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16. April 2009, 14:08 Uhr

Obamas Pakt mit dem Teufel

Barack Obama, seit drei Monaten im Amt und seit neustem stolzer Hundebesitzer, steckt in einem Dilemma: Um der Wirtschaftskrise Herr zu werden, braucht er die mächtigen Finanzoligarchen von der Wall Street. Gleichzeitig aber will er deren Einfluss beschneiden. Was nun, Mr. President? Von Katja Gloger

 
Barack Obama, Bo, Wall Street, Finanzkrise

"Professor und Priester": Obama tat, was er besonders gut kann - reden, überzeugen, begeistern© Alex Wong/Getty Images

Herzerwärmend, zuckersüß, beinahe so, als ob es diese Krise gar nicht gäbe. Eine Familie tollt beglückt durch den Garten, die Sonne scheint, sie begrüßen ihren neuen Hund, ein ziemlich schwarzes Knäuel mit weißen Pfoten, Bo heißt der freundliche Kerl, ein "PWD", Portugiesischer Wasserhund. Gerade mal sechs Monate alt, und schon zieht er einen lachenden Präsidenten kameragerecht an der Leine hinter sich her. Im Hintergrund blühen rote Tulpen, ein Springbrunnen plätschert, die Kinder strahlen, die Nation ist entzückt - und Barack Obama wäre nicht Präsident Obama, wenn mit dem neuen "First Puppy" nicht auch ein eleganter Polit-Gag verbunden wäre: der Hund ist ein Geschenk von Senator Ted Kennedy, dem schwerkranken Granden des US Senats, politisches Urgestein der Demokraten, der nun sein Lebenswerk mit Obamas Hilfe vollenden will.

Ein Hund für's Weiße Haus - das gehört bei allen US-Präsidenten dazu wie das alljährliche Eierlaufen und die Scharfschützen des Secret Service. So ein Hund ist preiswerte Dauerwerbung für den Präsidenten. Und in diesem Fall fügt sich Bo harmonisch in die Operation "Vertrauen schaffen" des White House. Knapp drei Monate ist der Präsident nun im Amt, von seiner Reise nach Europa hat er jede Menge neues Vertrauen, aber ziemlich wenig konkrete Ergebnisse mitgebracht. Knapp drei Monate im Amt, es herrscht eine Weltenkrise, es gilt, erste Zweifel an seiner Amtsführung zu zerstreuen: Die einen fürchten, der Präsident packe zuviel auf einmal an, die anderen kritisieren, er unternehme einfach nicht genug. Kann er es überhaupt leisten, einen Weg aus der Krise zu finden, ein neues Amerika zu bauen?

Also stellte sich Barack Obama jetzt an ein Pult und tat das, was er sicher gut kann: reden, überzeugen, begeistern. 45 Minuten lang sprach er zur düsteren Wirtschaftslage der Nation, mal wieder "Professor und Priester" zugleich, wie die Washington Post bemerkte. Er sprach, wie anders, von der tiefen Krise, den Herausforderungen und den harten Zeiten, die das Land noch durchmachen werde. Zugleich verkündete er optimistisch die ersten "Hoffnungsschimmer", auch wenn er offenbar der Einzige ist, der sie sieht. Vor allem aber bat er um Geduld - in einer Gesellschaft, die sich bislang über Instant-Erfolg und schnellen Profit identifiziert hatte.

Vor allem aber sprach Barack Obama davon, dass er in seiner Präsidentschaft das Fundament für ein neues Amerika legen wolle. Ein Haus, wie in der Bergpredigt, nunmehr auf Stein gebaut. Das Fundament: eine Gesundheitsreform, eine grüne Revolution, Bildung, Haushaltsdisziplin. Und zu diesem Fundament soll auch gehören: mehr Kontrolle über die Wall Street.

Barack Obama wollte die Zukunft eines neuen amerikanischen Kapitalismus zeichnen. Einen geläuterten, einen der Menschen dient, vielleicht gar sogar einen bescheideneren. Den gibt es, zumindest seiner Meinung nach. Der Mann hat ein Problem.

