten Sender zu einem Solidaritätsstreik auf. "Die Regierung will die öffentlich-rechtlichen Sender opfern, um die Gläubiger zufrieden zu stellen ", hieß es in einer Erklärung. Die Gewerkschaft GSEE erklärte: "Der ERT gehört der griechischen Bevölkerung, er ist das einzige unabhängige Medium und muss öffentlich bleiben."

AFP