Zypern gerettet - und nun?

26. März 2013, 15:26 Uhr

Die Euroretter meinen, das Richtige getan zu haben, auch wenn Zypern ein Tal der Tränen durchlaufen wird. Doch viele Probleme bleiben. Bange Blicke richten sich auf Spanien, Griechenland und Italien. Eine Analyse von Thomas Schmoll

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Zypern gerettet. Aber auch der Euro?©

Auch die komplizierte Welt der Euroretter ist manchmal ziemlich simpel. "Das Geschäftsmodell war einfach nicht brauchbar", stellt EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso fest und rät: "Zypern muss neue Quellen für Wachstum finden." Leicht gesagt, schwer getan. Um nicht zu sagen: extrem schwierig. Zypern ist vor der Pleite bewahrt worden. Aber wie nun weiter mit dem Land? Und wie weiter mit Europa und seiner Gemeinschaftswährung? Sicher ist: Das war's noch lange nicht mit der Krise. Wieder einmal ist Zeit gewonnen worden für dringend notwendige Reformen. Mehr aber auch nicht. Die Probleme in Italien, Frankreich, Spanien, Portugal und Griechenland sind geblieben.

Der Preis, den Zypern - und Europa - dafür zahlen muss, den Bankrott der Insel verhindert zu haben, ist immens. Man muss kein Schwarzseher oder Eurohasser sein, um vorherzusagen, dass das Eiland begrenzte Möglichkeiten hat, Ersatz für sein "einfach nicht brauchbares" Geschäftsmodell aus üppigen Zinsen, Steuerdumping und laxer Finanzaufsicht aufzutun. Die Hoffnung steckt in einigen tausend Meter Tiefe: milliardenschwere Gasvorkommen im Mittelmeer. Der Abbau kann jedoch erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts beginnen.

Bis dahin wird der Inselstaat ein Tal der Tränden durchlaufen. Er wird in eine harte Rezession abrutschen. Allein die Schließung und Zerschlagung der zwei größten Banken und die damit verbundene Neuordnung der Finanzbranche des Landes wird Tausende Arbeitsplätze kosten. Sehr wahrscheinlich verlassen Hunderte Millionen oder Milliarden Euro die Insel ersatzlos, als Folge wird der Sektor weiter schrumpfen. Die Regierung in Nikosia muss sparen, was Einschnitte im Sozialsystem und Stellenabbau im ziemlich aufgeblähten öffentlichen Dienst nach sich ziehen wird. Staatliche Investitionen: Fehlanzeige.

So wird Zypern nun das durchmachen, was Portugal , Irland, Griechenland und Spanien längst erleiden: den Teufelskreis aus jahrelangem Sparen und tiefer Rezession. Die französische Großbank Société Générale sagt der Mittelmeerinsel eine mehrjährige schwere Wirtschaftskrise voraus: Bis Ende 2017 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 20 Prozent schrumpfen. Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank, erklärt: "Euphorie ist fehl am Platze."

Die Warnung muss sich auch der Rest Europas zu Herzen nehmen. Optimisten werten es als gutes Zeichen, dass die Märkte im Zuge der Zypern-Krise nicht so hypernervös auf eine drohende Staatspleite reagierten wie im Ringen um Griechenland. Italien und andere finanzschwache Länder können sich momentan über sinkende Zinsen freuen, Investoren stoßen Staatsanleihen der Eurozone nicht mehr panikartig ab. Schon preisen die Anhänger der Gemeinschaftswährung den Kurs von Politik und Europäischer Zentralbank (EZB) als "wirksame Schutzmauer". Doch taugt Zypern - es steuerte weniger als ein Prozent der Wirtschaftsleistung der Eurozone bei und ist wirtschaftlich ohne Bedeutung für den Währungsraum - wirklich zum Maßstab?

Noch wirkt Draghis Beruhigungspille

Noch wirkt die Beruhigungspille, die EZB-Präsident Mario Draghi im Herbst 2012 der Weltwirtschaft verabreichte, als er ankündigte, Staatsanleihen der Eurokrisenländer immer dann zu erwerben, wenn die Zinsen in den roten Bereich steigen. Die Fragen lauten: Wie lange noch? Und wie lange geht das noch gut? Die damit verbundenen Risiken sind nicht weg. Zwar gibt es keine Anzeichen für gravierende Inflation. Aber die Welt ist voll von billigem Geld, weil der Kurs der EZB von jahrelangen Leitzinsen zum Nulltarif flankiert wird. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) verfährt ebenso: Sie kauft US-Staatsanleihen und versorgt somit das Land mit Frischgeld. Kritiker sehen darin ein hochgefährliches Schneeballsystem. Die Flut an billigem Geld birgt die Gefahr von Blasen, also Kursstürze an den Börsen oder Einbrüche im Immobiliengeschäft, weil der Wert bestimmter Anlagen sich als künstlich aufgebläht erweist.

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