So mächtig und gierig wie sonst nur in Russland oder Südamerika

Denn in den USA hat sich in den vergangenen Jahren eine Finanzoligarchie etabliert, die so mächtig ist und so gierig wie sonst nur in Ländern wie Russland oder Südamerika. Dies zumindest behauptet Simon Johnson, einst Chefökonom des Internationalen Währungsfonds IMF, in einem Artikel des Monatsmagazin "Atlantic Monthly". Amerikas Oligarchen, die Herrscher der Wall Street, haben mit immer höheren Einsätzen gezockt in dem ganz großen Spiel - immer mehr, immer schneller, bis es zum unvermeidlichen Kollaps des Systems kam. Diese Oligarchen - Amerikas Banker und Finanziers -verhindern nun eine Lösung der Krise, glaubt Johnson. Denn sie verschleiern das wahre Ausmaß der Verluste im Finanzsystem, in den Banken. Vergeben aus Misstrauen keine Kredite mehr, lassen sich mit Steuergeldern "freikaufen", - und die Regierung lässt sich notgedrungen auf großzügige Deals mit Steuerzahlergeldern ein, mit denen sie letztlich das alte Finanzsystem rettet, Amerikas Oligarchien.

Und irgendwie passt eine Zahl in dieses Bild: 1,8 Milliarden Dollar. Dies ist der Gewinn, den die einstige Investmentbank Goldman Sachs für das erste Quartal dieses Jahres meldete. Als einzige amerikanische Großbank verbuchte sie einen derart satten Gewinn. Sicher, ein kleiner Taschenspielertrick half dabei, neue Bilanzregeln, nach denen beträchtliche Verluste aus dem vergangenen Jahr nicht mehr auftauchen mussten. Dennoch lieferte Goldman Sachs eine beeindruckende Zahl - ein Phönix aus der Asche, gerade einmal sechs Monate nach dem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems. Ein Sieg aus eigener Kraft, ein Sieg des neuen, amerikanischen Kapitalismus? Wäre da nicht diese Firma, AIG, noch vor kurzem weltgrößter Versicherungsgigant, der im vergangenen Herbst die Welt um ein Haar in den Abgrund gerissen hätte. Der in buchstäblich letzter Minute mit Staatshilfen gerettet wurde - in einer dramatischen Sitzung, an neben Finanzminister Hank Paulson ( einst Chef von Goldman Sachs) auch dessen Nachfolger Lloyd Blankfein teilgenommen hatte. Denn den Herren von Goldman Sachs schuldete AIG viele Milliarden Dollar, vielleicht zu viele, um den Versicherer gehen zu lassen. 13 Milliarden hat AIG inzwischen an Goldman Sachs zurückgezahlt - Gelder, die AIG aus dem staatlichen Rettungsfonds erhalten hatte. 13 Milliarden Dollar Steuergelder.

Geholfen hat nur die Schwäche der anderen

Nein, hieß es in der Siegesmeldung aus der Wall Street, nicht die Staatshilfen hätten geholfen. Sondern allein die Schwäche der anderen. Das Scheitern, das Sterben, das Zögern anderer Banken. Und die Börse belohnte Goldmans Banker, deren Bezahlung ja auch auf Aktienoptionen basiert: der Kurs stieg gegenüber dem Tiefstand im vergangenen November schon wieder um gut 100 Prozent.

Der Präsident muss die Wirtschaft in Schwung bringen, er braucht Geld, ein funktionierendes Bankensystem, Kreditvergabe - und zwar rasch. Das Vertrauen, das er mit seinen wunderbaren Ansprachen in die Nation pumpt, reicht nicht. Es ist ein elendes Dilemma: Barack Obama braucht Amerikas Finanz-Oligarchen, deren Macht er zugleich beschneiden will. Es wäre nicht das erste Mal, das sich so ein Zweckbündnis als Pakt mit dem Teufel erweist.

