26. Oktober 2012, 15:04 Uhr

Der Druck auf die CSU-Führung nimmt zu

Auch nach dem Strepp-Rücktritt ist die Affäre für die CSU nicht ausgestanden. Im Kreuzfeuer der Kritik: CSU-Chef Seehofer und Generalsekretär Dobrindt. Der wiegelt ab: "Ich hätte den Anruf untersagt."

Strepp, CSU, Dobrindt, Seehofer, ZDF, Bayern, Landtag,

"Keine Anweisung bekommen - von niemandem": Generalsekretär Alexander Dobrindt©

Auch nach der Entlassung des CSU-Sprechers Hans Michael Strepp ist die Affäre um die angeblich versuchte Einflussnahme auf Berichterstattung des ZDF für die Christsozialen nicht ausgestanden. SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte von CSU-Chef Horst Seehofer laut "Passauer Neue Presse" vom Freitag "als Mindestes eine öffentliche Entschuldigung". Bayerns SPD-Chef Florian Pronold verlangte zudem den Rückzug der CSU-Spitze aus den ZDF-Gremien. Strepp hatte am Sonntag nach Angaben des ZDF in der Redaktion der "heute"-Nachrichten angerufen und mit dem Anruf eine Berichterstattung über die Wahl von Christian Ude zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl 2013 auf deren Parteitag in Nürnberg verhindern wollen. Seehofer entließ am Donnerstag Strepp deshalb auf dessen Wunsch hin.

Nachspiel im Parlament

SPD-Chef Gabriel, der am Sonntag ebenfalls in Nürnberg bei der Ude-Wahl vor Ort war, forderte in der "PNP", dass der Fall "aufgeklärt" werden müsse. Seehofer sei "für ein Klima verantwortlich, in dem Spitzenmitarbeiter meinen, solche Aktionen starten zu können". SPD-Bundestagsfraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte der Zeitung, Strepp sei nur ein "Bauernopfer". Er vermute, dass der Sprecher nicht auf eigene Faust gehandelt habe. Steinmeier drohte den Christsozialen mit einem Nachspiel im Parlament. "Wenn CSU-Chef Horst Seehofer nicht selbst für Transparenz sorgt, wird die SPD ihre parlamentarischen Möglichkeiten nutzen, um aufzuklären."

"Als Kontrolleur endgültig disqualifiziert"

Der bayerische SPD-Chef Pronold forderte, dass die Affäre jetzt in den zuständigen Gremien des ZDF besprochen werden müsse. "Allerdings ohne Horst Seehofer und Alexander Dobrindt. Seehofer ist in der Sache befangen, schließlich hat er das ZDF bezichtigt, den Anruf seines Sprechers falsch wiedergegeben zu haben." Seehofer müsse sein Amt im ZDF-Verwaltungsrat ruhen lassen, bis die Anrufe restlos geklärt seien. CSU-Generalsekretär Dobrindt müsse sich vollständig aus dem ZDF-Fernsehrat zurückziehen, forderte Pronold. Er sei "untragbar geworden, weil er in der Affäre vertuscht statt aufgeklärt hat. Er hat sich als Kontrolleur eines so wichtigen öffentlich-rechtlichen Senders endgültig disqualifiziert", sagte Pronold. Deshalb müsse Dobrindt als Mitglied des ZDF-Fernsehrates zurücktreten.

"Den Anruf untersagt"

Der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt weist derweil Verantwortung für den Anruf des zurückgetretenen Parteisprechers Hans Michael Strepp beim ZDF zurückgewiesen. "Ich habe keine Anweisung dazu gegeben - ein klares Nein", sagte Dobrindt am Freitag der Nachrichtenagentur dpa in München. "Ich hätte auch diesen Anruf nicht geduldet, sondern ihn untersagt, wenn ich vorab davon erfahren hätte", betonte Dobrindt. Und weiter: "Strepp sagt ja selber, er habe keine Anweisung bekommen - von niemandem." Dies habe Strepp gegenüber ihm und auch gegenüber Parteichef Horst Seehofer versichert. Zudem habe Strepp betont, dass er das ZDF nicht habe beeinflussen wollen.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin forderte den Rückzug aller Politiker mit Regierungsamt aus den Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender. "Wir fordern das seit Jahren, wir klagen deshalb vorm Bundesverfassungsgericht. Genau in dieser Verschränkung von Regierung und Medien findet dann diese Einflussnahme, diese Grauzone statt", sagte Trittin dem Sender n-tv. In Bayern sei die CSU nach 50 Jahren Herrschaft offensichtlich der Auffassung, dass Staat, Partei und öffentlich-rechtlicher Rundfunk eins seien. "Das passiert halt, wenn man länger regiert als Fidel Castro, aber das geht so nicht."

ins/DPA
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
CSU-Sprecher ruft bei ZDF an Wer war der Mann hinter Strepp?

Welcher Parteisprecher ist so dämlich, einem Redakteur zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat? Vieles spricht dafür, dass CSU-Mann Strepp auf Anweisung gehandelt hat.

Vorwurf der Einflussnahme ZDF verlangt Erklärung von der CSU

Was wollte der CSU-Sprecher mit seinem Anruf beim ZDF bezwecken? Strepp dementiert den Versuch der Einflussnahme. Der Fernsehsender fordert umfassende Aufklärung.

Landesparteitag in Nürnberg CSU wollte ZDF-Bericht über SPD-Parteitag verhindern

Bei Anruf Einflussnahme: Ein CSU-Sprecher soll das ZDF aufgefordert haben, nicht über den SPD-Parteitag zu berichten und gedroht haben, andernfalls werde es "Diskussionen nach sich ziehen".

Studiengebühren in Bayern CSU erwägt Abschaffung der Uni-Maut

Kurswechsel in Bayern: In der CSU-Landtagsfraktion mehren sich die Stimmen für eine Abschaffung der Studiengebühren. Möglicherweise könnte die schon vor Beginn eines Volksentscheids umgesetzt werden.

Lieblingsprojekt der CSU Rösler greift Betreuungsgeld an

Das Betreuungsgeld bleibt heftig umstritten. FDP-Chef Rösler attackiert das CSU-Lieblingsprojekt, und selbst die neuesten Ideen der Union stoßen bei der Opposition auf Kritik.

Rede auf CSU-Parteitag Wenn Horst Seehofer erblüht

So eins war Horst Seehofer selten mit sich und seiner Partei. In München hat der vor Kraft und Harmoniewillen strotzende CSU-Chef die Losung für 2013 vorgegeben: Bayern gehört uns - ganz alleine.

 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2013)
Hoffen oder handeln?