Katja Gloger

Katja Gloger Die Wirtschaftskrise hat eine Welt fest im Griff, die auch ohne sie vor einer Neuordnung steht. Vor allem seit Barack Obama ins Weiße Haus eingezogen ist. Wie Amerikas Präsident die Welt verändern will, wer in Russland um die Macht kämpft, warum China das 21. Jahrhundert bestimmen könnte und worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen sonst noch rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der stern.de-Kolumne "Was die Welt bewegt". Katja Gloger hat als Korrespondentin jahrelang für den stern aus Washington und Moskau berichtet.

Von Katja Gloger
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
utospatz (18.04.2009, 20:58 Uhr)
Dem verblödeten deutschen Volk
wäre eigentlich ein Obama zu wünschen, denn er ist ein Mensch, der in 6 Wochen mehr bewegt hat, wie 3000 deutsche christliche, soziale und liberale Gernegrößen in 60 Jahren! Ist doch Toll! Oder was?
BodoGiertz (17.04.2009, 11:38 Uhr)
Das schon der 2. Pakt !!!
Dieser Bericht zeigt, dass auch der Hoffnungsträger B. Obama, trotz seines Rückhalts im Volk, nicht alles machen kann, was er gerne machen will.
Um so unverständlicher ist, dass er, ganz ohne Sachzwänge, bereits einen " Pakt mit dem Teufel " geschlossen hat.
Die Ernennung von A.F.Rassmussen zum NATO-Generalsekretär !
Was für ein Neuanfang, nach dem G.W.Bush-Desaster, soll das denn sein, wenn nun dessen Steigbügelhalter und Wasserträger in solche Positionen kommen ???
utospatz (16.04.2009, 20:59 Uhr)
Was nutzt eine wirtschafts, und Finanzolligarchie?
Ohne Fußvolk sind sie Alle Hie!
Selbst bei den ollen Ägyptern wären niemals Pyramiden entstanden, wären keine Sklaven da gewesen! Selbst der Herr Pythagoras hätte aus diesem Grunde niemals das Verhältnis der Hypothenuse zur Kathede erfunden!
Da das deutsche Fußvolk öffentlich rechtlich dank politischem Einfluss immer weniger gebildet, wird es seit jahrzehnten schon von seinen eigenen gewählten weiter gebildet!
jetrabbit (16.04.2009, 17:13 Uhr)
wer ist der teufel
das ist eine menschliche schwäche den schuldigen nicht in sich, sondern in anderen zu suchen... versagt hat das ich, somit wir alle. selbst die wohl strengsten staatskontrollen der welt... china und russland, sind bestechlich. was können wir denn noch machen um eine kontrolle über wirtschaftskriminalität und bestechung zu erlangen.
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hier muss das volk selbtbewustsein zeigen und ein für allemal verlangen, dass die gesetze angewendet werden. überparteilich und einheitlich.
SirExekutive (16.04.2009, 16:27 Uhr)
hochfinanz
es ist doch ein offenes geheimnis das die hochfinanz nicht nur in amerika die zügel hält, sondern fast überall auf der erde. (nicht umsonst galt rothschilds berümter satz “Gib mir die Kontrolle über die Währung eines Landes und es ist mir egal wer die Gesetze macht.”)
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obamas geschwafel von wegen das er die wallstreet an die kette legen bzw. einschränken will, ist nur gelaber um die massen zu beruhigen.
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die macht der hochfinanz wurde in zeiten der aktuellen kriese kein stück geschwächt. ganz im gegenteil sie nutzen die kriese um so all ihre gegner zu zerstören. und der gegner ist die bis dato kläge, restlich verbiebene souveränität -innerhalb- einiger staaten. denn solange diese noch vorhanden ist, kann die hochfinanz und die elite dahinter noch entmachtet werden.
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deswegen wurde auch die kriese künstlich erschaffen. man hat unendlich viele schulden gemacht und nun lässt man diese von den einzelnen ländern lasten- diese können die neu schulden und damit die nöch stärkere zinsbelastung tragen und werden deswegen alle unweigerlich auseinander brechen.
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vielleicht wird der stern auch eines tages mal den sinn der kriese erfassen und von der oberflächlichkeit zu einer sinngebung des ganzen kommen.
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da aber der stern ebenfalls nicht soverän ist und von seilschaften abhängig ist, bleibte eine nicht oberflächliche berichterstattung wohl unausweichlich
Sternchen2020 (16.04.2009, 16:22 Uhr)
Nonsens!
Und ein völlig unsinniger Titel. Obama ist von den Giganten im Finanzmarkt nicht mehr und nicht weniger abhängig, wie es hier im Lande auch der Fall ist.
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Wer dei amerikanischen Strukturen sehr gut kennt und vor allem den Bezug der Amerikaner zum Kapitalismus, kommt bei diesem Artikel nur zu einem vernichtenden Ergebnis.
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Dann lieber keinen Artikel senden, als so einen.
MRP66 (16.04.2009, 16:06 Uhr)
Frau Gloger wo leben sie denn?
Sie schreiben:"Denn in den USA hat sich in den vergangenen Jahren eine Finanzoligarchie etabliert, die so mächtig ist und so gierig wie sonst nur in Ländern wie Russland oder Südamerika."
Hatten Sie überhaupt Geschichtsunterricht?
Wer waren denn die ersten Finanzoligarchen und wo traten die denn auf und Ihre Enkel bis zum heutigen Tag? Sagen Ihnen die Namen JP Morgan und Paul Warburg etwas?
Woodrow Wilson unterzeichnete den Federal Reserve Act am 23. Dezember 1913. Die Geschichte hat gezeigt, dass an jenem Tag die Verfassung aufhörte, das amerikanische Volk zu steuern, und unsere Freiheiten wurden einer kleinen Gruppe von internationalen Bankiers überlassen."
HW Loucks: "Das Haus Morgan hat jetzt die oberste Kontrolle über unsere Industrie-, Handels-und politischen Angelegenheiten. Sie haben die volle Kontrolle über die politischen Entscheidungsträger in den Demokratischen, Republikanischen und Progressiven Parteien.
Doshi (16.04.2009, 16:03 Uhr)
keine Substanz und immer weniger Niveau
Der STERN gleitet immer mehr ab. Nur beim Dschungel-Camp, da war hat er gut recherchiert und wirklich politisches Wissen gezeigt...
Reality (16.04.2009, 15:58 Uhr)
Es wird wohl so kommen wie es kommen muß...
Es wird wohl eine Währungsreform auch in Amerika kommen.
Denn sie haben bisher wenig dafür getan, um die Dinge wirklich grundlegend zu ändern, somit ist der nächste wirtschaftliche Zusammenbruch an der Börse nur eine Frage der Zeit und das nächste Mal werden keine Billionen mehr irgend etwas retten sondern es wird nur noch eine Währungsreform helfen.
Eigentlich düstere Aussichten.
Und gerade dies macht das Ganze so gefährlich.
Oft führen solche Situationen zu einem Krieg.
Hoffen wir, dass es nicht so kommt.
Aber was will man tun, wenn das Kapital stärker ist als die Politik und alles unterbindet was hilfreich wäre rein aus Verblendung und der Gier immer noch mehr schnelle Spiel-Gewinne zu machen obwohl nichts greifbares an Gegenwert geschaffen wird.
jsmooth (16.04.2009, 14:29 Uhr)
keine Substanz...
...hat dieser Artikel. Wissen wir schon alles, nur dass jetzt zusätzlich noch über ein Wollknäuel berichtet wird(1 Drittel es Artikels wurde verschwendet).
Der arme Hund, wieder ein Tier das für wiederliche Zwecke missbraucht wird.
Was die Welt bewegt

Worüber die Mächtigen dieser Erde hinter den Kulissen rangeln, darüber schreibt stern-Autorin Katja Gloger in der Kolumne "Was die Welt bewegt"

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